Startschuss für Denkfabrik in Schalksmühle

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Idyllisch gelegen ist die Gründervilla von Albrecht Jung an der Bergstraße. Von außen ist das Gelände kaum einsehbar. Der Bau des neuen sogenannten Think Tanks wäre nur von der anderen Hangseite aus sichtbar.

Schalksmühle - Die Gedanken sind frei – aber auch der Weg, der bis zur Fertigstellung der Denkfabrik an und in der Gründervilla von Albrecht Jung gegangen werden muss. Der Ausschuss für Bauen und Planung hat am Montag den Startschuss dafür gegeben.

Das herrschaftliche Gebäude an der Bergstraße, das sich im Besitz des Schalksmühler Gewerbebetriebs Jung befindet, soll umgebaut und erweitert werden (wir berichteten). Geplant ist, dort ein Informationszentrum zur Firmengeschichte und Raum für Schulungen zu schaffen. Die Größe des Plangebietes beträgt rund 3300 Quadratmeter. Das seit 2015 leerstehende Haus Nummer 37 soll in Zukunft als sogenanntes Think Tank einen identitätsstiftenden Ort der Marke darstellen, heißt es in der entsprechenden Vorlage zur Sitzung. 

Anfang 2017 wurde ein Wettbewerb für junge Architekturbüros durchgeführt. Gegenstand des Wettbewerbs war die Umstrukturierung des dreigeschossigen Wohngebäudes unter Berücksichtigung der konzeptionellen Neuausrichtung als neues Begegnungs- und Dienstleistungszentrum, so ist es in den Unterlagen zu lesen. Die Fachjury hatte den Entwurf des Büros nga Nehse & Gerstein Architekten BDA aus Hannover mit dem ersten Preis prämiert. 

Auf Grundlage dieser Planung soll nun ein sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan im vereinfachten Verfahren aufgestellt werden. Der Grund: Die zu bebauende Fläche des Grundstücks verläuft entlang der westlich gelegenen Bergstraße. Wegen der geltenden Festsetzungen für die Baugrenzen – vor allem in östlicher Richtung – ist die Realisierung des Projektes so nicht möglich. Daher ist die Aufstellung eines solchen Plans beabsichtigt und mit dem Planungsamt des Märkischen Kreises abgestimmt. 

Vorhabenträger in der Pflicht

 Der vorhabenbezogene Bebauungsplan unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Bebauungsplan in folgenden Punkten: 

- Die Initiative geht grundsätzlich vom Vorhabenträger aus

- Der Vorhabenträger erarbeitet die städtebauliche Planung und verpflichtet sich zu ihrer Verwirklichung sowie zur Übernahme der Planungs- und Erschließungskosten.

- Der Vorhabenträger muss über die beplante Fläche verfügen. 

- Die kommunale Verantwortung für die städtebauliche Planung bleibt unberührt. 

- Von kommunaler Seite können Festsetzungen detaillierter als in normalen Bebauungsplänen erfolgen. 

Der Geltungsbereich des Umbauvorhabens an der Jung-Villa an der Bergstraße.

- Die Planungskosten werden der Gemeinde Schalksmühle vom Vorhabenträger erstattet. Dieses wurde bereits schriftlich gegenüber der Gemeinde erklärt. 

Der Ausschuss hat am Montag den Weg frei gemacht für das geplante Vorhaben. Mit den Stimmen aller Fraktionsmitglieder wurde der Vorschlag gefasst, dass der Rat der Gemeinde Schalksmühle, der am 12. März zusammenkommt, die Durchführung des vereinfachten Verfahrens beschließen soll.

Was ist ein Think Tank?

Als Denkfabrik – oder auch Think Tank – werden in der Regel Institute bezeichnet, die durch Erforschung, Entwicklung und Bewertung von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konzepten und Strategien Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen und sie so im Sinne von Politikberatung fördern. Eine allgemein anerkannte Definition gibt es jedoch nicht. Im Sprachgebrauch werden unter dem Begriff auch Institutionen zusammengefasst, die nicht politische Ziele verfolgen. 

Zu den wichtigsten Funktionen von Denkfabriken zählt die Präsentation von Forschungsergebnissen und das sogenannte Agenda Setting. 

Der Begriff ist während des Zweiten Weltkriegs entstanden. Die Umschreibung galt einem abhörsicheren Ort (tank), an dem zivile und militärische Experten an militärischen Strategien arbeiteten (think). Erst in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden damit praxisorientierte Forschungsinstitutionen auch außerhalb der Sicherheitspolitik etikettiert. 

In Deutschland werden Denkfabriken überwiegend öffentlich finanziert. Daneben gibt es auch einige privat finanzierte Denkfabriken, die von Parteien, Vereinen, Unternehmen, Verbänden, privaten Stiftungen oder Einzelpersonen unterstützt werden.

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