Arbeiten an den Feiertagen: Mehr als nur ein Job

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Im Seniorenpark Reeswinkel ist Weihnachten ein normaler Arbeitstag. Roman Haugk musste in diesem Jahr an den Feiertagen arbeiten – für ihn eine Selbstverständlichkeit. Erst im kommenden Jahr wird er wieder mit seiner Familie die Tage verbringen.

Schalksmühle - Es gibt Berufe, in denen auch an Weihnachten gearbeitet werden muss. Dazu gehört der des Krankenpflegers. Roman Haugk arbeitete an beiden Weihnachtstagen.

Auch, wenn er lieber bei seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn gewesen wäre, übernahm er mehr als nur die Rolle des Pflegers an den Feiertagen. 

In Pflegeberufen haben Mitarbeiter die Wahl zwischen Weihnachten oder Silvester und Neujahr. An einem der beiden Feste müssen sie arbeiten. Wenn im Oktober im Seniorenpark Reeswinkel bereits die ersten Zettel aushängen, machen fast alle ihr Kreuzchen bei Silvester. Denn Weihnachten wollen die meisten lieber mit ihren Familien verbringen. 

Früher war es Roman Haugk egal, wann er arbeiten musste. Er hat sogar freiwillig an Weihnachten gearbeitet, damit er Silvester feiern konnte. Jetzt ist er Vater eines dreijährigen Sohnes und würde die Weihnachtstage lieber komplett mit seiner Familie verbringen. In diesem Jahr hatte er am ersten Weihnachtstag Früh- und am zweiten Weihnachtstag Spätdienst. Am ersten verpasste er somit den halben Tag bei den Schwiegereltern, und am zweiten sah er seine Eltern nur zum Mittagessen. „Das vermisse ich am meisten“, sagt der 38-Jährige. „Die Familientreffen sind bei uns Tradition.“ 

Bis zum vergangenen Jahr hat seine Frau ebenfalls in der Pflege gearbeitet. „Wir haben uns meistens entgegen gearbeitet. Wenn ich Frühdienst hatte, hatte sie Spätdienst.“ Jetzt hat sie eine andere Arbeitsstelle angenommen. „Dafür haben wir zwar weniger Geld, aber wir sehen uns öfter.“ Und sie haben zu dritt als Familie wieder mehr Zeit füreinander. 

Spaß am Beruf ist Grundvoraussetzung

Dass er an Feiertagen und Wochenenden in diesem Beruf arbeiten muss, war ihm immer bewusst. „Es gehört einfach dazu, auch an Feiertagen zu arbeiten.“ Es gibt Menschen, die auf ihn angewiesen sind und seine Hilfe benötigen. Und das Gefühl gebraucht zu werden ist für ihn an solchen Tagen Lohn genug. „Die Dankbarkeit der Menschen ist sehr groß. Vor allem an Feiertagen.“ 

Ohne Spaß an dem Beruf sei das allerdings nicht möglich, sagt er. „Mir macht der Beruf immer noch Spaß.“ Er weiß, dass der Beruf nicht für jeden etwas ist, aber es ist seine Berufung. „Handwerklich bin ich unbegabt. Aber ich kann mit Menschen umgehen und möchte ihnen helfen.“ 

Im Seniorenheim Reeswinkel arbeitet er erst seit wenigen Jahren, Pfleger ist er bereits seit 1997. Besonders gefällt ihm in Reeswinkel, dass er sich noch genügend Zeit für die Patienten nehmen kann – an vielen anderen Orten sei das nicht mehr möglich. Diese Möglichkeit nutzt er vermehrt auch zur Weihnachtszeit.

 Der Großteil der Bewohner bekomme viel Besuch, einige sogar täglich. Bewohner, die keine Angehörigen mehr haben, kommen damit nicht immer gut zurecht. „Wir haben eine Frau im Haus, die keine Angehörigen mehr hat“, sagt er. „Zur Weihnachtszeit wird sie dann immer sehr depressiv.“ Was dann hilft, ist eine Umarmung. „Sie wird dann häufiger mal gedrückt. Das tut ihr gut.“

Von Stress keine Spur

Die Pfleger versuchen im Rahmen des Möglichen, die Bedürfnisse der Bewohner aufzufangen. Ansonsten sind die Weihnachtstage „ganz normale Arbeitstage“. Sie sind lediglich etwas ruhiger, weil weniger Personal arbeitet und die üblichen Kommunikationen mit Ärzten nicht stattfinden. Um ein bisschen weihnachtliche Stimmung in den Seniorenpark Reeswinkel zu bringen, setzen sich die Pfleger Weihnachtsmützen auf. 

Von Stress keine Spur: „Wenn wir gestresst sind, merken die Bewohner das sofort“, sagt Haugk. „Aber dafür haben sie meistens Verständnis.“ An solchen komme es daher auch mal vor, dass die Bewohner im Bett frühstücken. „Aber das machen sie wirklich gerne.“ Der Beruf ist keine Selbstverständlichkeit, aber die Bewohner seien dankbar für alles, was man tut – an Weihnachten noch einmal mehr.

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