Gegen das Waldsterben

Aufforstung ist Mammutaufgabe für Förster und Waldbesitzer

Sehen mit der Wiederaufforstung eine anspruchsvolle und komplexe Mammutaufgabe auf die Waldbesitzer und beratenden Förster zukommen: Revierförster Hubertus Bierkoch und Revierassistentin Melanie Fischer mit Hündin Abby.
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Sehen mit der Wiederaufforstung eine anspruchsvolle und komplexe Mammutaufgabe auf die Waldbesitzer und beratenden Förster zukommen: Revierförster Hubertus Bierkoch und Revierassistentin Melanie Fischer mit Hündin Abby.

Das Waldsterben schreitet seit etwa drei Jahren voran. Die Anzahl der kahlen Flächen wird immer größer. Nun müssen sich Förster und Waldbesitzer um die Wiederaufforstung kümmern. Das wird eine große Aufgabe.

Schalksmühle - „Die Wiederaufforstung ist eine gewaltige Aufgabe für die Waldbesitzer und die beratenden Förster“, sagt Revierförster Hubertus Bierkoch. Im dritten Jahr in Folge hält ihn das Waldsterben in Atem.

Noch stecken der Leiter des Forstbetriebsbezirks Schalksmühle und Revierassistentin Melanie Fischer mitten in der großflächigen Abholzung der abgestorbenen Fichten. „Arbeitstechnisch sind wir bis Ende 2023 ausgebucht“, sagt der Schalksmühler. Dennoch macht sich Hubertus Bierkoch bereits über die Wiederaufforstung Gedanken.

100 Prozent Fichtenverlust

Mittlerweile geht er von einem einhundertprozentigen Verlust an Fichten aus. Trotz des kühlen Frühjahrs, das ihn hoffen ließ, konnte der Borkenkäfer sein zerstörerisches Werk im Juni fortsetzen. „Das kühle Frühjahr hat Auswirkungen gehabt“, erklärt der Förster. „Der erste Flug des Borkenkäfers wurde dadurch vier bis sechs Wochen nach hinten verlegt.“ Die Wucht, mit der der erste Flug dann Anfang Juni geschehen sei, habe indes keiner erwartet. „Alles, was jetzt noch grün ist, ist schon befallen. Das wird uns noch die nächsten Jahre beschäftigen.“

Abgestorbene, gefällte Fichten gehören derzeit zum traurigen Bild des Waldes.

Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres mussten 50 000 Festmeter Holz geschlagen werden. „Das entspricht einer Freifläche von 100 Hektar.“ Die vorherigen Katastrophenjahre hinzugerechnet, müsse schon jetzt von einer Wiederaufforstungsfläche von 200 Hektar gesprochen werden. „Was jetzt kommt, ist sehr anspruchsvoll“, erklärt der Revierförster. Waldentwicklungstypen (WET) sei das Stichwort, das in den kommenden Jahren häufig zu hören sein werde. Wie komplex die Materie ist, um die es bei der Wiederaufforstung geht, ist in der Broschüre „Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen – Empfehlungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung“ nachzulesen. Daraus geht hervor, dass jeder Standort für sich betrachtet werden muss – auch in Schalksmühle.

Das Personal ist das größte Problem.

Hubertus Bierkoch, Förster in Schalksmühle

Gefördert wird die Wiederaufforstung, wie Hubertus Bierkoch erklärt, in Abhängigkeit der WET. Um Härten abzufedern, sei die Wiederaufforstungspflicht bei kahl geschlagenen Waldflächen bereits von zwei auf vier Jahre verlängert worden. Nichtsdestotrotz sieht Hubertus Bierkoch eine Mammutaufgabe auf Waldbesitzer und Förster zukommen. Nicht nur, dass das Pflanzenmaterial seiner Meinung nach knapp und entsprechend teuer wird, fehle es auch an der Manpower, um die Pflanzungen vorzunehmen. „Das Personal ist das größte Problem“, sagt er.

Auf Flächen wie dem Gemeindewald in Othmaringhausen an der Grenze zu Halver sieht er Mischwald als Wald der Zukunft an. „Das ist hier ein Areal von 15 bis 20 Hektar.“ Auf der Kuppe hoch über der Hälver kann er sich Douglasien vorstellen. Den Hang hinunter – je nach Frische – kommen seiner Meinung nach Buchen und Lärchen infrage. „Es muss eine entsprechende Mischung sein.“

Ab Oktober wird gepflanzt

Ab Oktober könne mit der Pflanzung begonnen werden. Die Gemeinde stehe in den Startlöchern. Vereinzelt treten auch private Waldbesitzer mit Fragen zur Wiederaufforstung an den Förster heran. Ob schon in diesem Jahr mit der Wiederaufforstung begonnen werden kann, hängt davon ab, ob es gelingt, Pflanzer zu rekrutieren. Um typische Fehler bei der Wiederbewaldung zu vermeiden, hat der Landesbetrieb Wald und Holz NRW dazu die Broschüre „Bäume richtig pflanzen“ herausgegeben.

In Othmaringhausen an der Grenze zu Halver muss ein Areal von 15 bis 20 Hektar wiederaufgeforstet werden.

Mit dem, was jetzt schon auf den abgeholzten Flächen an Wildwuchs nachwächst, würden die kahlen Flächen in zwei bis drei Jahren wieder grün sein, erklärt Hubertus Bierkoch. Mit der gezielten Aufforstung würden sechs bis sieben Jahre vergehen. Dass danach alles gut wird, glaubt der Förster mit Blick auf den Klimawandel nicht. „Wir werden das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichen“, prognostiziert er. „Die Fichte ist nur der Anfang.“ Jede Baumart habe ihre Schadensinsekten. „In der Forstwirtschaft muss man über einen Zeitraum von 100 Jahren planen.“

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