Theater in Kuhlenhagen

Bordellbetreiberin will bleiben - Ton wird schärfer

+
Aufhören sieht anders aus: Drei Frauen haben jetzt im Golden House als Prostituierte angefangen. Mariana Simion fotografiert sie für die Internetseite des Erotik-Clubs.

SCHALKSMÜHLE ▪ Die Geschäfte laufen gut und dennoch soll Schluss sein: Das Golden House soll zum Monatsende aus dem Gebäude in Kuhlenhagen ausziehen. Doch die Betreiberin des Bordells, Mariana Simion, bleibt, sie will den verabredeten Kauf vollziehen und es auch auf einen Prozess ankommen lassen.

Der Schriftverkehr füllt inzwischen einen dicken Aktenordner. Es sind Briefe von den Anwälten der Immobilienbesitzer. Der Ton in den Briefen wird schärfer. Inzwischen wird mit einer Räumungsklage gedroht. Mariana Simion hingegen will an dem Haus festhalten. „Ich habe für mich das Gebäude entschieden und will bleiben.“ Im Februar hatte unsere Zeitung aus einem Brief der Werdohler Anwaltskanzlei, die die Interessen von Manfred Berker vertritt, zitiert: „Nach reiflicher Überlegung sind unsere Mandanten jetzt zu dem Schluss gekommen, das Objekt (...) an Interessenten, die eine andere Form der Nutzung beabsichtigen“, zu verkaufen. Nach Informationen unserer Zeitung ist das Gebäude bisher allerdings noch nicht anderweitig verkauft worden. Während Manfred Berker gestern telefonisch nicht erreichbar war, verwiesen seine Rechtsvertreter auf die Frage, wie der aktuelle Stand sei, auf die Schweigepflicht. Bürgermeister Jörg Schönenberg sagte auf Anfrage: „Ich kann dazu keine Auskunft geben. Es handelt sich um eine private Sache. Da halte ich mich raus.“

Lesen Sie auch:

Sex-Club in Schalksmühle soll schließen

Prostituierte: „Mein Zuhälter ist meine Tochter“

Wie unsere Zeitung erfahren hat, wollen aber nach wie vor einige finanzkräftige Bürger gemeinsam das ehemalige Steinbeisser-Gebäude kaufen und das Bordell wieder in ein Restaurant verwandeln. Das Angebot soll nach den Vorstellungen gutbürgerlich sein und sich an Siedler und Vereinsmitglieder richten. In einem Brief begründen die Anwälte von Berker die Entscheidung damit, dass die Gemeinde den Beschluss getroffen hat, in Kuhlenhagen einen Kunstrasenplatz zu errichten. Mariana Simion hält dies für fadenscheinig: „Das widerspricht sich doch nicht, dass auf dem Platz Sport gemacht wird und hier das Gewerbe angesiedelt ist. Die Frauen hängen doch nicht nackt aus dem Fenster.“

Ihrer Meinung nach habe sich die anfängliche Aufregung gelegt. Simion berichtet von vielen netten und interessierten Gesprächen, die sie mit vielen Männer, aber auch mit Frauen aus der Gegend geführt habe. Generell fühle sie sich in Schalksmühle wohl. Persönliche Anfeindungen hätte es in ihre Richtung nicht gegeben. Im Gegenteil: Viele Schalksmühler hätten sich bei ihr gemeldet und ihr Mut zugesprochen.

Denn: Simion könnte durch den Verlust des Gebäudes nicht nur die berufliche Existenz, sondern auch ihre private Wohnung verlieren.

Da Mariana Simion das Gebäude kaufen wollte, investierte sie nach eigenen Aussagen Geld im fünfstelligen Bereich für Umbau und Deko. „Essentials des Kaufvertrages waren abgesprochen. Der Kaufpreis sollte 320 000 Euro betragen“, heißt es in den Unterlagen. Das Geschäft laufe sehr gut. Statt anfänglich drei Frauen arbeiten inzwischen fünf bis sieben Prostituierte im Golden House. Zu den Kunden gehören laut Simion auch viele Schalksmühler. Es werden auch Haus- und Hotelbesuche angeboten, Kerngeschäft ist aber das Lokal. Daher will Mariana Simion dafür kämpfen, dass sie weiter im Golden House bleiben kann. „Ich hoffe, dass ich das Gebäude wie geplant kaufen kann.“ ▪ Matthias Clever

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare