Hochwasser

Backstube überflutet: Bäcker im MK gibt nach Hochwasser nicht auf

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Nach dem Hochwasser ist viel zu tun in der Bäckerei Cramer. Das Wasser hat einige Schäden verursacht. Karl-Ernst Cramer gibt aber nicht auf.

Viele hat das Hochwasser am 14. Juli getroffen. Auch eine Backstube im MK stand unter Wasser. In der Bäckerei wird noch alles selbst zubereitet. Der Bäcker gibt nicht auf und macht weiter.

Schalksmühle – Vor mehr als 27 Jahren, an Silvester, stand bislang zum letzten Mal Hochwasser der Volme in der Backstube von Karl-Ernst Cramer. „Aber das war nichts im Vergleich zu diesem Mal“, sagt der Bäckermeister, der sein Geschäft und die Backstube an der Bahnhofstraße in Schalksmühle hat, direkt neben der Volme. Während das Wasser 1993 lediglich knöcheltief in den Räumen gestanden habe, war es jetzt 1,20 Meter hoch. So gerade eben konnte er noch die meisten Schwarzbrote retten, die er, eine Stunde bevor das Wasser am 14. Juli kam, aus dem Backofen geholt hatte. „Mittwochs backen wir immer Schwarzbrot.“

Da das Geschäft in der Etage drüber liegt und somit trocken geblieben ist, gab es dann noch am Donnerstag und Freitag einen Resteverkauf, während Cramer selbst und sein Mitarbeiter schon damit beschäftigt waren, die Backstube im Keller von Schlamm und Dreck zu befreien. „Ab Samstag wollten wir ohnehin Betriebsferien machen.“ Die waren und sind nun mit Reinigung, Auf- und Ausräumen, Trocknung und Reparaturen ausgefüllt. Hinzu kommt die Organisation von Gutachter- und Handwerkerterminen und das Bemühen um finanzielle Mittel für die Behebung der Schäden.

So hoch stand das Wasser: Hinter den geschlossenen Jalousien befindet sich die Backstube.

Wie hoch die Summe am Ende sein wird, weiß er noch nicht – für einige Arbeiten am Gebäude und an den Geräten hat er zwar schon Kostenvoranschläge, aber zum Teil steht das Ausmaß der notwendigen Arbeiten noch nicht fest. Er hofft, dass einige Geräte repariert werden können und keine Neuanschaffungen nötig sind. Da sei es von Vorteil, dass die meisten Geräte, wie zum Beispiel Knetmaschine und Backofen, Jahrzehnte alt sind. Da bestehe eher die Möglichkeit, dass Elektriker die entstandenen Schäden reparieren können. Dennoch werde am Ende eine Summe weit im fünfstelligen Bereich stehen, kalkuliert der Bäckermeister.

So harmlos fließt die Volme normalerweise neben dem Haus mit der Bäckerei entlang.

Karl-Ernst Cramer ist dankbar für die Unterstützung, die er erfahren hat: Seine Mitarbeiter haben trotz der Betriebsferien bei der Reinigung mit angepackt. „Ich freue mich sehr über die Solidarität, die die Innungskollegen zeigen“, sagt er außerdem. In der Bäckerei seines Lüdenscheider Kollegen Thomas Engelhardt haben die Mitarbeiterinnen ihr Trinkgeld gespendet und Engelhardt hat die Summe auf 1000 Euro aufgestockt. Auch überregional gibt es Hilfen seitens der Innung. Hinzu kommen die 5000 Euro Soforthilfen des Landes. Alles das hilft. Gespräche über mögliche Kredite führt Cramer auch bereits.

Versicherung greift nicht

Eine Elementarversicherung hat er zwar, aber da er diese erst 2004 abgeschlossen hat, sind Überschwemmungsschäden ausgenommen. Nach dem großen Oderhochwasser sei diese Klausel seines Wissens für Gebäude nahe an Flüssen üblich geworden, erzählt Cramer. Er weiß von Häusern in der Nachbarschaft, deren Versicherungen älter sind und auch Überschwemmungen abdecken. Und trotz allem sagt Cramer: „Ich habe noch Glück gehabt. Andere hat es viel schlimmer getroffen.“ Dabei denkt er an andere Betriebe und Hausbesitzer an Volme und Lenne, aber gerade auch an die anderen Überschwemmungsgebiete.

So hoch stand das Wasser – der Putz ist bereits entfernt, aber das Gemäuer muss noch trocknen, bevor alles instandgesetzt werden kann.

Ob er allerdings wie geplant am 16. August wieder öffnen kann – dann sollten die Betriebsferien enden – bezweifelt Cramer. Denn noch stehen die Trocknungsgeräte in der Backstube und auch, wenn an den Geräten schon gearbeitet werden kann, können die letzten Reparatur- und Aufräumarbeiten erst beginnen, wenn das Gemäuer getrocknet ist. Einige der 95 Jahre alten Fliesen habe sich gelöst, der Putz an den Wänden, zum Teil mit einer Dämmung dahinter, musste entfernt werden. Positiv sei lediglich, dass er wegen der bevorstehenden Betriebsferien nicht mehr allzu viele Vorräte gelagert hatte, die entsorgt werden mussten.

Lange Tradition geht weiter

Die Bäckerei an der Bahnhofstraße hat eine lange Tradition. Gegründet wurde sie vor dem Ersten Weltkrieg, erzählt Karl-Ernst Cramer. Sein Großonkel habe den Betrieb in den 1930er-Jahren übernommen. Cramers Eltern folgten dann Mitte der 1950er-Jahre. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1974 habe er das Geschäft bis 2004 gemeinsam mit seiner Mutter geführt.

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