Reiner Rutenbeck entführt in die Vergangenheit

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Über viele Jahre hinweg hatte Reiner Rutenbeck historische Fotografien von Schalksmühle gesammelt. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat Reiner Rutenbeck vom „Verein für Geschichte und Heimatpflege“ die historischen Fotos für die Schalksmühler Ausgabe des Stadtwerkekalenders zusammengestellt. Die Idee, die schwarz-weißen Fotografien und ihre Geschichte zu einem Bildervortrag zu verarbeiten, setzte Rutenbeck jetzt im Rahmen des Offenen Gesprächskreises der Evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück im Gemeindezentrum der Kreuzkirche am Mathagen um.

Dabei war das Publikumsinteresse an dem ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrag außergewöhnlich groß – viele waren an der geschichtlichen Vergangenheit ihres Heimatortes interessiert oder wollten in Erinnerungen schwelgen. Das „Kiepenlisettken“, jene Skulptur, die zum Schalksmühler Wahrzeichen avancierte, von der Firma Falkenroth gespendet und einer Fotografie des Schalksmühler Fotografen Max Kettling nachempfunden wurde, bildete den Ausgangspunkt für die Reise in die Vergangenheit der Volmegemeinde.

Grundlage für die Fotoschau waren häufig Postkarten des in Schalksmühle ansässigen Postkartenverlages „Kettling und Krüger“, einst der größte Ansichtskartenverlag in Deutschland. „Da der Geschichtsverein den Nachlass dieses Unternehmens geerbt hat, besteht bei uns an alten Impressionen und Ansichten der Gemeinde sowie ihrer Umgebung kein Mangel“, betont Reiner Rutenbeck.

Wie eine Ansicht Schalksmühles aus dem Jahr 1869 zeigt – eine Zeit, in der der Ort aus gerade mal zehn Häusern entlang der Volmemündung bestand – hat sich im Laufe der Zeit in Schalksmühle viel verändert. Einzig das Gebäude des „Westfälischen Hofs“ war auf dieser Aufnahme bereits zu erkennen. Eine gezeichnete Ansicht Schalksmühles auf einer Postkarte der 1890er Jahre zeigte dagegen die Erlöserkirche bereits mit Kirchturm, der jedoch einige Jahre später an das Kirchenschiff angebaut wurde. Ein großes Thema der historischen Fotografien war das Leben und Arbeiten in den zahlreichen Hammerwerken, die vor dem Einzug der Elektroindustrie in Schalksmühle ansässig waren.

Manch ein Motiv dokumentierte zum Beispiel die Arbeit an Reckhämmern und Breitehämmern. Auch eine Impression der „Örtiet“, des gemeinsamen Frühstücks der Arbeiter, bei dem meist „Muckefuck“, ein Kaffeeersatz aus geröstetem Getreide, getrunken wurde, fand den Einzug in die Bilderschau. Gezeichnete und gemalte Darstellungen der Anlagen damaliger Schalksmühler Unternehmen waren ebenso Bestandteil historischer Postkarten wie Fotografien von markanten Gebäuden, Gastronomie- und Hotelbetrieben sowie der malerischen Landschaft. Ebenfalls ein beliebtes Motiv der Fotografen: das Treiben auf dem Schalksmühler Bahnhof. Das alte Bahnhofsgebäude, die Lieferung eines 30 Tonnen schweren Flammrohrkessels auf Schienen sowie die lokale Eisenbahn „Schnurre“ stellen auch heute noch spektakuläre Fotomotive dar.

Interessant für viele Besucher waren schließlich die historischen Impressionen der Bahnhofstraße, die schon früh ein ähnliches Aussehen wie heute hatte. Dort waren die wichtigsten Einzelhandelsgeschäfte der Gemeinde ansässig, darunter der Kolonialwarenladen „Hamburger Importhaus“ sowie das Fotohaus Kettling.

Dem Schalksmühler Strandbad, das als Magnet für Einheimische und Touristen dienen sollte und ebenfalls auf vielen Fotos verewigt wurde, war dagegen nur ein kurzes Leben beschieden. Im Jahre 1935 eingeweiht, beschädigte die Kälte des strengen Winters der Jahre 1939/1940 die Mauern, die aufgrund der Wirren des 2. Weltkrieges nicht mehr instand gesetzt wurden.

Der nächste Offene Gesprächskreis der Evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück findet am Dienstag, 7. Mai, ab 19.30 Uhr in der Kreuzkirche zum Thema „Der demografische Wandel – (kein) Problem für Kirche und Gesellschaft“ statt. Referent ist Marcel Temme vom „Institut für Kirche und Gesellschaft“ in Schwerte. ▪ bot

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