Richter: „Ihr Leben war geprägt von der Drogenabhängigkeit“

Angeklagter muss Haftstrafe nach Weihnachten antreten

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Der Schalksmühler wurde wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Schalksmühle - Die Einstufung als minderschwerer Fall machte es möglich: Wegen bewaffneten Handeltreibens mit einer nicht geringfügigen Menge an Betäubungsmitteln und verwandter Delikte verurteilte die 6. große Strafkammer einen 33-jährigen Schalksmühler zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Damit blieb die Kammer deutlich unter dem Regelstrafrahmen, der eine Mindeststrafe von fünf Jahren vorsieht. „Ihr Leben war geprägt von der Drogenabhängigkeit“, wandte sich der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt in seiner Urteilsbegründung an den Angeklagten. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme sei dieser „ein drogensüchtiger, völlig verwahrloster Mann“ gewesen, dessen Leben sich nur noch um die Beschaffung diverser Betäubungsmittel gedreht habe. Eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten könne aufgrund seiner Abhängigkeit und einer krankhaften seelischen Störung nicht ausgeschlossen werden, stellte die Kammer fest und folgte damit den Feststellungen des psychiatrischen Gutachters Dr. Nikolaus Grünherz über den einst „dauerbekifften“ Angeklagten.

Nicht aus der Welt schaffen ließen sich die im Zimmer des Schalksmühlers aufgefundenen Waffen. Zwar hielten Staatsanwalt und Gericht dem Angeklagten zugute, dass eine Machete und ein Bajonett unter und hinter einem Sofa aufgefunden wurden. Ein Gasrevolver, eine geladene Schreckschusspistole und ein Teleskopschlagstock befanden sich hingegen in Griffweite, weshalb die Kammer davon ausging, dass diese Waffen der Absicherung der Drogengeschäfte dienen sollten. Die Behauptung des Angeklagten, dass er die Waffen nur zu Dekorationszwecken besessen habe, sei unglaubwürdig, stellte der Staatsanwalt fest. Es habe keine Zeugen gegeben, die von an der Wand hängenden Waffen berichtet hätten.

Anderer Meinung als die Kammer war der Staatsanwalt bei der Frage, ob der Angeklagte zunächst auf freien Fuß gesetzt werden sollte: Der 33-Jährige habe die Straftaten aufgrund einer unbehandelten Suchterkrankung begangen, weshalb eine vorübergehende Freilassung riskant sei: „Es besteht die Gefahr, dass der Angeklagte weiter konsumiert.“ Verteidiger Heiko Kölz plädierte für eine Bewährungsstrafe mit einer engmaschigen Therapieauflage und sprach sich für eine Aufhebung des Haftbefehls aus: Sein Mandant sei durch den kalten Entzug in der Justizvollzugsanstalt hinreichend vor einem weiteren Drogenmissbrauch gewarnt. Der 33-Jährige unterstrich dies in seinem letzten Wort: „Die letzten vier, fünf Monate waren mir eine Lehre!“ Das Gericht blieb bei dem vom Staatsanwalt beantragten Strafmaß und ordnete eine Drogenentzugstherapie im Maßregelvollzug an. „Das werden Sie allein nicht schaffen“, sagte der Vorsitzende. Die Kammer setzte den 33-Jährigen dennoch auf freien Fuß, damit dieser „Weihnachten und Neujahr im Kreis der Familie“ verbringen kann.

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