33-Jähriger muss für 14 Monate ins Gefängnis

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Bei einer Trunkenheitsfahrt auf einem Fahrrad war der Angeklagte mit mehr als 2,2 Promille unterwegs.

Schalksmühle/Lüdenscheid - Keine vernünftige Lebensperspektive konnte sich ein 33-jähriger Algerier in Schalksmühle aufbauen: Keine Sprachkenntnisse, keine Arbeit – stattdessen exzessiver Alkoholkonsum und eine Vielzahl von Straftaten.

Richterin Kristina Thies sah im Amtsgericht Lüdenscheid angesichts dieser Situation keinerlei Anlass zu einer günstigen Sozialprognose und schickte den Angeklagten wegen sechs Diebstählen, Hausfriedensbruch und einer Trunkenheitsfahrt auf einem Fahrrad für 14 Monate ins Gefängnis. 

„Bewährung?“, fragte die Richterin den Angeklagten und erläuterte, was das heißen würde: „Dann sitzen Sie wieder in Ihrer Wohnung und trinken Schnaps.“

Hinsichtlich der Taten zeigte sich der Angeklagte weitgehend geständig: Einen mit Bekleidung im Wert von knapp 580 Euro gefüllten und ebenfalls bei TKMaxx in Lüdenscheid gestohlenen Reisekoffer übernahm er von einem Mittäter. Die Warensicherung am Ausgang hielt ihn zurück. 

Bei einer Zugfahrt von Schalksmühle nach Lüdenscheid klaute er einer Zeugin die Geldbörse mit 200 Euro aus der Hosentasche. Andere Fahrgäste beobachteten den Diebstahl und veranlassten eine zeitnahe Fahndung.

Haarfärbemittel mitgehen lassen 

Den Kaufpark in Schalksmühle suchte der 33-Jährige mehrfach auf. Als er am 7. Juni ein Haarfärbemittel für 8,79 Euro mitgehen lassen wollte, war ihm zuvor bereits ein Hausverbot erteilt worden. Strafrechtlich am schwersten wogen zwei Diebstähle im Sterncenter Lüdenscheid: Zwar war ein 40 Zentimeter langer Schuhanzieher nur 4,95 Euro wert, und zwei Brötchen plus Kaffee hätten bei Backwerk 7,89 Euro gekostet. Doch der Angeklagte hatte beide Male ein Einhandmesser dabei. 

Die beiden Taten wurden deshalb als zwei Diebstähle mit Waffen abgeurteilt – sie schlugen in der juristischen Endabrechnung mit Einzelstrafen von je acht Monaten zu Buche. Wenig Zweifel gab es daran, dass der Angeklagte bei allen Taten stark alkoholisiert war. 

Nach der Trunkenheitsfahrt auf einem Fahrrad durch Schalksmühle wurde eine Blutprobe entnommen: Ihre Analyse ergab einen Wert von 2,29 Promille. Die Richterin fragte nach, wie es mit dem Alkohol ausschaue. „Ich kriege das nicht geheilt“, klagte der 33-Jährige und schob die Verantwortung für seine elende Lage ein Stück weiter: „Ich habe diese Frau kennengelernt, und sie trinkt jeden Tag.“

„Wie viel Strafe kriegt mein Freund?“

 „Diese Frau“ hatte auch eine Frage, bevor sie wieder aus dem Gerichtssaal entschwand: „Wie viel Strafe kriegt mein Freund?“ Als sie später vor dem Saal das Urteil hörte, bemerkte sie ungerührt, dass er nunmehr wohl bald abgeschoben werde. 

Da der Angeklagte wegen vorangegangener Straftaten bereits aus dem Gefängnis ins Gerichtsgebäude gekommen war, fragte die Richterin nach: „Wie war es denn im Knast?“ Nach und nach gehe es ihm besser, lobte der 33-Jährige den kalten Entzug. „Das Medikament ist gut.“

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