Kunstrasen: Politik stimmt für Jahnplatz

Verwaltung und Politik sind für einen Kunstrasenplatz – doch wo? Rechtliche Bedenken sprechen gegen den Jahnplatz – die Entfernung gegen Kuhlenhagen.

SCHALKSMÜHLE ▪ Der Bauausschuss stimmte am Montagabend in nichtöffentlicher Sitzung für den Jahnplatz als Standort für einen Kunstrasenplatz. Damit votierte die Politik anders als die Verwaltung empfohlen hatte. 

Sie äußerte rechtliche Bedenken für das Projekt an der Bergstraße und riet daher zur Realisierung in Kuhlenhagen.

Das Hauptproblem sieht die Verwaltung darin, dass der Jahnsportplatz 1988 als Sportanlage („Typ C“) mit Laufbahnen, Kleinspielfeld und Leichtathletikanlagen genehmigt worden ist. „Die derzeit deutlich überwiegende Nutzung als Fußballplatz und die damit einhergehenden Emissionen waren zu keiner Zeit Gegenstand der Genehmigung“, heißt es in den Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen. Da mit der Errichtung eines Kunstrasenplatzes wesentliche Veränderungen einhergingen, müsse eine neue Baugenehmigung eingeholt werden. Hier spielt vor allem der Lärmschutz eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund hat die Gemeinde eine ergänzende gutachterliche Stellungnahme bezüglich der Errichtung einer Schallschutzwand eingeholt.

Dabei ist vor allem relevant, ob das Gebiet des Sportplatzes als ein Mischgebiet (MI), ein allgemeines Wohngebiet (WA) oder reines Wohngebiet (WR) anzuordnen ist. „Das reine Wohngebiet besitzt von diesen drei Gebietsarten die höchste und das Mischgebiet die geringste Schutzbedürftigkeit. Die im Einwirkungsbereich des Jahnsportplatzes liegende Wohnbebauung ist aufgrund der vorliegenden Bauleitplanung den Gebietsarten allgemeines beziehungsweise reines Wohngebiet zuzuordnen“, heißt es in den Unterlagen.

Das Ingenieur-Büro Buchholz aus Hagen habe in seinem Geräusch-Immissionsschutz-Gutachten festgestellt, dass im Bereich der maßgeblichen, zum Sportplatz benachbarten Wohnhäuser teilweise die Richtwerte für Mischgebiete überschritten werden, obwohl es sich um Wohngebiete handelt. „Hinsichtlich der Sportanlage und der angrenzenden Wohnhäuser besteht somit eine Konfliktsituation“, teilt die Verwaltung mit.

Um die Bestimmungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImschG) einzuhalten legte das Büro drei Varianten vor.

▪ Einhaltung Richtwerte Mischgebiet:

Errichtung einer 60 Meter langen und sieben Meter hohen Schallschutzwand. Die Kosten für eine solche Maßnahme werden auf rund 190 000 Euro netto geschätzt. Die Verwaltung geht aber davon aus, dass die „umliegende Wohnbebauung aber mindestens als allgemeines Wohngebiet (WA) einzustufen“ sei. Damit verbleibe „ein nicht kalkulierbares Restrisiko für den Fall, dass ein Anwohner gerichtlich gegen die Nutzung vorgeht“.

▪ Einhaltung Richtwerte allgemeines Wohngebiet :

Um diese Werte einzuhalten gebe es zwei Möglichkeiten – nämlich die Einschränkung der Nutzungszeiten oder bauliche Maßnahmen. Im Ergebnis wäre nur noch ein Trainingsbetrieb an Wochentagen außerhalb der Ruhezeiten, also zwischen 15 und 20 Uhr möglich. Ein Spielbetrieb an Sonn- und Feiertagen könnte nicht mehr durchgeführt werden.

Um die Kriterien einzuhalten sollen zwei Schallschutzwände gebaut werden – eine entlang der Südwestseite des Sportplatzes mit einer Länge von 142 Metern und einer Höhe von 11,5 Metern sowie entlang der Nordostseite des Sportplatzes mit einer Länge von 80 Metern und einer Höhe von 2,5 Meter. Die Gesamtkosten für die Errichtung der Schallschutzwände belaufen sich laut Verwaltung auf rund 800 000 Euro netto.

▪ Einhaltung Richtwerte reines Wohngebiet:

Eine Einschränkung der Spielzeiten, um die Richtwerte einzuhalten, ist keine Option, da im Ergebnis kein Trainings- oder Spielbetrieb möglich wäre. Die Errichtung von Schallschutzwänden hat die Verwaltung „mit Blick auf die Kosten“ für die Anforderungen eines allgemeinen Wohngebietes nicht ermitteln lassen.

Aus diesem Grund empfiehlt die Verwaltung in nichtöffentlicher Sitzung: „Der Ausschuss beschließt im Rahmen der weiteren Beratungen die Errichtung des Kunstrasenplatzes am Standort Kuhlenhagen weiter zu verfolgen. Der Standort am Jahnsportplatz soll – unter anderem für Trainingszwecke der Jugendabteilungen, Leichtathletik und Schulsport – bis auf weiteres aufrechterhalten werden.“

Diesem Vorschlag folgte die Politik nicht und modifizierte diesen entsprechend und stimmte mehrheitlich zu: „Auf Grund der nach wie vor auf Seiten des Bau- und Planungsausschusses bestehenden rechtlichen Unsicherheiten hinsichtlich der Genehmigungsbedürftigkeit und der rechtlichen Einordnung und Auswirkungen der vorliegenden Gutachten hat sich der Ausschuss im Rahmen der nichtöffentlichen Sitzung dafür ausgesprochen, den Standort Jahnsportplatz planerisch weiter zu verfolgen, dabei aber für die rechtliche Beurteilung der grundsätzlichen Fragen zur Baugenehmigung und zur Einhaltung der immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen zunächst ein Rechtsgutachten durch einen mit dieser Problematik vertrauten Fachmann erstellen zu lassen, ohne die Realisierung der Maßnahme in 2013 aus den Augen zu verlieren.“

In einer öffentlichen Sitzung wird der Bau- und Planungsausschuss am Mittwochnachmittag über die Angelegenheit entscheiden. ▪ Matthias Clever

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