Berufspraxis statt Schule

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Die Schüler Marcel Mohammad, Marco La Spina und Benni Gläser (von links) fertigten unter der Aufsicht von Dirk Staschik einen Schlüsselanhänger aus Aluminium.

SCHALKSMÜHLE -  Die Aktion „Kein Abschluss ohne Anschluss“, die Jugendlichen einen leichteren Übergang von der Schule in den Beruf verschaffen soll, zählt zu den wichtigsten Vorhaben der NRW-Landesregierung.

Im Zuge dieses Übergangssystems besuchten Schüler der Klassen 8a (Realschulzweig) und 8b (Hauptschulzweig) der Verbundschule Schalksmühle an vier Tagen das Berufsbildungszentrum (bbz) der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis in Lüdenscheid.

Die Verbundschule Schalksmühle arbeitet seit 2009 mit dem bbz zusammen, damals noch im Rahmen der Vorgängeraktion „Startklar“. Nach einer Potentialanalyse, die die Schüler unter Federführung ihrer Lehrer durchführten, lernten sie in den darauf folgenden drei Tagen im bbz für jeweils einen Tag unterschiedliche Berufsfelder kennen. Zur Auswahl standen Gewerbeerprobungen in den Bereichen Metall, Holz, Farbe, Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Kosmetik und Körperpflege.

Hieraus konnten sich die insgesamt 37 Schüler drei Bereiche aussuchen, in denen sie dann gruppenweise für jeweils einen Tag praktisch arbeiten konnten. Dabei schauten ihnen natürlich auch hin und wieder die Lehrer, zum Beispiel Ingrid Papendick als Klassenlehrerin der 8b, über die Schulter. „Dieses Angebot soll für die Schüler eine Entscheidungshilfe mit Blick auf die Berufspraktika in den Klassen 9 und 10 darstellen“, erklärte Papendick.

Im Rahmen der Maßnahme machten die Jugendlichen unter anderem Bekanntschaft mit Dirk Staschik, der ihnen zeigte, wie man aus Aluminium und Messing einen Schlüsselanhänger herstellt. „Dabei wird ausgesägt, gebohrt, geschliffen und ein Gewinde gedreht“, erklärte Staschik. „Das sind die Grundtechniken, die man für die Metallverarbeitung kennen sollte.“ Hier fühlten sich unter anderem Marco La Spina, Benni Gläser und Marcel Mohamad wohl. Doch obwohl allen die Arbeit Spaß machte, konnte sich zumindest Marco La Spina nicht wirklich vorstellen, in diesem Bereich tatsächlich einmal beruflich zu arbeiten.

Engagiert bei der Sache waren auch die Mitglieder der nächsten Gruppe, die sich am letzten Tag der Aktion mit dem Material Holz beschäftigten. Ihnen zeigte Ausbilder Frank Karneil, wie eine Eckverbindung mit Fingerzinken hergestellt wird – hierbei handelt es sich um eine klassische Methode, um Möbelteile miteinander zu verbinden. „Dafür braucht man noch nicht einmal Leim“, erklärt Karneil. „In der Regel reicht es, das Holz zu wässern.“ Steckverbindungen mit Fingerzinken herzustellen, das gefiel auch Rabea Hegemann, die an ihrem Werkstück gemeinsam mit Tim Brandenburger arbeitete. „Wir haben schon im Technikunterricht mit Holz gearbeitet“, meinte Rabea, „ich kann mir gut vorstellen, später einen Beruf in dieser Richtung auszuüben.“

Mit scharfen Klingen hantierten die Jugendlichen bei Malermeister Karl-Heinz Kipar. Hier ging es darum, aus Pappbögen Schablonen auszuschneiden, die später beim Aufbringen von grafischen Elementen auf eine Tapete oder eine einfarbige Zimmerwand dienen sollten. „Ich übe den Malerberuf bereits seit fast 50 Jahren aus und möchte nichts anderes machen“, sagte Frank Karneil. Kaum ein Beruf sei so vielseitig, kreativ und abwechslungsreich.

Kosmetik-Bereich auch bei Jungs gefragt

Sehr beschaulich ging es in der Gruppe „Hotel- und Gaststättengewerbe“ zu, die von Ausbilderin Ute Patel geleitet wurde. Denn hier arbeiteten am letzten Tag der Maßnahme nur die beiden Schülerinnen Sara Komarucka und Valeria Mantineo.

Im Bereich „Kosmetik und Körperpflege“ waren am letzten Tag keine Schüler mehr aktiv, aber zu Beginn der Aktion war die Gruppe durchaus gefragt. „Wir haben uns gewundert, wie viele Jungen sich für das Angebot interessiert haben“, erklärte Lehrerin Ingrid Papendick schmunzelnd. Natürlich gehört nicht nur das Make-Up, sondern auch das Friseur-Handwerk in diese Kategorie.

Ingrid Papendick ist sich ebenso wie die Leiterin des bbz, Gudrun Jung-Malberger, sicher, dass die gute Zusammenarbeit ihres Trägers mit den achten Klassen der Verbundschule auch im kommenden Schuljahr fortgesetzt wird.

Von Björn Othlinghaus

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