Alleingelassene Patienten klagen singend ihr Leid

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Paraderolle für das „Rheinkabarett“: Christoph Scheeben, Andreas Etienne, Michael Müller und Susanne Galonska (v.l.) spielten die Handlung aus dem Arzt-Roman „Skalpell der Leidenschaft“ live nach. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Eine ordentliche Menge Kabarett, viel Comedy und einige Witze, die auch aus dem Karneval stammen könnten. Aber das passte zu einem Quartett, das sich „Rheinkabarett“ nennt.

Die „Erste Kabarettistisch-Rheinische Koalition“ gastierte am Freitag im Pädagogischen Zentrum der Schule Löh und sorgte mit ihrem Programm „Der Nächste, bitte!“ für einen sehr vergnüglichen Abend.

Die Bonner Andreas Etienne und Michael Müller, die Düsseldorferin Susanne Galonska und der Kölner Christoph Scheeben, das Ensemble des Kabarett-Theaters „Haus der Springmaus“ in der ehemaligen Bundeshauptstadt, überzeugten in vielen Metiers. Als roten Faden hatten sie das Thema Medizin gewählt, und so ließ das Quartett seine Figuren in einem Krankenhaus, der fiktiven „Rheinklinik“, auftreten, aber auch im Behandlungsraum oder im Wartezimmer einer Arztpraxis. Hier offenbarte sich, dass alle vier Akteure hervorragende Sänger sind: Ein Patient, nach der Frage „Sind Sie privat oder Kasse?“ als AOK-Kunde schlagartig von der Ärztin mit einem meterlangen Beipackzettel alleingelassen, klagte singend sein Lied und bewies, dass auch Wörter wie „Acetylsalicylsäure“ sich in die Melodie des Andrea-Bocelli-Hits „Time to say Goodbye“ einbauen lassen.

Neben dem musikalischen bewiesen die Kabarettisten auch schauspielerisches Talent: Christoph Scheeben stellte erst die rhetorische Frage „Wie kann man nur eine Wissenschaft in einer toten Sprache abfassen?“, um dann in eine quietschbunte Patchwork-„Toga“ gehüllt, zu deklamieren wie er als antiker Herrscher „Morbus aus dem Geschlecht der Hämorrhiden“ von den bösen Adoptiv-Brüdern „Bizeps und Trizeps“ vom Thron gedrängt worden war. Er hatte auf seinen Reisen den „Gesängen der Migräne“ widerstanden, war mit dem „Götterboten Herpes“ durch die „Schluchten der Cellulite“ geflogen und hatte schließlich in der „Schlacht bei den Bronchien“ seinen Thron zurückerlangt.

Noch besser war aber der live gespielte, übertrieben kitschige Arzt-Roman „Skalpell der Leidenschaft“: Andreas Etienne tippte die Geschichte auf einer Schreibmaschine, während Scheeben als intigrierender Chefarzt der „Rheinklinik“, Michael Müller und Susanne Galonska als Assistenzärzte die Handlung mit wenigen oder auch ohne Requisiten nachspielten. Unter Mitwirken Etiennes, der die verschrobene Oberschwester gab, kam es zum Happy End. So musste sich „Assistenzarzt“ Müller schließlich nach einer 16-Stunden-Schicht um die greinende Tochter kümmern, tat mit leeren Händen so, als würde er das Baby wiegen oder ihm den Schnuller geben, während Kollege Scheeben hinter der Bühne Kinderweinen und andere Geräusche nachmachte – einfach großartig gespielt.

Der Kölner Scheeben gab zudem als „Running Gag“ einen Alleinunterhalter, der abgestandene Arzt-Witze erzählt. Diese Unsitte trieben ihm seine drei Kollegen mittels einer Reise im Raumschiff „USS Aesculap“ schließlich aus, nicht ohne überraschende Feststellungen zu machen: „Nach meinen Berechnungen müssten wir mitten im Hirn sein – hier ist nichts!“ Nach vielen Anspielungen an das „Raumschiff Enterprise“ wie „Energie!“ und „Auf den Schirm!“ war Scheeben von den Arzt-Witzen geheilt und der Weg frei für Abschluss-Medley und musikalische Zugabe. ▪ axk

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