Zweiter Verhandlungstag

Kupferprozess: Die Nerven liegen blank

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Hagen/Schalksmühle - Am zweiten Verhandlungstag im Kupferprozess im Landgericht Hagen ist das Konfliktpotential hoch. 

Am zweiten Verhandlungstag der Neuauflage des Kupferprozesses im Landgericht Hagen hat der 49-jährige Ex-Mitarbeiter des Ennepetaler Recyclingunternehmens sein Geständnis bekräftigt: „Ich bin froh, dass die Sache jetzt aufgedeckt ist.“ Er wiederholte, dass er über Jahre hinweg vorbereitete Probeneimer des Schalksmühler Entsorgungsbetriebes entgegengenommen und auf das Ziehen einer eigenen Probe aus dem angelieferten Messingstaub verzichtet hatte. Die Schmiergeldzahlungen habe sein Mitangeklagter ihm an einem neutralen Ort übergeben. 

Dieses scheinbar sehr klare Geständnis entbindet die Wirtschaftsstrafkammer nicht von einer Überprüfung der Vorwürfe gegen den 66-Jährigen aus Nachrodt. Der konfrontative Stil seiner beiden Strafverteidiger spricht für eine langwierige Konfliktverteidigung. Zum Auftakt leistete sich einer der beiden Anwälte eine regelrechte Flegelei gegenüber einer Schöffin: „Wenn ich frage, haben Sie den Mund zu halten!“ 

Ergebnislose Gespräche

Liegen die Nerven derart blank? Da der 66-Jährige zu den Vorwürfen schwieg, lieferte lediglich die Verlesung seiner polizeilichen Vernehmung einen vagen Hinweis auf eine mögliche Vorgeschichte der mutmaßlichen Betrügereien. Demnach hatte das Schalksmühler Entsorgungsunternehmen den Eindruck, dass das Ennepetaler Recyclingunternehmen die Lieferungen aus Schalksmühle im Hinblick auf den Wertstoffgehalt „schlechter einschätzte, als sie wirklich waren“. 

Daraufhin habe es ein Gespräch zwischen Firmenvertretern darüber gegeben, dass die in Ennepetal untersuchten „Beprobungen“ des Materials aus Schalksmühle so ungünstig für den Entsorger aus dem Volmetal ausfielen. Dieses Gespräch sei allerdings ergebnislos verlaufen. „Wir hatten jetzt den Eindruck, dass die Firma uns beim Bock tut“, soll der 66-Jährige bei der Polizei gesagt haben. Sein Unternehmen habe nur deshalb Probeneimer mit nach Ennepetal geschickt, weil sein Mitangeklagter eine solche zweite Probe erbeten habe, um Unstimmigkeiten bei der Feststellung des tatsächlichen Wirkstoffgehaltes aus der Welt zu schaffen. Geld habe er dem 49-Jährigen nie gezahlt, erklärte der 66-Jährige schon bei der Polizei. 

Großes Interesse an der Aufklärung

Gibt es ein mögliches Motiv für den 49-jährigen Angeklagten, den 66-Jährigen zu Unrecht zu bezichtigen? Der Vorsitzende fragte den geständigen Jüngeren, ob sein Unternehmen ihm Zugeständnisse und Zusagen für seine Aussagen gemacht habe. Der 49-Jährige setzte dem ein klares „Nein!“ entgegen. Die einzige Belohnung sei der vorläufige Verzicht des Unternehmens auf eine Strafanzeige gewesen. In Ennepetal war das Interesse an der Aufklärung der Geschehnisse offenbar größer als der Wunsch nach Strafe für den eigenen Mitarbeiter, der sich hatte bestechen lassen. 

Die Anwälte des 66-Jährigen bemühten sich, die Glaubwürdigkeit des 49-Jährigen zu untergraben: Sie präsentierten Dokumente über den schlechten Gesundheitszustand ihres Mandanten, der zum Zeitpunkt der angeblichen Manipulationen durch einen schweren Unfall in seiner Mobilität und psychischen Verfassung stark eingeschränkt gewesen sei. Im fraglichen Zeitraum sei er jahrelang nicht in der Lage gewesen, Auto zu fahren, weshalb er regelmäßig die Dienste eines Taxiunternehmens in Anspruch nehmen musste. Das passte nicht so recht zu der Aussage seines Mitangeklagten, dass der 66-Jährige regelmäßig mit seinem Auto nach Ennepetal gekommen sei, um das Bestechungsgeld in bar zu übergeben. „Das war so!“, bekräftigte der 49-Jährige erneut seine Aussage.

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