Arbeiten an der Volmestraße in Dahlerbrück

Für den neuen Edeka: Ein Stück Firmengeschichte verschwindet

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Abriss bis Ende Januar: Bisher steht das Bruchsteingebäude noch. Lediglich ein kleiner Teil wurde bisher abgerissen.

Dahlerbrück - Mit dem Abriss des ehemaligen Produktionsgebäudes der Firma H. W. Holthaus an der Volmestraße in Dahlerbrück, in dem zuletzt der Dursty-Markt untergebracht war, verschwindet ein alter Industriebau von der Bildfläche. Für den neuen Edeka-Markt soll es bis Ende des Monats Geschichte sein.

Das große Gebäude, das dem Neubau des Edeka-Marktes weichen muss, ist der letzte Rest einer Ambossschmiede, die lange Jahre dasBild der Gemeinde geprägt hat. Schon 1989 wurde ein Teil der Betriebsgebäude abgebrochen. Auch der zum Unternehmen gehörende Teich, auf dem im Sommer Schwäne schwammen, wurde zugeschüttet. Ein Einkaufszentrum und der Sportpark Volmetal – heute Injoy Volmetal – entstanden damals auf dem Gelände. 

Unter Denkmalschutz gestellt wurde das Bruchsteingebäude nicht. Grund genug, sich an die frühere Firma, ihre Gründer und ihre sich im Laufe der Zeit verändernde Produktpalette zu erinnern. Nachzulesen ist die Firmengeschichte in einem Sonderdruck des „Märker“ aus dem Jahr 1957 und einer Publikation, die 1970 zum 200-jährigen Firmenjubiläum erschien. Ausführlich legt Franz Krins darin die Geschichte der vom Freigut Holthausen bei Hülscheid stammenden Freibauern- und Reidemeisterfamilie Holthaus und die langjährige Geschichte ihres Unternehmens dar. 

Hinter der Firma befand sich früher ein Teich.

Danach legte Hermann Wilhelm Holthaus (1695 bis 1785) mit dem Erwerb eines Hammerwerkanteils an der in „Concurs“ gegangenen Dahlhauser Hütte den Grundstock des Unternehmens. Der damals mit Johann Hermann Dahlhaus und drei weiteren Käufern geschlossene Kaufvertrag vom 22. Mai 1770 gilt als Gründungstag des Betriebs. Später kaufte die Familie Holthaus weitere Anteile am Hammer hinzu, bevor er 1850 ganz in ihren Besitz überging.

Auszug aus der Firmenchronik 

Erbauer des Fabrikgebäudes an der Volme, das dieser Tage abgerissen wird, war Robert Holthaus (1844 bis 1890), der zugleich erfolgreicher Unternehmer als auch ein Mann des öffentlichen Lebens – unter anderem Mitglied der Gemeindevertretung, der Amtsvertretung, des Kreistages, des Kreisausschusses, des Provinziallandtages und des Provinzialausschusses – war. 

„Das von ihm aufgenommene Fabrikationsprogramm ist von erstaunlicher Vielfalt“, heißt es in der Firmenchronik. „Schüppen und Spaten aller Art, Anker, Ambosse, Gießlöffel, geschmiedete Kuchenpfannen, Schraubstöcke und Achsen in den verschiedensten Ausführungen.“ Von den Schüppen und Schaufeln lässt sich der Name Schüppenburg für das Holthaus’sche Wohnhaus ableiten. Eine Haltestelle, die der Bürgerbus anfährt, heißt bis heute „Holthaus, Schüppenburg“. Nach dem Tod des erfolgreichen Unternehmers führte seine Witwe Maria Catharina Holthaus, geborene Winkhaus, das Unternehmen weiter. Wie viele Arbeiter die Firma zu dieser Zeit beschäftigte, ist nicht bekannt. Aller Wahrscheinlichkeit war Holthaus jedoch ein nach damaligen Begriffen mittelständisches Unternehmen, wie die Gründung einer Firmen-Krankenkasse vermuten lässt.

Die Firma H. W. Holthaus an der Volmestraße.

Im Kriegsjahr 1914 übertrug die Witwe ihren Söhnen Martin und Werner die Firma. Krieg, Inflation und wirtschaftliche Umbrüche stellten das traditionsreiche Unternehmen vor immense Herausforderungen. Änderungen in der Produktion In Folge mussten bisherige Produktionszweige aufgegeben werden. Die Pfannen- und Gießlöffelherstellung – letztes Teilgebiet der einstigen Produktion – wurde 1952 aufgegeben. „Im gleichen Jahre wurden Bäder zum galvanischen Vermessingen von Bandstahl eingerichtet.“ Mit dem Verfahren zum Lackieren von Bandeisen benutzte die Firma neueste Technik auf dem Gebiet der Bandstahloberflächenveredelung. 

Firmenzeichen des Unternehmens, das später von Johann Peter Brune übernommen wurde und Schrauben fertigte, war das dem Pythagoras-Satz nachempfundene rechtwinklige Dreieck mit den dazugehörigen Quadraten auf den Katheten und der Hypotenuse. Nicht verschwiegen sei, dass die Firma Holthaus ab 1831 auch eine Pulvermühle in Glör besaß.

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