Werkhof würde gerne in Halver bleiben

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Halver - Sven Keller, Leiter des Werkhofs an der Frankfurter Straße, sieht keinen Alternativ-Standort für das bedrohte Sozialkaufhaus.

Die Einrichtung mit zurzeit 42 Mitarbeitern in den Räumen des früheren Wippermann-Komplexes ist gefährdet durch Expansionspläne des Lebensmittel-Discounters Lidl, der genau diese Flächen für einen Umzug ins Auge gefasst hat. Ein erstinstanzliches Urteil im Prozess zwischen Lidl und dem Märkischen Kreis war zugunsten Lidls ausgefallen. 

„Wir werden Augen und Ohren offenhalten“, kündigt Keller angesichts der Standortfrage an. „Aber wir fühlen uns wohl hier und fühlen uns durch die Kunden bestätigt in dem, was wir anbieten.“ Die Zentralität, fußläufige Erreichbarkeit und Größe der Verkaufs- und Nebenflächen aber könne derzeit kein anderer Standort bieten. 

Aus Kellers Sicht nicht in Frage kommt: 

  • der frühere Aldi-Markt an der Hagener Straße. Mit 700 Quadratmetern Verkaufsfläche wäre er deutlich kleiner als das Wippermann-Gebäude. Der Werkhof müsste dort nicht nur sein Angebot deutlich verkleinern, sondern hätte auch keine Werkstätten zur Verfügung, wo Möbel und Geräte aufgearbeitet werden. Dazu zählt unter anderem eine Schreinerei oder das Recycling von Elektrogeräten, das der Werkhof für die Stadt Halver übernimmt.
  • der Lidl-Markt, ebenfalls an der Hagener Straße. Denn für den Fall, dass Lidl sich durchsetzt und in die Innenstadt umzieht, würde der Discounter keine Unterbrechung des Geschäfts hinnehmen. Das heißt, dass der Verkauf an der Hagener Straße laufen würde, bis der Neubau bezugsfertig ist. Selbst wenn die Möglichkeit bestünde, dass der Werkhof diese Immobilie übernehmen könnte, müsste er für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr den Betrieb schließen, was faktisch das Ende des seit 2006 in Halver laufenden Projekts bedeuten würde. 
  • die frühere Schmiede JungBoucke am Herpiner Weg. Auch dort sieht Keller keine Chance für eine Betriebsverlagerung. Das Insolvenzverfahren sei nicht zu Ende gebracht. Außerdem müsste der Industriekomplex großflächig saniert und umgebaut werden. Die Kosten seien nicht abschätzbar. 

„Lassen uns nicht Bange machen“ 

Pessimistisch ist Keller mit Blick auf die Zukunft des Werkhofs aber nicht. „Wir würden gerne weitermachen und lassen uns nicht Bange machen“, sagt er im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger. Er spüre allerdings die Ungewissheit bei den Mitarbeitern, sowohl beim Kernteam wie auch bei den Kollegen, die als Langzeitarbeitslose über die Tätigkeit im Werkhof wieder für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. 

Sollte der Werkhof tatsächlich schließen müssen, würde dies auch einen Rückschlag bei der Integration von Flüchtlingen bedeuten, mahnt Keller. Viele von ihnen finden an der Frankfurter Straße einen ersten Einstieg ins Berufsleben in Deutschland, lernen über die Arbeit Sprache und Kultur kennen und erwerben soziale Kompetenzen. Die ersten von ihnen hätten bereits Vorstellungsgespräche in heimischen Betrieben absolviert.

Das ganze Thema bewegt die Halveraner.

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