Jan Weiler unterhält mit kurzweiligen Anekdoten

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Jan Weiler las im PZ Löh aus seinen Werken. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Witzig, frech und anekdotenreich – so präsentierte sich Schriftsteller Jan Weiler am Freitagabend im PZ Löh. Bei der zweistündigen Lesung erwarteten die über 100 Zuschauer Texte aus mehreren Werken des Bestsellerautors.

Weiler trug etwa aus „Mein neues Leben als Mensch“, eine Sammlung von Kolumnen aus den letzten fünf Jahren vor. „Das Buch der 39 Kostbarkeiten“ enthält Essays, Kurzgeschichten, Anekdoten und vieles mehr.

Weiler fährt irrsinnig gerne Zug und liebt Käsebrötchen. Das verrät er dem Publikum gleich zu Beginn und nennt ein Erlebnis „Meditieren mit Käsebrötchen“. Beim langsamen Herausziehen des Salatblattes geriete man in meditative Zustände, müsse sich aber bei der Konstruktion der Brötchen ernsthaft fragen: „Wird das von Rentnern und Nazis zusammengebaut?“

Der Schriftsteller erzählt frei und liest kaum ab. Manches mal fragen sich die Zuschauer, ob es sich bei den Anekdoten gerade um Dichtung oder Wahrheit handelt. So etwa, wenn von den „Pubertieren“ Nick und Karla erzählt wird. „Eigentlich gelten ja Koalabären allgemein als die faulsten Tiere. Aber das liegt wohl an der fehlenden Schulpflicht.“ Sonst würde die 14-jährige Karla ganz sicher diesen Titel tragen.

Mit dem Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ wurde Weiler erfolgreich, was er einem Mann besonderes zu verdanken hat: Antonio Marcipane. Der nicht mehr ganz so junge, ehemalige italienische Gastarbeiter, ist eine Anlehnung an Weilers Schwiegervater und tauchte erstmals 2002 in einem Artikel im SZ-Magazin auf. Seit dem spielt die Figur Marcipane in vielen Geschichten eine wichtige Rolle und durfte auch während der Lesung am Freitagabend natürlich nicht fehlen. Antonio, mittlerweile „Gastrentner“, hat so seine eigenen Ansichten zum Thema Gleichberechtigung und soll eine Düsseldorfer Politesse, die ihm einen Strafzettel verpassen will, gebeten haben, ihren Mann zu holen, um die Angelegenheit zu klären. Mit wunderbar klischeehaftem Akzent haucht Weiler seiner Figur Leben ein.

Wenn der Autor übrigens seufzend „wie ein Bär vor einem Bienenstock“ vor dem leeren Kühlschrank steht, ist er mal wieder alleine zu Hause. Dort verbringe er die meiste Zeit in seinem Keller, welchen seine Frau eigens für ihn eingerichtet habe und in dem sie nur nach ihm schaut, um zu fragen: „Hast du schon was? Nein? Dann mach weiter!“

Will man dem „Buch der 39 Kostbarkeiten“ Glauben schenken, so liebt Weiler das Fernsehen. Besonders „Bauer sucht Frau“ und „Raus aus den Schulden“. Einmal habe er es sich zur Aufgabe gemacht eine Volksmusiksendung komplett anzugucken, was ihm auch gelang. Das Fazit: „Ich habe mal mit einem Psychologen gesprochen, der mir von der Konträr-Faszination berichtete. Die bewirkt, dass wir bei einem schrecklichen Autounfall stehen bleiben und zugucken. So ging es mir auch bei der Volksmusik.“ Aufrichtig fügt er hinzu: „Hoffentlich sehen das die Außerirdischen nicht.“

Die unterhaltsamen, kleinen Alltagsgeschichten scheinen bei Weiler nur so zu sprudeln und nach weiteren Berichten über Facebook-Freundschaften, Karlas Schwarm Til Schweiger (wessen Blick der Autor genau zu imitieren vermag) und der kürzesten Kolumne aller Zeiten, liegt ein gelungener Abend zurück. Die Kolumne lautet übrigens so: „Die Salzstange ist das Baguette des kleinen Mannes.“

Von Jan Weber

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