Foodsaver und Foodsharing

Auf den Tisch statt in die Tonne: Lebensmittel-Retter nun auch in Schalksmühle aktiv

Foodsharing, Foodsaver, Schalksmühle
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Retten für die Initiative Foodsharing Lebensmittel in Schalksmühle und Lüdenscheid: Stefanie Weisler (links) und Melanie Othlinghaus.

Sie engagieren sich gegen Lebensmittelverschwendung und wollen dabei ungewollte und überproduzierte Lebensmittel aus privaten Haushalten und Betrieben retten. Seit März gibt es auch in Schalksmühle und in Lüdenscheid sogenannte Foodsaver.

Schalksmühle/Lüdenscheid – Die Schalksmühler Schwestern Melanie Othlinghaus und Stefanie Weisler sind die Botschafterinnen, sie haben den Foodsharing-Bezirk gegründet. „Über die Mitstreiter in Halver sind wir auf die Idee gekommen, dass sich so ein Engagement auch für Schalksmühle und Lüdenscheid lohnt.“

Unter den geretteten Produkten befinden sich zahlreiche Lebensmitteln, aber auch Non-Food-Artikel sowie Schnitt- und Saisonblumen. „Das Hauptproblem ist, dass im Handel, wenn neue Ware geliefert wird, oft Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, in der Tonne landen“, erklärt Melanie Othlinghaus. Deshalb versuchen die Foodsaver, mit den Lebensmittelhändler, Supermärkten, Marktverkäufern, aber auch mit Privatleuten, Landwirten und Jägern zu kooperieren. Erst kürzlich habe sie etwa von einer guten Apfelernte in einem Privatgarten profitieren können. „Und am Sonntag habe ich eine halbe Heidschnucke von einem Gastronomen abgeholt.“

Verteilerpunkt in Halver

Damit die geretteten Lebensmittel auch einen Abnehmer finden, gibt es unter anderem in Halver einen von der Stadt inzwischen genehmigten, unbeaufsichtigten Verteilerpunkt am Werkshof. Dort bringen die Foodsaver die Waren hin, Interessierte können diese dann jeder Zeit abholen. In Hagen können die Abnehmer in einem Supermarkt vorbeischauen und in Iserlohn gibt es sogar einen Kühlschrank für frische Produkte.

In Schalksmühle oder Lüdenscheid gebe es so eine Anlaufstelle noch nicht. Doch man bemühe sich, in der Bergstadt etwas in der Art einzurichten. „Wir stehen noch am Anfang. Nach gut einem halben Jahr müssen wir noch wachsen“, betont Melanie Othlinghaus. Die Corona-Krise habe die Bemühungen der neuen Botschafterinnen wie in vielen anderen Bereiche auch ausgebremst. „Derzeit ist es aufgrund der Schließung der Gastrobetriebe besonders schwierig, uns in dem Bezirk bekannter zu machen.“ Wegen des Virus habe man kaum Werbung machen können. Geplant waren etwa ein Stand beim Lüdenscheider Stadtfest und Präsenz auf Weihnachtsmärkten. Dafür habe man bereits einen Facebook-Auftritt gestaltet, über den Interessierte Kontakt zu der Initiative aufnehmen können. Zumindest sei die Zahl der Aktiven in Schalksmühle und Lüdenscheid gestiegen. Teilweise arbeite man auch über die Bezirksgrenzen hinaus mit Mitstreitern aus Halver eng zusammen.

Gerettet werden unter anderem Backwaren, aber auch Non-Food-Produkte.

Auch wenn die Zeiten schwer sind, Priorität habe laut Melanie Othlinghaus derzeit die Gewinnung von Akteuren – Foodsaver und auch Betriebe sowie Privatpersonen. Dann erst komme die Werbung. „Im nächsten Jahr werden wir uns hoffentlich besser präsentieren können.“

Neben der Lebensmittelrettung engagieren sich die Foodsaver aber auch für die Vermeidung von Verpackungsmüll. „Das ist ein schwieriges Thema, da viele Produkte verpackt sind. Wir können den Müll zwar oft bei den Händlern lassen. Doch bei jedem Foodsaver fällt zuhause mehr Verpackungsabfall an.“ Alleine können die Foodsaver den Trend nicht aufhalten.

Es gibt Handlungsbedarf

Die Botschafterin findet das Wegwerfverbot für Lebensmittel in Frankreich toll. In Deutschland sieht sie noch viel Handlungsbedarf. „Wir alleine schaffen das nicht. Da ist vor allem die Politik gefordert. Als Foodsaver wolle man lieber unsichtbar im Hintergrund bleiben. „Wir wollen den Betrieben auch keine zusätzliche Arbeit machen oder eine Kooperation gefährden.“

Mit einem Vorurteil möchte die Foodsaverin aufräumen. „Es entstehen, wenn wir Betriebe ansprechen, oft Missverständnisse. Wir wollen den Tafeln nichts wegnehmen und sie auch nicht verdrängen. Wir sind froh, wenn wir nicht so viele Lebensmittel retten müssen und die Waren an Bedürftige gehen“, sagt Melanie Othlinghaus. Ihr Bezirk kooperiere beispielsweise mit der Tafel in Lüdenscheid. Zudem lobt sie die tollen Aktionen der Tafel Radevormwald. Die Ängste der Tafeln seien unbegründet. Die Foodsaver würden nur Lebensmittel mitnehmen, die die Tafel nicht annehmen darf, etwa Fleisch, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. „Wir füllen die Lücken, die die Tafel nicht besetzen kann. Wir holen an Samstagen oder auch zwischen den Weihnachtsfeiertagen Lebensmittel ab.“

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