Familie aus dem Iran muss nach einem halben Jahr in Schalksmühle wieder weg

Familie abgeschoben - Schalksmühler sind betroffen

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Traurige Abschiebung: Farshid Hassanpour (links) und seine Familie mussten Schalksmühle nach einem halben Jahr verlassen.

Schalksmühle - „Mit jedem, der geht, geht ein Stück von einem selbst.“ Zur gängigen Abschiebepraxis möchte Uwe Rittinghaus, der im April für herausragendes ehrenamtliches Engagement mit dem Integrationspreis des Märkischen Kreises ausgezeichnet wurde, nicht länger schweigen.

Zu tief hat ihn die Abschiebung des Iraners Farshid Hassanpour und seiner Familie, die ein halbes Jahr in Schalksmühle gelebt hat und Teil seiner Sportgruppe war, persönlich getroffen. „Ich habe keine Lust mehr, nichts zu machen und immer zu schweigen“, sagt er. Schließlich habe er den Integrationspreis für die Sportgruppe, für die er ausgezeichnet worden ist, bewusst „in Verantwortung für die, die sich mir anvertraut haben, angenommen“. 

Es würden in Deutschland Milliarden für die Integration ausgegeben – für Wohnung, Sprachkurse, Unterhalt und dergleichen mehr. „Aber die, die friedlich sind und sich integrieren wollen, schickt man weg, während andere bleiben dürfen.“ 

Vater sorgte selbst für den Unterhalt seiner Familie

Farshid Hassanpour sei niemandem zur Last gefallen. Vielmehr habe der hoch qualifizierte Maschinenbauingenieur bei einer Leiharbeitsfirma gearbeitet und selbst für den Unterhalt seiner Familie gesorgt. „Ich war dabei, eine feste Arbeitsstelle für ihn zu finden. Bei einer Anerkennung hätte er beste Perspektiven bei hiesigen Unternehmen gehabt.“ Es sei nicht zu verstehen, dass man Fachleute aus Drittländern holt und die, die da sind und sich integrieren wollen, gehen müssen. 

Auch die Art der Abschiebung macht ihn tief betroffen. „Wie Verbrecher“ sei die Familie nachts um 2 Uhr aus dem Bett geholt und mitgenommen worden. „Dabei hatte Farshid im Vorfeld darum gebeten, dass eine Abschiebung, wenn sie denn unumgänglich sein sollte, wegen der Kinder nicht nachts durchgeführt werden sollte.“ 

Die Familie Hassanpour war regelmäßig im Westfälischen Hof zu Besuch.

Zu sehen, dass „Menschen nicht mehr als Menschen wahrgenommen werden, tut weh“. Man habe ihnen, wie vielen anderen auch, Hoffnung gegeben, eine Wohnung, Arbeit und Schulunterricht für die Kinder – und ihnen dann den Boden unter den Füßen weggerissen. Für die Kinder sei das Erlebte nicht in Worte zu fassen. 

Für die Schwester ist es ein Albtraum

Auch für Farshid Hassanpours Schwester Feryal, die seit 1991 im benachbarten Hagen lebt, ist die Abschiebung ihres Bruders und seiner Familie – noch dazu während eines elterlichen Besuchs aus dem Iran – ein Albtraum. Sie selbst folgte damals ihrem Ehemann im Zuge des Familiennachzugs nach Deutschland. 

Ihr Bruder reiste mit einem französischen Visum, mit dem die Familie schon früher bei der Schwester und Tante zu Besuch war, ein. Diesmal sollte es kein kurzer Besuch, sondern ein Aufenthalt für immer sein. „Das Visum hatten sie bereits vorher.“ 

Französisches Visum war der Fehler

Aufgrund des Visums müssen Farshid Hassanpour, seine Ehefrau Saba und die Kinder Bahar (9) und Yalda (14) ihren Asylantrag nun in Frankreich stellen. „In Deutschland ist ihr Asylantrag nicht bearbeitet worden, obwohl sie niemals französischen Boden betreten haben.“ 

Seit der Abschiebung hält sich die Familie in der Nähe von Metz auf. „Sie waren zuerst in einem Hotel und sind jetzt in einer ehemaligen Notunterkunft für Obdachlose untergebracht.“ Ihre Wohnung in Schalksmühle hatten die Hassanpours bereits liebevoll eingerichtet. Auch die deutsche Sprache bereitete keine Schwierigkeiten mehr – im Gegenteil: Alle sprachen bereits gut Deutsch.

In Frankreich fangen sie wieder bei Null an

In Frankreich fangen alle vier wieder bei Null an. Als Erinnerung an die Gemeinde Schalksmühle, wo die Familie sehr beliebt war und bereits viele Freunde gefunden hatte, überreichte die Sportgruppe Farshids Schwester jetzt Fitnessbänder als Geschenk. Wenn sie ihren Bruder in Metz besucht, wird sie ihm das Geschenk überreichen. 

Wie Ursula Erkens vom Märkischen Kreis auf Nachfrage erläuterte, ordnete das Bundesamt für Migration die Abschiebung an. Damit sind der örtlichen Ausländerbehörde die Hände gebunden. Da in Frankreich ein Visum vorliegt, muss der Asylantrag nach geltendem Recht in Frankreich gestellt werden. „So ist die Rechtsprechung.“

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