Ein Leben für die Tafel

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Erika Ostmeyer (links) und ihre Tochter Astrid Lehmann hoben 2004 die Schalksmühler Tafel, zu der auch die Zweigstelle in Halver gehört, aus der Taufe.

Schalksmühle - Ohne die Tafel kann sich Astrid Lehmann, die 2004 zusammen mit ihrer Mutter Erika Ostmeyer die Schalksmühler Tafel aus der Taufe hob, ihr Leben nicht mehr vorstellen.

„Wenn man sieht, dass es Menschen gibt, die sich nicht mal die Butter oder besser gesagt die Margarine aufs Brot schmieren können, dann kann man nicht tatenlos zusehen.“ 

 „Das ist mittlerweile ein 24-Stunden-Job geworden“, sagt die Mutter von vier Töchtern, die alle irgendwie in die Vereinsarbeit eingebunden sind – sei’s als Bufdi im Bundesfreiwilligendienst, in steuerlichen Angelegenheiten oder als Helfer für die Wunschbaumaktion, um bedürftige Kinder bei der Weihnachtsfeier beschenken zu können.

„Ich habe gelernt, abzugeben“ 

„Ich habe bei meiner Mutter gelernt, abzugeben“, benennt Astrid Lehmann ihre Antriebsfeder. Aufmerksam auf die Tafeln und ihr Leitmotiv „Lebensmittel retten. Menschen helfen“ wurde Astrid Lehmann, die mit ihren Eltern im Alter von zehn Jahren von Hagen nach Schalksmühle zog, vor Jahren durch einen Fernsehbericht über die Berliner Tafel. 

Die Idee, benachteiligten Menschen im reichen Deutschland auf diese Weise zu helfen, sprach sie sofort an. Erste Erfahrungen sammelte sie bei der Lüdenscheider Tafel. Als diese Schalksmühle aufgrund zu knapper Lebensmittelkontingente aus ihrem Versorgungsgebiet ausgliederte, wurden Mutter und Tochter aktiv. Claus-Dieter Ostmeyer, der 2015 starb, unterstützte Ehefrau und Tochter dabei nach Kräften.

Eine Zweigstelle in Halver 

Fragen wie: „Warum kommt ihr nicht mehr? Was haben wir euch getan?“, als das Volme-Team nicht mehr erschien, klingen Astrid Lehmann und ihrer Mutter Erika Ostmeyer noch heute in den Ohren. Die Motivation, in Schalksmühle einen eigenen Verein und später in Halver eine Zweigstelle zu gründen, „war das Aufhören in Lüdenscheid“. Leicht war der Start mit dem neuen Verein indes nicht. 

„Anfangs sind wir auch ohne Genehmigung gefahren“, erinnert sich Erika Ostmeyer. Ihr erstes Domizil hatte die Schalksmühler Tafel in der Hälverstraße 9. Seit 2006 erfolgt die wöchentliche Lebensmittelausgabe mittwochs von 14.30 Uhr bis 18 Uhr in Räumen der Ausgabestelle an der Hälverstraße 78. In der Zweigstelle Halver, die sich (noch) im Bürgerzentrum am Park befindet und demnächst zur Ganztagsschule umziehen muss, ist freitags von 13.30 bis 15 Uhr Ausgabezeit. 

14 Märkte pro Tag angefahren 

In ihrer Zeit bei der Tafel haben Astrid Lehmann und Erika Ostmeyer viel Armut und Elend gesehen. Vor allem die Not der Kinder ist ihnen ein Ansporn, mit ihrem zeitintensiven Ehrenamt weiterzumachen und Bedürftigen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs zu helfen. Täglich fährt das Tafel-Team 14 Märkte in Halver, Schalksmühle und Lüdenscheid an, um Lebensmittel, die qualitativ noch einwandfrei sind, aber nicht mehr verkauft werden, abzuholen und für die Ausgabe bereitzustellen.

57 Familien in Schalksmühle 

Menschen mit geringem Einkommen, Hartz IV- und Sozialhilfe-Empfängern, kinderreichen Familien und Flüchtlingen hilft die Tafel dabei, Woche für Woche über die Runden zu kommen. Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag von zwei Euro („Das geht für das Benzin drauf“) können sich Bedürftige einen Korb voller Lebensmittel aus dem Angebot aussuchen. Süßigkeiten, Molkereiprodukte, Obst, Gemüse, Brot, Konserven, Hygieneartikel und andere Dinge des täglichen Bedarfs gehören dazu. „Es gibt in Schalksmühle 57 Familien, die kommen“, erzählt Astrid Lehmann. 

Bislang, da ist sie froh und dankbar, waren immer ausreichend Lebensmittel für alle da. Vier Bufdis und elf weitere Ehrenamtliche unterstützen Mutter und Tochter bei ihrer Arbeit, die das tägliche Sichten und Aussortieren verdorbener Lebensmittel einschließt. „Es fault immer etwas.“ Strahlende Kinderaugen, wenn es Schokolade und andere Süßigkeiten gibt, sind für Astrid Lehmann und Erika Ostmeyer der schönste Lohn.

„Es kommt viel zurück“, erzählen beide übereinstimmend. Wenn jemand krank ist, bringt Ortwin Köhler aus dem Helfer-Team dringend Benötigtes auch schon mal persönlich an die Haustür. „Ich brauche nicht darüber nachzudenken, warum ich das mache. Ich mach es einfach“, sagt Astrid Lehmann. 

Unterstützung in Form von Spenden 

Nichtsdestotrotz kann sie Unterstützung in Form von Spenden gut gebrauchen. Nicht zuletzt für den Umzug und die Einrichtung der neuen Ausgabestelle in Halver.

Bei der Sparkasse Lüdenscheid hat der Verein ein Spendenkonto (DE04 4585 0005 0000 1856 78) eingerichtet. Dringend gesucht werden überdies Paten für die Bufdis.

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