Coronavirus bei der Feuerwehr Schalksmühle

Anfeindungen nach Corona-Fällen bei der Feuerwehr

Feuerwehr, Corona, Schalksmühle
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Corona-Fälle bei der Feuerwehr.

Nach vier Corona-Fällen in einer Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr gab es Anfeindungen auf der Straße. Andere Wehrleute wurden verbal angegangen.

Schalksmühle – In der vergangene Woche wurden insgesamt vier Mitglieder einer Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Schalksmühle positiv auf Covid-19 getestet. Am Freitag wurden daraufhin weitere Tests durchgeführt. Die Ergebnisse sind alle negativ. Das teilt mit Erleichterung Silvia Gonzalez, Leiterin des Ordnungsamtes, mit. Eine andere Sache gibt ihr jedoch keine Ruhe.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass drei Mitglieder einer Löschgruppe positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Eines der drei Mitglieder war unwissentlich infiziert und steckte bei einem Einsatz andere Mitglieder an – so die Vermutung. Genau konnte man das aber nicht mehr nachvollziehen. Im weiteren Verlauf ging es vergangene Woche darum, alle Kontaktpersonen zu ermitteln und zu testen. Ein weiteres Mitglied wurde bei einem Reihentest am Mittwoch auf dem Jahnsportplatz positiv getestet. Die betroffene Löschgruppe wurde unter Quarantäne gestellt. Freitag fanden die letzten Tests statt. Mit den Ergebnissen von gestern ist nun klar, dass kein weiteres Mitglied mit dem Coronavirus infiziert ist.

Auf offener Straße angefeindet

Wie Feuerwehrchef Dirk Kersenbrock mitteilte, sei die Feuerwehr der Gemeinde, auch wenn eine Löschgruppe unter Quarantäne gestellt worden war, einsatzbereit. Welche Löschgruppe betroffen ist, wurde jedoch nicht kommuniziert – zum Schutz der Mitglieder, wie sich nun herausstellt. Wie an Silvia Gonzalez herangetreten wurde, seien Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr auf offener Straße angefeindet worden. „Das geht einfach nicht“, sagt die Leiterin des Ordnungsamts und kritisiert das Verhalten scharf. „Das macht mir Sorgen“, sagt sie mit Blick auf die immer drastischer steigenden Zahlen. „Personen bloß zu stellen, das ist nicht richtig.“

Die Personen, die angesprochen wurden, standen und stehen nicht unter Quarantäne. Alle Personen, die angewiesen sind, in Quarantäne zu bleiben, kontrolliert das Ordnungsamt der Gemeinde regelmäßig, sagt Gonzalez. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes rufen zuhause an oder kommen auch spontan zuhause vorbei und überprüfen, ob sich jeder an die Anordnung hält. Jeder hält sich daran, sagt Silvia Gonzalez. Sie appelliert an jeden einzelnen, sich vernünftig zu verhalten. Das bedeute auch, seine Mitmenschen nicht zu verurteilen.

Personen bloß zu stellen, das ist nicht richtig.

Silvia Gonzalez, Leiterin des Ordnungsamts

Das fordert auch Dirk Kersenbrock. „Man darf nicht pauschalisieren“, sagt der Wehrleiter. Die Personen, die in Quarantäne sind, halten sich auch in der Regel daran. Die Menschen müssen mehr Vertrauen haben, dass sich die Personen auch daran halten. Eine Verurteilung und Bemerkungen im öffentlichen Raum, „das hat niemand verdient“, sagt er.

Der Fall der Feuerwehr ist einer von vielen

In dem entsprechenden Fall sei ein Kamerad „verbal angegangen und zurechtgewiesen worden“, wie es auch in einer gemeinsamen Mitteilung der Feuerwehr und der Gemeinde heißt. „Diese Reaktionen haben möglicherweise ihren Ursprung in der Verunsicherung einiger, im Anbetracht der steigenden Fallzahlen der Covid-19-Infektionen. Dies rechtfertigt aber keine Anfeindungen. Nicht gegenüber der Feuerwehr und auch sonstigen Betroffenen gegenüber nicht“, heißt es weiter.

Nach wie vor sollen die Menschen mit ausreichend Augenmaß durch die Umwelt gehen, sagt Kersenbrock im Gespräch mit unserer Zeitung. Die betroffenen Menschen seien schon genug geprägt. „Die Realität zeigt uns, dass es sehr viele sind und auch immer mehr werden.“ Der Fall bei der Feuerwehr Schalksmühle stehe nur exemplarisch für viele andere, die sich in Kitas, Schulen und anderen Vereinen abspielen.

„Lassen Sie uns daher gemeinsam wachsam bleiben, Kontakte reduzieren und Abstand halten – ohne die Stigmatisierung der Betroffenen. Denn diese haben schon genug Sorgen“, sagen Silvia Gonzalez und Dirk Kersenbrock.

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