Geschichte des Bügeleisens spielt auch in Schalksmühle

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Bernadine Holthaus und Reiner Rutenbeck vom Verein für Geschichte und Heimatpflege Schalksmühle, die das Archiv betreuen.

Schalksmühle - Die Geschichte des Bügeleisens reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück und spielt dabei auch in Schalksmühle.

Wer sich teure Stoffe leisten konnte, legte schon damals großen Wert auf eine gepflegte Erscheinung und faltenlose Kleidung. Steht bei heutigen Bügeleisen die Funktionalität – Dampfleistung, Sprühfunktion und leicht zu reiningendes Sohlenmaterial – im Vordergrund, waren die Bügeleisen früherer Zeiten teilweise wahre Schmuckstücke mit kunstvoll gearbeiteten Porzellangriffen. 

Speziell die „Ära Bergisch-Märkischer Bügeleisen und Frisiereisen“ hat der Autor Werner Loecherbach in seinem gleichnamigen Bildband aufgearbeitet und mit seinen Recherchen „Eine Chronik in Geschichte und Technik, Daten und Zitaten“ geschaffen. 

Den Zeitraum vom 17. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts deckt sein Forschungsbeitrag, zu dem das Archiv der Gemeinde Schalksmühle Unterlagen beisteuerte, ab. Zu den Firmen, die der Experte als Bergisch-Märkische Markenbotschafter anführt, gehören aus Schalksmühle unter anderem die 1817 gegründete Firma Friedrich Wilhelm Krägeloh, die Firma August Krampe – seit 1857 registriert – und die einstige Firma Ludwig Schröder als Spezialist für Westfälische Glanz-Bügeleisen und „Westfalia“-Satzeisen. 

Wie aus Loecherbachs Forschungen hervorgeht, war vor allem die 1867 – vor 150 Jahren – von dem Präzisionsschmied Ludwig Schröder gegründete Firma eines der führenden Unternehmen der Branche. „Wir haben Herrn Loecherbach 2014 Unterlagen geschickt“, erklärten Bernadine Holthaus, Ansprechpartnerin im Archiv, und Reiner Rutenbeck als Betreuer des Bildarchivs auf Nachfrage die Zusammenhänge. Mit der Bitte um Unterlagen über Porzellangriffe von Bügeleisen sei der Experte damals an das Archiv herangetreten. 

Firma Schröder einst einer der Marktführer

Wie auf Seite 300 seines Bildbandes, der dem Archiv in überarbeiteter Auflage vorliegt, nachzulesen ist, hatte die Firma Ludwig Schröder einst „die größte Marktpräsenz von Westfälischen Glanzbügeleisen mit Steingut-, Porzellan- und Keramik-Griff-Formen“. Schröders „dynamischer Dekorationswille“ habe „ein Substrat an aparten, vielfarbigen, reich verzierten Dekoren entstehen“ lassen, lobt der Verfasser. 

Im Kapitel über die Blütezeit der Blumen-Dekore an Griffgefäßen Westfälischer Glanzbügeleisen taucht der Name des Schalksmühler Unternehmers, der 1867 sein erstes Hammerwerk und gemeinsam mit Johannes Stahl die Fabrik und Großhandlung Schröder & Stahl erbaute, immer wieder auf. Ab 1880 lenkte Schröder die Geschicke des Unternehmens alleine. Die Bügeleisen waren nur ein Teil seiner vielseitigen Fabrikation. 

In Ochsenzungen-Form mit Griff-Dekor

Die auf volkskundliche und Biedermeier-Vorlagen zurückgehenden Motive für die Bügeleisengriffe wurden „vor allem in Porzellan, Keramik und Steingut für den Spitzenreiter Ludwig Schröder in Schalksmühle“ modelliert. Zahlreiche Abbildungen von Glanzbügeleisen in typischer Ochsenzungen-Form mit Griff-Dekor unterstreichen im Buch die Experimentierfreudigkeit des Hauses Schröder. 

Florales, Jugendstil-Dekore mit Beziehung zum japanischen Holzschnitt und Amoretten-Dekore sind zu sehen. Wie Bernadine Holthaus und Reiner Rutenbeck erläuterten, existierte die Firma Ludwig Schröder bis Anfang der 1980er-Jahre in Schalksmühle. Heute steht an ihrer Stelle die Firma Kalthoff.

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