Abschiebung von vierköpfiger Familie bewegt Schalksmühle

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Die Familie Hassanpour wurde nach Frankreich abgeschoben.

Schalksmühle – Das Schicksal der Familie Hassanpour, die unerwartet nach Frankreich abgeschoben worden ist, bewegt viele Schalksmühler. Uwe Rittinghaus hatte die Situation bekannt gemacht und viel positive Resonanz bekommen.

„Ich bin von vielen angesprochen worden“, erzählt Uwe Rittinghaus vom Netzwerk Flüchtlingshilfe in Schalksmühle, der auf die Abschiebung der vierköpfigen Familie aus dem Iran mitten in der Nacht aufmerksam gemacht hat und zu gängiger Abschiebepraxis nicht länger schweigen möchte. „Viele haben mir gesagt: Sie sprechen mir aus der Seele!“

Durchweg positive Reaktionen

Quer durch alle Schichten seien die durchweg positiven Reaktionen auf die Veröffentlichung des Falls gegangen. „Selbst in der Firma bin ich darauf angesprochen worden.“ Bei zufälligen Begegnungen auf der Straße, telefonisch und per Brief meldeten sich Schalksmühler, aber überraschenderweise auch Bürger umliegender Gemeinden und Städte, denen das Schicksal der gut integrierten Familie nahe ging, bei ihm zu Wort.

„Ich glaube, es war richtig, und ich würde es jederzeit wieder machen“, resümiert der Schalksmühler. Dass er mit seinem Unverständnis über die Abschiebung gut integrierter Menschen nicht allein steht, bestärkt ihn in seinem Wunsch, weiterzumachen und nicht länger nur zuzusehen. „Ich verstehe es einfach nicht“, sagt er. Solche integrierungsbereiten Menschen, noch dazu aus gesuchten Berufen, abzuschieben, während andere bleiben dürfen, sei nicht nachzuvollziehen. „Menschen mit Dreck am Stecken werden hingegen beschützt“, ärgert er sich. Das sei nicht zu akzeptieren.

Ebenso unverständlich sei, dass Fachkräfte aus Drittländern angeworben werden, während die, die da sind, gehen müssen. Wie er erzählt, gingen die Reaktionen der Schalksmühler genau in diese Richtung. Es gehe nicht, dass Menschen nicht menschenwürdig behandelt werden wie im Fall der Familie Hassanpour. „Wir sorgen mit solchem Handeln selbst für Menschen, die schlecht über uns denken.“

Mit Farshid Hassanpour und seiner Familie, die mittlerweile in Frankreich schon wieder in eine andere Unterkunft gebracht worden ist, steht Uwe Rittinghaus noch in engem Kontakt. „Die sind ziemlich verzweifelt“, berichtet er.

Kontakt zur Familie besteht

Zurzeit ist die vierköpfige Familie in einem Zwei-Zimmer-Appartment mit integrierter Küche und einem kleinen WC untergebracht. Um die deutsche Sprache nicht zu verlernen, sprechen die Kinder immer noch Deutsch miteinander. „Wir wollen das nicht verlernen“, hätten sie ihrem Vater erzählt.

Viel Hoffnung haben die Hassanpours, die mit einem französischen Visum nach Deutschland eingereist sind und aus diesem Grund in Frankreich ihren Asylantrag stellen müssen, nicht, dass sie nach Deutschland zurückkehren dürfen. „Farshid denkt eher an andere“, erzählt Uwe Rittinghaus. „Die Eltern haben einen Fehler gemacht, aber die Kinder müssen darunter leiden.“

Die Reaktionen möchte Uwe Rittinghaus sammeln und im Herbst mit nach Berlin nehmen. Mit seiner Sportgruppe fährt er im Herbst in die Hauptstadt und wird versuchen, mit Politikern ins Gespräch zu kommen.

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