„Ausbildung ist aufwendiger“

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Auch wenn die Ausbildung junger Menschen die Betriebe heute stärker fordere, bilde Schnöring weiterhin verstärkt aus, um für den Fachkräftemangel gewappnet zu sein, wie Geschäftsführer Axel Schnöring (rechts) im Gespräch mit Kerstin Pfaff von der Arbeitsagentur (2. von rechts) und Bürgermeister Jörg Schönenberg (3. von rechts) erklärte.

Schalksmühle - Wie wichtig es in Zeiten des demografischen Wandels ist, die eigenen Nachwuchskräfte selbst auszubilden, betonten die Unternehmer Axel Schnöring und Frank Seeberger im Gespräch mit Bürgermeister Jörg Schönenberg sowie Berufsberaterin Kerstin Pfaff. Im Zuge der Woche der Ausbildung der Arbeitsagentur gaben die beiden Inhaber der gleichnamigen Schalksmühler Betriebe Einblicke in ihre Ausbildungspolitik.

Von Alisa Kannapin

Von den 180 Mitarbeitern des Unternehmens Schnöring sind 22 Auszubildende. Im gewerblich-technischen Bereich entschied sich der Betrieb bewusst dafür, die Lehrlinge im ersten Jahr nicht mehr in eine externe Ausbildungsstätte zu schicken, sondern sie im Unternehmen anzulernen. „Durch die Inhouse-Schulungen können wir mehr Einfluss auf die Azubis nehmen und sie stärker an den Betrieb und die Technik heranführen“, erklärt Axel Schnöring.

Bei den Azubis kommen die Inhouse-Schulungen gut an: Lina Kaiser absolviert bei Schnöring eine Ausbildung zur Werkzeugmechanikerin in Kombination mit einem Maschinenbau-Studium. „Dadurch, dass wir im ersten Lehrjahr hier bleiben, können wir den Betrieb intensiver kennenlernen“, sagt die 21-Jährige und ihr Azubi-Kollege Benedikt Rittinghaus ergänzt, ihm gefalle vor allem, dass er während seiner Lehre in allen Bereichen von Schnöring arbeitet. „Das ist uns sehr wichtig, da die Werkzeugmechaniker nach ihrer Ausbildung auch in anderen Betriebsbereichen eingesetzt werden“, erklärt Schnöring.

Im Jahr 2000 habe der Betrieb beschlossen, die Ausbildung zu intensivieren, um dem sich schon damals abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Heute sind wir durch diese Vorgehensweise ein recht junges Team“, sagt Personalleiter Olaf Baum. Axel Schnöring gibt aber zu bedenken, dass die Ausbildung für die Betriebe mittlerweile deutlich aufwendiger sei als früher. „Die Qualifikation der jungen Leute ist oft nicht gut und die menschliche Reife ist auch nicht immer so gegeben. Da muss unser Betrieb stark nachsteuern.“

Bürgermeister Jörg Schönenberg sieht die Defizite als gesamtgesellschaftliches Problem, dass Eltern, Schulen, Verwaltung und Ausbildungsbetriebe gemeinsam lösen müssen. „Nach wie vor wird zu viel Potenzial verschenkt, weil Jugendliche auf der Strecke bleiben. Das können wir uns nicht leisten und müssen auch Schulabbrechern und Seiteneinsteigern Chancen bieten.“ Die Betriebe Schnöring und Seeberger gingen hier mit gutem Beispiel voran.

Der Rohrproduzent Seeberger sitzt seit 2012 in Heedfeld und bildet ab Herbst zehn Azubis aus. Laut Geschäftsführer Frank Seeberger ist es dem Unternehmen wichtig, die Auszubildenden stark im Betrieb einzubinden und ihnen Verantwortungen zu übergeben. „Bei uns sind die Azubis vollwertige Arbeitskräfte, die eigenständig arbeiten und als Kollegen gesehen werden.“ Hinzu komme, dass der Betrieb die jungen Menschen stark fördere, Weiterbildungsmöglichkeiten anbiete und eng mit den Berufsschulen kooperiere. „Das spiegelt sich in den guten Prüfungsergebnissen unserer Azubis wider: 22 Prozent schließen die Prüfung mit der Note 1 und 78 Prozent mit einer 2 ab.“

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