Intensive Bejagung von Wildschweinen notwendig

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Dirk Vedder (rechts) und Thimo Lückmann vom Hegering Schalksmühle-Hülscheid zeigen die Schäden durch Wildschweine an der Koppel am Klagebach. Solche Schäden sind ein Anhaltspunkt für die Größe der Bestände.

Schalksmühle - An der Pferdekoppel an der Klagebach hat vor kurzem eine Wildschweinrotte ganze Arbeit geleistet. Große Teile der Wiese sind aufgebrochen und durchwühlt. „Wir sehen anhand von Wildschäden, wie die Bestände sich entwickeln“, sagt Dirk Vedder, Vorsitzender des Hegerings Schalksmühle-Dahlerbrück. Die Schäden liefern somit auch einen Anhaltspunkt für eine intensivere Bejagung, die laut Hegering notwendig ist, um der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen.

„Hier gibt es noch keine Fälle und wir hoffen, dass das auch so bleibt“, sagt Vedder. In Belgien gab es 60 Kilometer von der deutschen Grenze allerdings schon Fälle, womit die gefährliche Seuche sich nicht nur wie ursprünglich von Osteuropa her, sondern nun auch von Westen ausbreiten könnte. „Die Inkubationszeit beträgt mehrere Tage, in denen die Tiere wandern und so kommen große Reviersprünge zustande“, sagt auch Thimo Lückmann, beim Hegering zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Wegen der Wanderungen lassen sich auch die Bestände vor Ort schlecht beziffern. Wo die Wildschäden auf große Schwarzwildbestände hinweisen, versuche man sie zu reduzieren. 

Intensive Bejagung von Wildschweinen 

Die Bestände auf ein beherrschbares Maß zu reduzieren sei schwierig, und sei nur durch intensive Bejagung möglich. So versuche man, revierübergreifende Jagden zu organisieren, sich in mehreren Revieren zusammenzuschließen und nach einem strikten Ablauf zeitgleich zu jagen. Im Jagdjahr 2017/18 wurden bei Jagden im gesamten Märkischen Kreis 3000 Stück Schwarzwild erlegt. „Das ist eine absolute Rekordstrecke, die hat es so noch nicht gegeben“, so Dirk Vedder. Es zeige aber, dass die intensive Bejagung zum Erfolg führe. „Wir müssen unseren Beitrag leisten, um die Bestände in den Griff zu bekommen.“ 

Es sei zwar von steigenden Beständen die Rede, sagt Vedder. „Unserer Meinung nach sind die Bestände dort gesunken, wo ordentlich gejagt wurde und die Bestände auf ein ordentliches Maß reduziert wurden.“ „Im letzten Jagdjahr wurden in Schalksmühle 150 Schweine geschossen“, sagt Vedder. Das ist höher als der Durchschnitt in den Jahren davor. Auch im aktuellen Jagdjahr habe man bei zwei Jagden in den vergangenen 14 Tagen im Bereich des Hegerings Schalksmühle-Hülscheid fast 20 Schweine zur Strecke gebracht. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis.“ 

Wirtschaftliches Risiko für Schweinehalter 

Die Wildschweine richten auf den durchwühlten Wiesen und Äckern große wirtschaftliche Schäden für die Besitzer an, sagt Vedder. Aber die möglichen Schäden durch eine Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest sind noch größer. Folglich stellt die Seuche auch eine große Gefahr für die 112 Betriebe mit rund 47 000 Hausschweinen dar, die es im gesamten Märkischen Kreis gibt. Dass es in Schalksmühle nur zwei bis drei sind, sei für die Eindämmung der Krankheit nicht maßgeblich, erklärt Lückmann. „Bei Auftritt eines Falls müssen in einem Schutzbereich von 30 Kilometern Umkreis um einen betroffenen Betrieb alle Schweine gekeult werden. Das ist ein großer wirtschaftlicher Schaden für die Betriebe.“ Innerhalb eines solchen Bereichs würde dann alles getan, um die Krankheit einzudämmen, durch Auto-Schleusen etwa, in denen Fahrzeuge dekontaminiert werden, ebenso durch die intensive Säuberung von Kleidung. 

„Was da passieren würde, wäre ein riesiger logistischer Aufwand“, so Vedder. Es gebe zwar Dekontaminationskonzepte, diese seien mit den vorhandenen Ressourcen aber schwierig umzusetzen. Zu den Erkenntnissen und Erfahrungen, die zuletzt in Belgien und davor in Osteuropa im Umgang mit der Seuche gesammelt wurden, soll es Informationsveranstaltungen mit dem Kreisveterinäramt geben, sagt Vedder. Außerdem gebe es Gespräche darüber, welche vorbeugenden Maßnahmen man auf Grundlage der Erfahrungen aus dem Ausland hierzulande treffen könnte. Es gebe etwa Prüfungen, ob man so genannte Konfiskat-Behälter aufstellen könnte, in die Schweinekadaver sofort gebracht werden können, um sie dann abzutransportieren.

Kadaverfund sofort melden 

Vorbeugen kann auch jeder, indem Fleisch- und Wurstwaren vernünftig entsorgt werden, sodass Wildtiere nicht daran kommen, sagt Lückmann. An Autobahnen gibt es bereits verschließbare Abfalltonnen aus ebendiesem Grund. „Das Virus ist sehr widerstandsfähig und hält sich sehr lange. Auch im Verarbeitungsprozess wird es nicht zerstört.“ Wegen der hohen Resistenz des Virus sollte man also Abstand halten, wenn man einen Wildschweinkadaver findet, auch wenn das Virus für den Menschen selbst nicht gefährlich ist. „Man sollte den Kadaver auf keinen Fall berühren oder nah herangehen“, sagt Lückmann. Denn das könne schon zur Kontaminationsverschleppung führen. Man sollte den Fund aber sofort melden, bei der Polizei, dem zuständigen Jäger oder beim Kreisveterinäramt.

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