Traditionsunternehmen schließt

Corona verzögert Schließung von Firma im MK

Berker, Schalksmühle, Klagebach
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Die Schließung des Berker-Standortes an der Klagebach verzögert sich Corona-bedingt.

Die Schließung des Traditionsunternehmens Berker verzögert sich wegen der Corona-Pandemie. Erst Mitte 2021 wird die verantwortliche Hager-Group den Standort an der Klagebach endgültig aufgeben können.

Schalksmühle – Nachdem im Juli 2019 die Nachricht von der Schließung der Firma Berker die Mitarbeiter erreichte, sollte Ende dieses Jahres Schluss sein. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Geschäftsführer Ralph Bertelt, dass die Covid-19-Krise diesen Plan verzögert hat. Im Dezember 2019 habe man mit dem Betriebsrat den Interessensausgleich und den Sozialplan ausgehandelt. Diese Ergebnisse wollten die Verantwortlichen im Juni umsetzen, indem die ersten 42 vertriebsnahen Mitarbeiter nach Dortmund umziehen. Alles sei vorbereitet gewesen, ab März/April habe man ein paar Szenarien durchgespielt. Aber Corona hat alles verzögert.

Der Umzug ist inzwischen seit Ende August abgeschlossen. Der Geschäftsführer steht nach eigenen Worten im ständigen Kontakt mit den Mitarbeitern. „Viele haben 30 Jahre in Schalksmühle gearbeitet, dennoch sind sie am neuen Standort zufrieden“, fasst Ralph Bertelt das Feedback der Beschäftigten zusammen. Der neue Arbeitsplatz sei gut an die Autobahn angebunden, alles laufe dort gut. Für viele sei es aber auch möglich, mobil von zuhause oder anderswo zu arbeiten. „Das hat vor allem während der ersten Welle der Corona-Pandemie geholfen.“

Die Immobilie an der Klagebach soll komplett veräußert werden.

Die Umsiedlung von 43 Beschäftigten aus dem technischen Bereich nach Ottfingen sei ebenfalls durch den Virus verzögert worden. Die Mitarbeiter sind momentan noch in Schalksmühle im Einsatz, der Umzug sei für Ende des zweiten Quartals 2021 vorgesehen. „Wir haben dabei zwei Varianten im Blick, die wir mit dem Betriebsrat abstimmen, um gute Synergien nutzen zu können.“

21 Mitarbeiter sind bereits in einer Transfergesellschaft angestellt, vier weitere werden in 2021 folgen. Sie halten laut Ralph Bertelt derzeit noch den Service an der Klagebach aufrecht. „Die Leute fühlen sich in der Transfergesellschaft gut aufgehoben. Gerade für die Älteren, die kurz vor der Rente stehen, ist dies eine gute Möglichkeit“, versichert der Geschäftsführer.

Wir haben uns viel Zeit genommen, um auch den Mitarbeitern den nötigen Respekt zu zollen.

Ralph Bertelt, Berker-Geschäftsführer

Bei der Abwicklung des Standortes Schalksmühle sei es immer darum gegangen, keine Kernkompetenzen zu verlieren. Bis auf wenige Ausnahmen seien die entscheidenden Köpfe geblieben. „Wir haben viele individuelle Lösungen gefunden und mussten keine Prozesse vor Gericht führen. Der Betriebsrat hat hart gekämpft, um einen guten Interessensausgleich zu erzielen. Doch die Auseinandersetzung war von hoher Fairness geprägt.“

Gebäude soll komplett veräußert werden

Die damalige Entscheidung sei eine bittere Pille für die Mitarbeiter gewesen. Doch Ralph Bertelt denkt, dass sich alle Beteiligten heute gut in die Augen schauen können. Der Geschäftsführer betont, dass es ihm wichtig war, persönlich die Verhandlungen zu führen. „Wir haben uns viel Zeit genommen, um auch den Mitarbeitern den nötigen Respekt zu zollen.“

Schwieriger als der Umgang mit dem Personal gestaltet sich die Veräußerung der Immobilie. Da der Standort komplett abgewickelt werden soll, ist es das Ziel, sie an einen Investor zu verkaufen. Doch wie der Geschäftsführer erklärt, werde in so schwierigen Zeiten, gerade für die regionale Automotivbranche, ein so großes Gebäude kaum gesucht. Dort sind schon länger keine Maschinen mehr vorhanden, da die Produktion ausgelagert wurde.

Man habe bereits mit Bürgermeister Jörg Schönenberg gesprochen. Die Immobilie soll bis spätestens im dritten Quartal 2021 frei werden.

Chronik von 1919 bis 2021

  • Das Unternehmen Berker fertigt seit 1919 Schalter und Systeme, die Technologie mit einfacher Bedienbarkeit verbinden.
  • Der erste Drehschalter wurde in Schalksmühle in der „Spezialfabrik für elektrotechnische Installations-Apparate“ der Gebrüder Robert und Hugo Berker hergestellt. 20 Jahre nach der Gründung nahm man die Produktion in Ottfingen auf.
  • Seit 2010 gehört die Traditionsmarke zur Hager Group.
  • Die Schließung des Standorts an der Klagebach wurde im Juli 2019 bekannt. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeiteten rund 130 Mitarbeiter dort.
  • Berker gehörte neben Jung, Spelsberg, Kaiser und Lumberg zu den Traditionsunternehmen in Schalksmühle.
  • Ende des zweiten Quartals 2021 schließt der Standort Schalksmühle endgültig. Als Grund nennt das Unternehmen „schnellere Entwicklungen der Märkte sowie steigende Anforderungen vonseiten der Kunden“. Um deren Bedürfnisse besser zu verstehen und gemeinsam mit ihnen proaktiv die richtigen Lösungen entwickeln zu können, setze die Hager Group auf neue Technologien, neue Arbeitsweisen und zukunftsweisende Geschäftsfelder.
  • sar/mam/Quellen: www.berker.com

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