Bewegende Erinnerungen ans Kriegsende

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Beim Offenen Gesprächskreis im Gemeindehaus der Kreuzkirche war das Ende des Zweiten Weltkrieges vor heute 70 Jahren Thema. Mehrere Zeitzeugen erinnerten sich an die damaligen Erlebnisse.

Schalksmühle - „Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen, können sie gescheh’n.“ Mit diesem Zitat aus einem Lied von Katja Ebstein beendete Hans Lau seinen Beitrag zum Offenen Gesprächskreis in der Kreuzkirche anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Lau war einer von drei Zeitzeugen, die am Dienstag von ihren teils bewegenden Erlebnissen rund um das Ende des Krieges berichteten.

Von Björn Othlinghaus

An Wunder glaubt Hans Lau bis heute, denn während und nach der Flucht mit der Familie aus seiner Heimat, dem westpreußischen Riesenburg, hat er einige hautnah erlebt. „Damals, als 14-jähriger Junge, war ich Jungenschaftsführer im Jungvolk und glaubte fest an den Endsieg“, erzählte Lau, der bei seinem Vortrag angesichts der bewegenden Erinnerungen mehrfach eine Pause einlegen musste. „Weil damals ein Befehl des Gauleiters Koch eingegangen war, dass es der Wille des ‘Führers’ sei, nur in Uniform in der Öffentlichkeit zu erscheinen, wollte ich meine Jungvolkuniform auch während der Flucht nicht ablegen“, erinnerte sich Lau.

Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner zehnjährigen Schwester Eva begann ein langer, beschwerlicher Weg für Hans Lau, in dessen Verlauf auch noch seine Schwester im Chaos spurlos verschwand. „Das erste Wunder geschah, als wir auf die Einheit meines Vaters trafen, der in einem Luftwaffenlazarett für Hirngeschädigte Dienst tat“, erinnert sich Lau. „Der ließ uns dann nicht mehr weg.“ Lau musste allerdings seine Jungvolkuniform ausziehen – zu groß wäre sonst die Gefahr für alle Beteiligten gewesen.

Im Mai 1945 kam Hans Lau mit seinem Vater und seiner Mutter nach Halver, wo die intensive Suche nach der Schwester entgegen aller Wahrscheinlichkeit von Erfolg gekrönt war. „Eva befand sich in einem Sammellager in Dänemark, und im Mai 1946 konnte mein Vater sie im Sammellager in Hamburg abholen“, erinnert sich Lau.

Von einem schlimmen Ereignis am 5. Mai 1945 berichtete Rüdiger Bock, der aus Bochum nach Schalksmühle übergesiedelt war. Eine gefundene Stilhandgranate ohne Abzugsleine, die der damals sechsjährige Rüdiger Bock, zwei Freunde und sein achtjähriger Bruder damals für ungefährlich hielten, wurde den Kindern zum Verhängnis.

Granate tötet zwei Freunde

„Nachdem die Granate von einem von uns geworfen worden und genau auf den Zünder gefallen war, detonierte sie auf der Stelle“, erzählt Bock, den die Ereignisse bis heute nicht loslassen. „Von unseren beiden Freunden fand man später kaum noch etwas wieder, da sie vollständig von der Granate zerrissen wurden, mein Bruder starb wenig später an seinen schweren Verletzungen.“ Rüdiger Bock, ebenfalls schwer verletzt, sollte der linke Fuß amputiert werden, doch sein Großvater mütterlicherseits verhinderte die Amputation. „Diese schlimmen Erlebnisse verfolgen mich bis heute“, sagte Rüdiger Bock.

Dritter Referent an diesem Abend war Reiner Rutenbeck, der bei Kriegsende zwölf Jahre alt war und seine Erlebnisse in der Gemeinde Schalksmühle mit geschichtlichen Fakten verknüpfte. So erinnerte sich Rutenbeck unter anderem an drei Panzersperren in Schalksmühle. „Alle Männer zwischen 16 und 60 wurden für den Volkssturm ausgebildet und stellten das letzte Aufgebot“, so Rutenbeck. Allerdings habe es sich beim Schalksmüher Volkssturm lediglich um sechs bis acht Personen gehandelt.

Darüber hinaus erzählte Rutenbeck unter anderem, wie er mit seinen Freunden eine Panzerfaust am Wippekühl fand und diese tatsächlich abschoss. „Ein Wunder, dass wir diese Aktion überlebt haben“, sagt Rutenbeck heute.

Nach den Vorträgen berichteten auch andere anwesende Zeitzeugen von ihren Erinnerungen. Abschließend bedauerten die Teilnehmer, dass keine jungen Menschen gekommen waren, um die Erzählungen der Zeitzeugen zu hören.

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