Pate ist sauer

„Das ist Hohn“: Ärger um Kreisverkehr an der A45

Christoph Borchert war zwölf Jahre lang der Mann, der hinter der Pflege des Kreisverkehrs an der A45 steckte. Das ist jetzt vorbei. Die Gemeinde behauptete, der Schalksmühler habe aufhören wollen und den Kreisel unordentlich hinterlassen. Das lässt der Garten- und Landschaftbauer nicht auf sich sitzen
+
Christoph Borchert war zwölf Jahre lang der Mann, der hinter der Pflege des Kreisverkehrs an der A45 steckte. Das ist jetzt vorbei. Die Gemeinde behauptete, der Schalksmühler habe aufhören wollen und den Kreisel unordentlich hinterlassen. Das lässt der Garten- und Landschaftbauer nicht auf sich sitzen.

3000 Stauden, 10 000 Tulpen und Narzissen, mehrere Zehntausend Euro. Schätzungsweise. Das ist ein Teil der zwölfjährigen Geschichte des Kreisverkehrs an der A45, die Christoph Borchert geschrieben hat. Das Ende der Geschichte aber, sagt der Schalksmühler, wurde von der Gemeinde falsch dargestellt. Der 43-Jährige ist sauer und bittet um Richtigstellung. Jetzt kommt noch mehr raus.

Schalksmühle - Zunächst zurück ins Jahr 2008: UWG-Ratsherr Erhard Fischer setzt sich für den Kreisverkehr an der A45 ein. Er sei eine „Visitenkarte für die Gemeinde“ und müsse gepflegt werden; etwas hermachen. Fischer gewinnt Christoph Borchert für die Pflege des Kreisels mit einer Fläche von rund 400 Quadratmetern. Besonders freut sich das Ratsmitglied darüber, dass ein Ilex gepflanzt wird – die Blätter der Stechpalme sind im Wappen von Schalksmühle abgebildet.

Christoph Borchert hat einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Er ist ein Profi. Er pflegt den Kreisel, gießt die Blumen und Gewächse und pflanzt immer mal wieder etwas Neues mit seinen Mitarbeitern und den passenden Maschinen. Zwölf Jahre kümmert sich Christoph Borchert um den Kreisverkehr. Bis Januar 2020. Dafür darf er Schilder aufstellen. An drei der vier Ausfahrten macht er Werbung für sein Unternehmen. Im Umkehrschluss wird Borchert bekannter. Daraus macht er kein Geheimnis. Er hat viele Kunden gewonnen. Die Arbeit hat sich gelohnt, keine Frage, sagt der 43-Jährige.

Kreisel Thema in Politik

Der Kreisverkehr wird Thema in der Politik. Die UWG will wissen, was mit der „Wüste“ an der Autobahn passiert. Die Gemeinde kümmert sich, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg. In einem Gespräch im Nachgang mit Ralf Bechtel, Fachbereichsleiter, wird klar, dass sich erstmals der Bauhof kümmern müssen wird, denn es gibt derzeit noch keinen neune Paten. Der bisherige hat aufgehört, sagt Bechtel. Eine „Wüste“ sei der Mittelpunkt an der Kreuzung nur, weil der Pate einige Pflanzen herausgeholt hat – hinterlassen hat er eine Landschaft, die aussieht, als seien Wildschweine durchgegangen.

Von Christoph Borchert war die Rede, ohne seinen Namen zu nennen. Er meldete sich auf die Berichterstattung in der Redaktion und sagte: Er hat nicht aufhören wollen. Stattdessen hat die Gemeinde die Zusammenarbeit beendet. Das belegt ein Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Der Brief kam am 22. Januar 2020 als E-Mail. Zukünftig werde sich die Gemeinde um die Pflegearbeiten kümmern, heißt es darin. Borchert wird gebeten, seine Werbeschilder zu entfernen.“ Grund für diese E-Mail war die Information, dass Borchert die Pflege beenden wollen würde. Gesprochen hat man aber nie zusammen darüber, sagt Borchert. Trotzdem reagierte er im Januar 2020 sofort auf die E-Mail – sechs Minuten später – und schrieb: „Ihre Informationen sind falsch. Ich war nur zwischenzeitlich am überlegen, ein Pflegeunternehmen zu beauftragen.“

Ralf Bechtel erklärt, Erhard Fischer, der ehemalige UWG-Ratsherr, habe diese Aussagen von Borchert selbst erhalten und die daraufhin der Gemeinde mitgeteilt – weil Fischer nach wie vor möchte, dass der Kreisel als Visitenkarte gepflegt ist. Erhard Fischer, heute 77 Jahre alt, bestätigt das im Gespräch. Christoph Borchert wollte sich beruflich verändern, hätte daher weniger Personal und nicht mehr die nötigen Maschinen. Denn: Borchert ist mittlerweile Sachverständiger für Spielplätze und Bäume.

Der Pate hat keine Chance mehr

So oder so: Das Thema ist durch. Für Ralf Bechtel und die Gemeinde. Weil auch schon vor Januar 2020 aufgefallen war, dass der Kreisel nicht mehr ordentlich gepflegt wurde. Die Information, die Bechtel erhielt, passte ins Bild. „Es war die Initialzündung. Er hat stillschweigend seine Absprache nicht mehr eingehalten.“ Aber weiterhin die Werbeschilder stehen lassen. Die Schilder flexte der Bauhof wegen Nichteinhaltung der Fristen im Herbst 2020 ab. Borchert habe, ohne den Kreisel zu pflegen, Werbung gemacht, sagt Bechtel. Das ganze Jahr 2020 ist nichts auf der Grünfläche passiert.

Stauden, die noch gepflanzt sind, bietet Borchert der Gemeinde „für einen Obolus von rund 800 Euro“ an. Die Gemeinde lehnt ab, hat andere Pläne. Zudem ist das unwirtschaftlich, sagt Bechtel. Die Pflanzen gehören gar nicht mehr Christoph Borchert – rein formaljuristisch gehört alles, was gepflanzt wurde, Straßen.NRW. Borchert aber bekam – des Friedens willen – die Erlaubnis, die Pflanzen herauszuholen. Auch, weil die Gemeinde ohnehin alles neu machen möchte und auf Herbizide verzichten will. Ein Neustart ist ohnehin nötig, sagt Bechtel. Borchert entfernte die Pflanzen vor etwa drei Wochen. Unter anderem Hecken.

Kritik am Spielplatz der Auslöser?

Borchert kritisiert die Kommunikation der Gemeinde und bezeichnet sie als „Hohn“. Einen Blumenstrauß nach zwölf Jahren, sagt der Schalksmühler, habe er nicht erwartet. Aber eine Verdrehung der Tatsachen lässt er nicht auf sich sitzen. Er glaubt, dieses Ende hat einen anderen Grund.

Christoph Borchert hatte 2017 als Spielplatzsachverständiger die Schaukelanlage im Volmepark bemängelt. Ohne Auftrag, einfach aus Pflichtbewusstsein, sagt er. Das Verhältnis von Fallschutz und Schaukelturmhöhe passte auf den ersten Blick schon nicht. Auf den Hinweis reagierte die Gemeinde genervt, sagt Borchert. Er erstellte ein Gutachten und schickte es unentgeltlich der Gemeinde. Denn würde etwas passieren, wäre er als letzter Gutachter haftbar. Das war am 27. Juli 2017. Drei Meter Fallschutz, je anderthalb Meter pro Seite, fehlten. Das Gutachten kam per Post zurück. Mit der Anmerkung, dass man ihn nicht dazu beauftragt hatte und er daher auch keine Vergütung bekomme.

Das bestätigt auch Bechtel. Man habe das Gutachten zwar inhaltlich bearbeitet und die Schaukelanlage umgehend nachgerüstet, aber um eine Vergütung für das nicht beauftragte Gutachten zu umgehen, hat man es offiziell nicht angenommen. „Wir freuen uns immer über Hinweise“, sagt Ralf Bechtel. Die Art und Weise sei nicht in Ordnung gewesen. Aber unterm Strich habe der Spielplatz nichts mit dem Kreisverkehr zu tun.

Gemeinde kümmert sich jetzt selber

Vor wenigen Tagen ist eine Entscheidung im Rathaus gefallen. Jörg Schönenberg und Ralf Bechtel wollen ohne Paten den Kreisverkehr vorerst in Eigenregie pflegen. Über einen Paten würde man sich nach wie vor freuen, aber unabhängig davon werde jetzt im Herbst eine Pflanzung vorgenommen. Ideen sollen noch ausgereift und mit der Politik abgestimmt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare