Appell an gesunden Menschenverstand

Vorsicht in der Brut- und Setzzeit: So verhält man sich in der Natur richtig

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In der Brut- und Setzzeit sind Rehkitze im hohen Gras besonders gefährdet – für das Foto wurde ein Tierpräparat genutzt.

Schalksmühle - Derzeit ist richtig was los im heimischen Wald und auf den Wiesen. Von Mitte April bis Ende Juni ist die sogenannte Brut- und Setzzeit. In diesen Wochen setzen die Ricken ihre Kitze ins hohe Gras, Wildschweine haben dann schon gefrischt und beim Federwild kommt die Brutzeit. Auch die ersten Jungfüchse sind dann bereits unterwegs.

„Rund um den Mai ist die intensivste Zeit“, erklärt Thimo Lückmann, Presseobmann des Hegerings Schalksmühle-Hülscheid. Besonders jetzt sei das so, weil die milden Temperaturen der vergangenen Wochen das Ganze beschleunigt haben. 

Der Wald und die Wiesen sind aktuell eine Kinderstube. Vor allem für Rehjunge oder Bodenbrüter wie die Waldschnepfe bedeuten die ersten Lebenswochen aber auch viele Gefahren. „Das Kitz bleibt erst einmal zwei bis drei Wochen dort liegen, wo es seine Mutter abgelegt hat. Es ist in der Wiese gut getarnt und atmet so flach, dass man es für tot oder gar für ein Stück Holz halten könnte“, sagt Jäger Thimo Lückmann. 

Thimo Lückmann, Sprecher des Hegerings Schalksmühle-Hülscheid.

Das Junge flüchtet nicht und ist deshalb in Gefahr – wenn Landwirte die Wiesen mähen oder etwa Spaziergänger dort entlang laufen. „Die Landwirte kontrollieren mit uns die Flächen und vermeiden so das Ausmähen. Das läuft immer vorbildlich.“ Es sei sehr wichtig, dass Menschen nicht einfach so über die Wiesen laufen. 

Auch der Kontakt mit Hunden kann für die Kitze gefährlich werden. „Sie haben in den ersten Tagen keinen Geruch. Auch die Ricke findet ihre Jungen nur durch die Fieplaute, die das Jungtier von sich gibt. Die Begegnung mit dem „besten Freund des Menschen“ seien deshalb meist zufällig. Gerade in den kommenden Wochen ist es sehr wichtig, dass sich alle Nutzer der Natur an bestimmte Grundregeln halten, sagt Thimo Lückmann. 

Jungwild nicht anfassen

„Es ist besonders entscheidend, dass das Jungwild nicht angefasst wird. Die Ricke hat alles im Griff, auch wenn sie nur zwei bis dreimal am Tag nach ihrem Nachwuchs schaut. Sie ist in der Nähe.“ Die Tiere laufen Gefahr, den Geruch der Menschen anzunehmen und dann vom Muttertier verstoßen zu werden. „Das passiert leider häufiger. Am besten ist es, die Tiere ganz in Ruhe zu lassen und sich zurückziehen.“ 

Damit es nicht zu Vorfällen kommt, wie vor einigen Wochen im Mintenbecker Tal bei Lüdenscheid, wo vermutlich ein nichtangeleinter Hund ein Reh gerissen hat, erinnert der Jäger an die Leinenpflicht. Gerade jetzt müsse der Vierbeiner an die Leine genommen werden. 

Die Waldschnepfe (auch ein Tierpräparat) ist auf dem Waldboden kaum zu erkennen.

„Es kann immer passieren, dass selbst ein gut ausgebildeter Hund nicht gehorcht und ein Wildtier beißt.“ Diese Vorfälle werden dann „bedingungslos“ zur Anzeige gebracht und strafrechtlich verfolgt. In Fällen von Verletzung oder Tötung eines Wildtieres wird dem Halter dann Wilderei zur Last gelegt. Allerdings müsse dafür der Täter auf frischer Tat ertappt werden. Selbstanzeigen gebe es in der Regel nicht. 

Probleme mit Hundebesitzern gibt es in Schalksmühle eher wenig, betont der Hegeringsprecher. Dennoch appelliert Thimo Lückmann an die Vernunft der Halter und an deren gesunden Menschenverstand. „Es ist ein natürliches Verlangen, dem Hund Freilauf zu geben. Dennoch darf er nur angeleint durch den Wald gehen.“ 

Tote Wildtiere dem Ordnungsamt melden

Generell hat dieser Punkt immer eine gewisse Brisanz. Die Hundefreunde könnten durch ihr vorbildliches Verhalten Werbung in eigener Sache machen. „So werden nicht gleich alle in einen Topf geworfen.“ Niemand habe etwas davon, wenn tote Tiere im Wald oder auf der Wiese liegen, sagt der Jäger. 

Gerade auf landwirtschaftlichen Flächen ist es wichtig, dass die Kadaver weggeholt werden. Deshalb sollten tote Wildtiere dem Ordnungsamt gemeldet werden. Dieses leite die Funde dann an den jeweiligen Revierjäger weiter. „Gerade jetzt müssen Jäger, Landwirte, Hundebesitzer, Sportler und Spaziergänger zusammenarbeiten. Der Hegering betreibe deshalb Aufklärungsarbeit. „Das klappt ganz gut.“

Verhaltensregeln zur Setz- und Brutzeit

Unter dem Titel „Nehmt Rücksicht auf´s Wild“ hat der Deutsche Jagdschutz-Verband einen Infoflyer veröffentlicht, in dem wichtige Verhaltensregeln im Wald und auf Wiesen aufgeführt werden: 

  • Bleiben Sie auf den Wegen und stören Sie das Wild nicht in seinen Lebensabläufen. 
  • Nehmen Sie Ihren vierbeinigen Freund an die Leine. 
  • Fassen Sie kein Jungwild an, es könnte sonst von seinen Eltern verlassen werden. 
  • Achten Sie auf das Rauchverbot im Wald und machen Sie kein offenes Feuer. 
  • Beunruhigen und stören Sie die Tiere nicht durch Fotografieren oder Filmen. 
  • Machen Sie im Wald keinen Lärm und zerstören Sie nicht mutwillig die Flora. 
  • Betreten Sie Hochsitze und Futterplätze nicht. Sie dienen der Wildhege

Kontakt 

Bei Fragen steht Thimo Lückmann vom Hegering unter Tel. 0151/27003235 zur Verfügung. Um tote Wildtiere kümmert sich das Ordnungsamt, Silvia Gonzalez Algaba, Tel. 02355/84230.

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