Bewährung: Schalksmühler geht an B 54 auf Ehefrau los

Schalksmühle - Ehen werden im Himmel geschlossen und im Straßenverkehr geschieden – es gibt Strafverfahren, die diese alte Weisheit bestätigen. „Die Straße“ – das war im Prozess gegen einen 50-jährigen Schalksmühler die Bundesstraße 54, an deren Leitplanke eines der letzten Kapitel einer relativ kurzen Ehe spielte.

Nach Überzeugung eines Schöffengerichts in Lüdenscheid trat der Angeklagte am 19. März in betrunkenem Zustand im Verlauf eines Streits gegen den Bauch seiner 47-jährigen Ehefrau, was glücklicherweise „nur“ eine Schürfwunde hinterließ. Zwei Stichbewegungen mit einem sogenannten Cutter-Messer in Richtung der Angegriffenen verletzten diese nicht. Das Gericht verurteilte den Täter dennoch wegen Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zehn Monaten, die trotz zahlreicher Vorstrafen zur Bewährung ausgesetzt wurde. Denn diese vorangegangenen Verurteilungen hatte der Angeklagte fast alle nicht wegen Gewaltdelikten kassiert.

Nach einer gemeinsamen und offenbar noch recht friedlichen Fahrt mit der Bahn von Rummenohl nach Dahlerbrück war es dort zum Streit des Paares gekommen. Sie wollte einen Laptop, eine Nähmaschine und ein Rollo bei ihm abholen und musste sich stattdessen schon an der Straße übelste Beschimpfungen und Drohungen anhören. „Nur unter der Gürtellinie“, fasste die Zeugin diese Rede des Angeklagten zusammen. „Dann kriegte ich einen Tritt in den Bauch, das Messer blieb in der Jacke hängen“, erinnerte sich die 47-Jährige und benannte einen möglichen Grund dafür, dass sie weitgehend unverletzt blieb: „Wenn er besoffen ist, ist er nicht allzu schnell.“ Ihre eigene Erinnerung war in keiner Weise von Alkohol getrübt.

Messer im Streit nur aus der Tasche gefallen?

Der Angeklagte machte ihr im Gegenzug Vorwürfe: „Sie wollte mir ins Gesicht schlagen.“ Er selbst habe weder getreten, noch geschlagen, noch ein Messer in Anschlag gebracht. „Alles, was sie vorgebracht hat, ist erlogen. Sie will mich fertigmachen. Sie weiß, dass ich eine Bewährungsstrafe offen habe.“ Bei dem Streit sei ihm das Messer lediglich aus der Hose gefallen, mit dem die Zeugin ihn dann wiederum bedroht habe. Alles Unsinn, erklärte die 47-Jährige und wunderte sich darüber, dass sie ihm dieses Messer noch zurückgeben wollte. Sie war anders bewaffnet: „Wenn ich damals meinem Mann hätte schaden wollen, hätte ich die Milchflasche genommen.“

Mit Blick auf die Mitgliedschaft des Angeklagten in einem Motorradklub hielt Richter Jürgen Leichter dessen Selbststilisierung als angebliches Opfer für eher unglaubwürdig: „Das sind keine Leute, die sich von ihrer Ehefrau Angst machen lassen.“

Erneute Chance trotz großer Bedenken

Staatsanwältin Ina Pavel beantragte schließlich eine Haftstrafe von einem Jahr ohne Bewährung, Rechtsanwalt Becker einen Freispruch seines Mandanten, dem die Tat nicht nachzuweisen sei. Das Schöffengericht konnte sich angesichts der vielen Vorstrafen und der noch offenen Bewährungsstrafe des Angeklagten nicht leicht tun mit einer erneuten Aussetzung der Strafe zur Bewährung. Doch die noch offene Haftstrafe betraf einen schweren Diebstahl im Jahr 2012. So gab es trotz großer Bedenken eine erneute Bewährungschance. „Insgesamt war die Aussage der Zeugin nachvollziehbar und glaubwürdig“, urteilte das Gericht. Das Urteil ist rechtskräftig.

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