Zunehmende Kritik an Asylunterkunft in der Lieth

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Bewohnerin Tsego Mekonnen räumte gestern Möbel aus dem Übergangsheim In der Lieth.

Schalksmühle - Nach Hinweisen aus der Bevölkerung besuchte Sylvia Olbrich, Sprecherin des Kreisverbands Mark der Grünen, am Mittwoch das Übergangsheim für Asylbewerber In der Lieth. Die Grünen-Politikerin ist derzeit im Kreisgebiet unterwegs und macht sich in verschiedenen Kommunen einen Eindruck von den Asylunterkünften.

In Schalksmühle stellte Olbrich „gravierende Mängel“ fest. Sylvia Olbrich informierte die Gemeindeverwaltung schriftlich über ihren Eindruck und die Mängel, die sie im Übergangsheim festgestellt hatte. Darüber hinaus stellten die Kreisverbands-Grünen gestern einen Antrag an den Bürgermeister und den Rat der Gemeinde, ein Konzept zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen zu erarbeiten.

„Dieser Antrag ist ein Anfang und wir Grünen werden die weitere Entwicklung in der Gemeinde aktiv verfolgen.“ Nach Erhalt der schriftlichen Rückmeldung von Sylvia Olbrich veranlasste die Verwaltung gestern Morgen eine Ortsbesichtigung, wie Kämmerer Reinhard Voss gestern auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Er widerspricht aber dem Vorwurf von Olbrich, die Einrichtung In der Lieth mache den Anschein, als sei dort schon seit Jahren nichts mehr getan worden.

„Erst im vergangenen Jahr hat die Gemeinde 26 600 Euro für Renovierungsarbeiten ausgegeben. 2012 ließ die Eigentümerin des Gebäudes die Eingangstür und die Treppe renovieren. Auch 2015 wird viel gemacht, genauso wie bei Neubelegungen der Zimmer eine umfangreiche Instandsetzung durchgeführt wird.

Das Problem ist aber, dass häufig Einrichtungen von unbekannter Seite in kürzester Zeit wieder entwendet werden. Wir können nicht nachweisen, wer das tut, denn in das Heim an sich hat erstmal jeder Zugang“, sagt Voss.

Viele Bewohner halten Gebäude in Ordnung

Bei der Ortsbesichtigung war auch Jochen Potberg als Brandschutztechniker der Gemeinde mit dabei. Olbrich habe in ihrem Schreiben unter anderem bemängelt, dass sich nur ein Feuerlöscher in der Einrichtung befände. Voss: „Das hat sich leider bestätigt. Wir haben daher sofort veranlasst, dass Feuerlöscher und Piktogramme umgehend angebracht werden.“

Als weiteres Problem sah Olbrich, dass es keinen eigenen Hausmeister für das Übergangsheim gibt. „Das ist richtig, doch unser Rathaus-Hausmeister kümmert sich die Hälfte seiner Wochenarbeitszeit überwiegend um das Gebäude In der Lieth“, sagt Voss. Darüber hinaus sei der Bauhof dort regelmäßig im Einsatz, genauso wie Hilfskräfte. Fakt sei, dass während des Besuchs von Sylvia Olbrich mehrere Möbel auf den Fluren standen.

„Ich habe noch am Mittwoch Bewohner angesprochen, dass sie die defekten Möbel an die Straße stellen, wo sie vom Sperrmüll abgeholt werden“, sagt Irmtraud Quenzel, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Netzwerks Flüchtlingshilfe, die Olbrich gemeinsam mit Enid Lal bei ihrem Besuch begleitet hatte. Bei einer Besichtigung unserer Zeitung wurde das gestern Mittag in die Tat umgesetzt: Bewohnerin Tsego Mekonnen trug gerade mehrere Gegenstände auf die Straße. „Eigentlich ist Tsego unsere Hausmeisterin. Sie kümmert sich um die Flure, fegt oft. Und das alles freiwillig“, sagt Quenzel.

Auch Aqeel Kadhim möchte sich gern einbringen. Der 27-Jährige stammt aus dem Irak und zeigt gern sein Zimmer und die Küche, die er sich mit anderen Männern teilt. „Die Küche hätte er gerne etwas sauberer, sein Zimmer hält er immer sehr aufgeräumt“, erklärt Quenzel. Sylvia Olbrich merkte auch an, dass Antennenkabel lose in den Fluren liegen. Reinhard Voss: „Hier lassen wir von einer Fachfirma prüfen, wie die Kabel kurzfristig an den Wänden befestigt werden können.“ Darüber hinaus waren Mitarbeiter des Elektrobetriebes Quenzel gestern damit beschäftigt, neue Lichtschalter anzubringen. Die Gemeinde sei bemüht, Hinweisen auf Mängel nachzugehen, auch wenn die Lösung oft nur eine kurze Halbwertszeit hätte. Voss: „Wir versuchen mit besten Kräften der Sache gerecht zu werden, stehen aber genauso wie die anderen Kommunen vor Herausforderungen. Das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, die alle staatlichen Stellen vor Herausforderungen stellt.“

Froh über Engagement der Bevölkerung

Er persönlich sei sehr froh, dass Schalksmühle ein eigenes Netzwerk mit Ehrenamtlichen hat, die sich dafür einsetzen, den Bedürfnissen der asylsuchenden Menschen gerecht zu werden. Die Verwaltung möchte auch die Eigeninitiative der Bewohner fördern. Voss: „Wenn die Bewohner freiwillig Verschönerungsarbeiten durchführen möchten, unterstützen wir sie gerne mit Material.

Es stimmt, dass die Flure einen neuen Anstrich vertragen können. Wichtig ist uns nur, dass die Asylbewerber das aus freien Stücken tun. Für viele ist das aber auch eine Möglichkeit, sich einzubringen und ihr Lebensumfeld mitzugestalten. Zwingen können und möchten wir aber niemanden dazu.“ In einer Pressemitteilung lobt Grünen-Politikerin Olbrich, dass in Schalksmühle die sehr aktive und effektive Arbeit der Flüchtlingsinitiative aufgefallen sei.

„Hierbei ist jedoch auch die Verwaltung nicht aus der Verantwortung zu entlassen.“ Derzeit leben 91 Personen in Schalksmühle, die einen Asylantrag gestellt haben. Davon wohnen 53 Personen im Übergangsheim In der Lieth.

Fotos finden Sie hier: Link zur Fotogalerie des Asylheims.

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