Bewaffneter Handel mit Betäubungsmitteln

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Schalksmühle - Polizisten fanden am 31. Juli in der Wohnung eines 33-jährigen Schalksmühlers Marihuana und verbotene Aufputschmittel (Amphetamine) in nicht geringfügiger Menge.

Weil sie dabei auch auf eine recht stattliche Waffensammlung stießen, droht dem geständigen Angeklagten in einem Strafverfahren vor dem Landgericht wegen „bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln“ eine Mindeststrafe von fünf Jahren.

Schwer tat sich der 29-jährige Cousin des Angeklagten am zweiten Verhandlungstag in dieser Woche mit seiner Aussage vor der 6. Strafkammer. Für ein Zeugnisverweigerungsrecht war er nicht nahe genug mit dem Angeklagten verwandt – für die Wahrheit hingegen fühlte er sich ihm zu verbunden. Immerhin hatte er den 33-Jährigen in seiner Wohnung aufgenommen, als der nicht mehr mit seinen Eltern klarkam. Und natürlich hatte der Cousin auch gerochen, dass der Angeklagte regelmäßig viel zu viel Marihuana in dem Zimmer konsumiert hatte, das er ihm zur Verfügung gestellt hatte. 

Auch die Kunden am Zimmerfenster hatte er gesehen: „Ich wusste ja, dass er Geld damit verdient.“ Ebenso waren ihm die Geldbehälter im Kühlschrank nicht verborgen geblieben. Da der Angeklagte das alles vor Gericht schon weitgehend gestanden hatte, offenbarte die Zeugenaussage vor allem Neues über seine Lebensumstände in jener Zeit.

"Was macht man mit einem Schlagstock?"

„Das sind Fragen, die Ihrem Cousin helfen“, erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt dem Zeugen. Zuvor hatte er ihm allerdings ein Strafverfahren wegen diverser Falschaussagen angedroht und ein Wortprotokoll der Aussage erstellen lassen. Vergeblich beteuerte der 29-Jährige, dass er die Aussage verweigern wolle. Der Staatsanwalt stellte Fragen zur Rolle, die die merkwürdige Waffensammlung im Leben des Angeklagten gespielt hatte: „Was macht man mit einem Teleskopschlagstock?“ „Keine Ahnung“, antwortete der Zeuge und bekräftigte den Eindruck, dass Schreckschusspistolen, Machete und Bajonett in den Räumlichkeiten des Angeklagten ziemlich untätig unter und hinter Möbeln rumgelegen hätten.

Passanten gestreift und weitergefahren

Dass sie den Raum, in dem sie den Angeklagten am 31. Juli antrafen, in einem ziemlich ungeordneten Zustand vorfanden, bestätigten mehrere Polizeibeamte. Sie waren dem Kleinwagen hinterhergefahren, weil der 33-Jährige einen Passanten gestreift hatte und weitergefahren war. Der Marihuana-Geruch in der Wohnung machte aus dem Einsatz wegen angeblicher Fahrerflucht eine erheblich schwerer wiegende Operation. Ohne Durchsuchungsbeschluss drangen die Beamten in die Wohnung ein und stellten unterschiedliche Drogen sicher.

Ein solches Vorgehen ist dann zulässig, wenn „Gefahr im Verzug“ ist – das Rauschgift hätte etwa verschwinden können bis zu einem Durchsuchungsbefehl. Richter Christian Voigt ermahnte die Beamten, in einem solchen Fall das vorgeschriebene Protokoll zu erstellen, in dem die Gründe für das Vorgehen erläutert werden. Der Angeklagte habe den Weg in sein Zimmer aber selbst freigemacht, erinnerte sich einer der Beamten. Ob er diesen Gang der Ereignisse als Erlösung empfunden habe, wollte der Vorsitzende vom Angeklagten wissen – frei nach dem Motto: „Jetzt ist der ganze Spuk vorbei.“ Nein, er sei „geschockt“ gewesen, erwiderte der Angeklagte und berichtete von dem kalten Drogenentzug in der Untersuchungshaft.

Der Vorsitzende erinnerte mit Blick auf die kommende Entzugstherapie daran, dass der erste Entzug noch nicht das Ende der Unannehmlichkeiten sei: „Das wird ein ganz harter, steiniger Weg. 40 Prozent scheitern.“ Der Prozess wird am 6. Dezember ab 9 Uhr fortgesetzt. An diesem Tag soll auch das Urteil gesprochen werden.

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