Konzertabend mit Abstecher in die Highlands

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Robbie Doyle, Adam Costa und Norbert Wehde (von links) begeisterten am Sonntagabend in der Heedfelder Kirche mit Irish Folk vom Feinsten.

Schalksmühle - Mit Irish Folk vom Feinsten, lebhaften Jigs and Reels, verträumten Balladen und kämpferischen Arbeiterliedern fingen Robbie Doyle und seine Band am Sonntag in der Heedfelder Kirche den Zauber der grünen Insel ein.

Von Monika Salzmann

Im Rahmen der Konzertreihe „Die Kleine Musik“ erlebten die Zuhörer mit dem begnadeten Sänger, Tin Whistle- und Bodhranspieler aus Irland – in Berlin hängen geblieben – einen Abend, der träumen, lachen und dahin schmelzen ließ.

An seiner Seite schworen Norbert Wehde (irische Bouzouki und schottischer Dudelsack) und – neu in der Runde – Adam Costa aus Neuseeland (Geige und Gitarre) die sichtlich begeisterten Folkfans auf eine spannende Rundreise durch England, Schottland und Irland ein. „Das war doch mal ein guter Import“, frotzelte Wehde liebevoll über den jungen Fiddler und Sänger, der der alten gälischen Sprache einen festen Platz im abwechslungsreichen Programm des Trios einräumte. In atemberaubendem Tempo ließ der Neuseeländer mit der klaren, ausdrucksvollen Stimme die Finger bei schnellen Tanzstücken über die Saiten fliegen. Sein Instrument: Die Geige des eigenen Großvaters. „Opa kann stolz sein“, sagte Doyle, der bereits zum dritten Mal in Heedfeld zu Gast war.

Mit viel Humor, lustigen (Fantasie-)Geschichten und unbändiger Lust am Spiel würzten die drei Ausnahmemusiker ihre musikalischen Abstecher in die Highlands, aufs Meer, an zerklüftete Steilküsten, zu sanften Hügeln und saftigen grünen Wiesen. Alles, was keltische Folkmusik zu bieten hat, kam beim mitreißenden Rundumschlag des Trios zu Ehren. Vom rauen, windumzausten Shanty („Fire Marengo“), der zum Mitsingen einlud, bis zum schmachtenden Liebeslied, das alle – nur nicht das Herz der Angebeteten – erweichte, reichte das Spektrum sanfter, derber, rhythmischer, feuchtfröhlicher und lebhaft dahinjagender Melodien.

Mal ging die Zeitreise zurück bis zu Turlough O’Carolan (1670-1738), der keltische Musik als reisender Harfner verbreitete. Mal stand Filmmusik bei berührenden Melodien Pate wie bei „Isle of Innisfree“, der Titelmelodie zum John Wayne-Film „The Quiet Man“ aus den 50er-Jahren. Wo immer sich Gelegenheit zum Mitsingen bot, banden die drei sympathischen Künstler ihr Publikum, das begeistert mitmachte, ins Konzert ein.

Seine markante, unverwechselbare Stimme brachte Robbie Doyle bei bekannten Titeln wie dem traditionellen Irish Folk-Stück „Spanish Lady“ ein ums andere Mal ausdrucksstark zur Geltung. Ebenso meisterhaft brachte er seine Flöten zum Klingen.

Den Schalk im Nacken hatte Norbert Wehde, der den „König der Instrumente“ und „Botschafter der Stille“, den schottischen Dudelsack, zum Konzert mitbrachte. „Man empfindet die Stille hinterher ganz anders“, meinte er verschmitzt. Zu Melodien wie „Cullon Bay“ und „Amazing Grace“ entfaltete sein Dudelsack, virtuos gespielt, seinen durchdringenden, besitzergreifenden Klang.

In der Pause durfte ein kühles Guinness als zusätzliche Referenz an Irland und seine Musik nicht fehlen.

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