Arian Khatibi aus dem Iran fühlt sich in Schalksmühle zuhause

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Arian Khatibi (23) ist in Schalksmühle angekommen. Nach schweren Jahren hat sich in seinem Leben vieles zum Guten entwickelt.

Schalksmühle - Weihnachten feierte Arian Khatibi im großen Familienkreis. Gottesdienstbesuch an Heiligabend, gemeinsames Essen, Bescherung und gemütliches Beisammensein gehören dazu – wie in unzähligen anderen Familien landauf und landab. Auf die Frage, ob er in Schalksmühle angekommen ist, nickt der 23-jährige Iraner zustimmend.

„Ja, durch die Familie meiner Freundin bin ich hier angekommen.“ Vieles hat sich nach schwierigen Jahren, in denen er aufgrund seines christlichen Glaubens aus seiner Heimat fliehen musste und manches Mal weder ein noch aus wusste, zum Guten gewandelt.

Mittlerweile macht er bei einer renommierten Firma eine Ausbildung zum Mechatroniker, spricht fließend Deutsch und fühlt sich in der Familie von Freundin Milena rundum wohl und angenommen. „Hier wurde an Weihnachten gewichtelt“, erzählt er. Anstatt dass jeder jeden beschenkt, machte sich jeder um einen aus dem Kreis der großen Familie besondere Gedanken.

Status eines anerkannten Flüchtlings

Den Iran und seine eigene Familie, die in Malaysia lebt, vermisst der aus Zanjan stammende junge Mann, der den Status eines anerkannten Flüchtlings besitzt, dennoch schmerzlich. Eine Rückkehr in seine Heimat ist ausgeschlossen. In Malaysia, wohin die Familie Khatibi nicht zuletzt der besseren Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten ihrer Kinder einst umzog, machte Arian sein Abitur und fasste ein Ingenieurstudium in der Fachrichtung Maschinenbau ins Auge.

„Aus Neugier“ begann er, sich für die verschiedenen Religionen zu interessieren. „Wir waren keine religiöse Familie“, erzählt er. „Ich war frei, meinen Weg herauszufinden.“ Wichtig für seinen Vater sei gewesen, „hauptsache nichts gegen Menschen zu unternehmen“. Auf diese Weise lernte er das Christentum kennen und begann, sich aktiv in einer christlichen Gemeinde zu engagieren.

Als er in der Übergangszeit zwischen Abitur und Studium in den Iran zurückkehrte, um Großeltern und Verwandte zu besuchen, wurde ihm genau dies zum Verhängnis. „Der Geheimdienst fand irgendwie heraus, dass ich als Christ aktiv bin“, berichtet er.

Wäre er volljährig gewesen, hätte ihm dafür eine lebenslange Gefängnisstrafe oder sogar die Todesstrafe gedroht. Mit 17 Jahren, die er bei seiner Verhaftung zählte, „brummte“ ihm das Gericht in erster Verhandlung sechs Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von rund 20.000 Euro auf. Dank einer Kaution, die sein Vater durch den Verkauf einer Zweitwohnung aufbringen konnte, kam er bis zur zweiten Gerichtsverhandlung auf freien Fuß.

Danach überschlugen sich die Ereignisse. Sprichwörtlich bei Nacht und Nebel gelang mithilfe eines Schleppers die Flucht in die benachbarte Türkei. In Ankara wandte sich der damals 17-Jährige an den UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) und geriet in eine zermürbende Warteschleife – wie so viele andere. Als sich nichts tat, beschloss er 2015, sich nach Europa aufzumachen. „Ich war an einem Punkt, an dem mir relativ egal war, was passiert“, gibt er zu.

Mit einer der ersten Gruppen, die damals über Ungarn nach Deutschland kamen, betrat er deutschen Boden. Viel Schlimmes hat er unterwegs gesehen und miterlebt. Am 9. September 2015 kam er in Deutschland, im November des gleichen Jahres in Schalksmühle an. Millionenstädte gewöhnt, fand er das Ankommen in der kleinen Gemeinde zunächst „relativ erschreckend. Am Anfang habe ich gedacht, dass ich nicht klarkomme“.

Großstadt ist keine Option mehr

Mittlerweile möchte er nicht mehr in einer Großstadt leben. Für die viele Hilfe, die er bekommen hat, ist Arian Khatibi zutiefst dankbar. Irmtraud Quenzel, Uwe Rittinghaus und seine Familie, in der er sich aufgenommen fühlt, und Pfarrer Dirk Pollmann sind Namen, die er nennt. Obwohl er noch Mitglied der evangelischen Gemeinde ist, fühlt er sich sehr zur FeG hingezogen.

In der Jugendarbeit und an der Technik mischt er dort bereits kräftig mit. Nach seinen Hobbys gefragt, kommt prompt die Antwort Fußball. „Ich spiele und sehe gern Fußball.“ Seine Lieblingsmannschaft ist Real Madrid. Im Sommer hat er zudem begonnen, Gitarre zu spielen. Da sein Abitur in Deutschland nicht anerkannt wird, liebäugelt er damit, sein Fachabitur nachzumachen. Derzeit hat jedoch die Ausbildung Vorrang.

Nationalitäten in Schalksmühle

In Schalksmühle leben derzeit insgesamt 924 Zuwanderer aus 55 Ländern. Im Einzelnen sind dies Afghanistan, Albanien, Arabische Republik Syrien, Bangladesch, Belgien, Bolivarische Republik Venezuela, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Demokratische Republik Kongo, Dominica, Mazedonien, Eritrea, Frankreich, Griechenland, Guinea, Indonesien, Irak, Islamische Republik Iran, Italien, Jordanien, Kamerun, Kanada, Kasachstan, Kosovo, Kroatien, Libanon, Litauen, Marokko, Mexiko, Montenegro, Niederlande, Österreich, Pakistan, Polen, Portugal, Republik Moldau, Rumänien, Russische Föderation, Schweiz, Serbien, Serbien und Montenegro, Somalia, Spanien, Tadschikistan, Thailand, Togo, Tschechien, Tunesien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Vereinigte Republik Tansania, Vereinigte Staaten und Vereinigtes Königreich. Ein Zuwanderer ist staatenlos, bei vier weiteren ist die Staatsangehörigkeit ungeklärt.

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