„Da stand auf einmal der Zaun“

Angeklagter Altenaer verursacht Schaden in Heedfeld

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Das Verfahren gegen den Angeklagten wurde gegen eine Geldauflage von 4000 Euro eingestellt.

Heedfeld/Lüdenscheid - Nicht wirklich geklärt wurden im Amtsgericht Lüdenscheid die Motive eines 63-jährigen Altenaers für einen nächtlichen Ausflug ins Industriegebiet von Heedfeld.

Am 2. April kam er mit seiner Freundin von einem Disco-Besuch aus Dortmund, und eigentlich hätte er von der Autobahnabfahrt Lüdenscheid-Nord auf mehreren Wegen direkt ins Rahmedetal fahren können. Stattdessen fuhr er auf den Parkplatz der Firma Dawedeit (Stanz- und Umformtechnik), wo sein Auto aus gerichtlich ungeklärten Gründen außer Rand und Band geriet. 

„Und dann stand da auf einmal der Zaun“, erinnerte sich der Angeklagte und bedauerte, dass das Opfer der Attacke so bereitwillig nachgegeben hatte. Es war ein einziger gefällter Stützpfahl, der zwei große Zaunsegmente und ein von einem Elektromotor getriebenes Tor umstürzen ließ und dadurch Reparaturkosten von rund 14.500 Euro verursachte. 

Unfall erst am nächsten Morgen gemeldet

Dass das Auto die Karambolage klar gewonnen hatte und fast ohne Schäden noch fahrtüchtig war, ermöglichte das kommende Fehlverhalten. Denn die Freundin habe dringend zu ihren Kindern zurückkehren müssen, und so habe er den Unfall erst am nächsten Morgen bei der Polizei gemeldet, erklärte der Angeklagte. 

Wegen der immensen Höhe des Schadens reichte das nicht für eine Beendigung des Verfahrens wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort. 

Warum aber war der Angeklagte mitten in der Nacht auf den Firmenparkplatz gefahren? „Ich war neugierig, wer sich da oben neu angesiedelt hat“, deutete der Konstrukteur ein technisches bis architektonisches Interesse an.Richter Andreas Lyra wunderte sich: „Konstruktionstechnisch sieht man eher wenig nachts um zwei Uhr“, wandte er ein. 

Stürmische 90-Grad-Kurve 

Eine ganz andere Vermutung hatte die Freundin des Angeklagten bei der Polizei genährt. Eine besondere Rolle spielte dabei das Wort „abgelenkt“, das gerne durch die Erläuterung „einfach so“ ergänzt wurde. 

Eine persönliche Ausnahmesituation würde die stürmische 90-Grad-Kurve des Autos erklären, bevor es in den Zaun krachte. So war es auf den Bildern zu sehen, die eine Überwachungskamera von dem Geschehen machte. 

Formal erfülle das Verhalten des Angeklagten den Tatbestand der Unfallflucht, stellte der Richter fest und machte einen Vorschlag: Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 4000 Euro. Dadurch blieb dem Angeklagten eine Verurteilung und ein längerer Entzug des Führerscheins erspart. Freuen über das Geld können sich die Stiftung Lebenshilfe, die Deutsche Verkehrswacht und ein Kinderherzzentrum in St. Augustin.

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