Internet-Betrug

Vermeintliche Betrügerin wird selbst zum Opfer

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Schalksmühle/Lüdenscheid - Wegen eines angeblichen Internet-Betruges musste sich eine 29-jährige Schalksmühlerin im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass sie selber zum Opfer eines Betruges geworden war.

Der Fall eines „Identitätsdiebstahls“ könnte auch anderen unvorsichtigen Internet-Nutzern eine Lehre sein. Die junge Frau hatte sich 2017 noch als Studentin für einen Job bei einem angeblichen Start-Up-Unternehmen beworben und ohne ein persönliches Gespräch sofort eine Zusage bekommen. Das hätte sie misstrauisch machen müssen. 

Stattdessen folgte sie den Anweisungen der angeblichen Job-Anbieter und schickte ihnen eine Kopie ihres Personalausweises und noch ein weiteres Dokument. Das reichte, damit die unbekannten Täter ein Bankkonto auf ihren Namen eröffnen konnten. 

Hochwertige Smartphones verkauft, die nicht existieren

Anschließend boten sie über das Internet unter anderem hochwertige Smartphones zu Preisen um 800 Euro an, kassierten die Zahlungen von Kunden über das Konto der 29-Jährigen und lieferten nicht. Um das Geld abzuheben, erfanden sie noch einen angeblichen Ehemann der Kontoinhaberin. Dessen Adresse stellte sich als die Adresse eines Seniorenheims heraus. 

Den Ärger bekam die Angeklagte, die von diesem Konto nichts wusste. Die Staatsanwaltschaft warf ihr mehrfachen Betrug vor. Vor Gericht konnte sie aber belegen, dass es die verhängnisvolle Bewerbung gegeben hatte und dass sie in diesem Zusammenhang ihre Personaldokumente preisgegeben hatte. „Sie war selbst ein Opfer – auch wenn das Ganze naiv war“, sagte Rechtsanwalt Dirk Löber in seinem Plädoyer und beantragte einen Freispruch. 

Beantragung eines Freispruchs

Der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft und Richter Andreas Lyra sahen die Sache ebenso: „Man sollte vorsichtig sein, seine Daten im Internet preiszugeben“, mahnte der Richter und berichtete aus seiner Praxis, dass ein solches Vorgehen von Trickbetrügern nicht neu sei. 

Verwundert war er allerdings, dass die Angeklagte die Geschichte nach einer polizeilichen Einladung zu einer Vernehmung nicht früher aufgeklärt hatte: „Es hätte geholfen, wenn Sie sich in diesem Strafverfahren gemeldet hätten.“ Warum es dazu nicht gekommen war, blieb offen. 

„Sie sind selbst Opfer eines Betruges geworden“, stellte der Richter fest und sprach die 29-Jährige frei: „Sie werden daraus gelernt haben!“ Die Antwort kam prompt: „Ja, deutlich!“

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