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A45-Sperrung: Firmen kämpfen gegen Auswirkungen

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Von: Thilo Kortmann

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Der Lumberg-Lkw fährt täglich nach Cloppenburg.
Der Lumberg-Lkw fährt täglich nach Cloppenburg. © Lumberg

Schalksmühle – Seit Dezember 2021 ist die A45 aufgrund der maroden Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid gesperrt. Das hat auch Auswirkungen auf einige Schalksmühler Unternehmen – vor allem die, die sich im Gewerbegebiet am Ramsloh befinden. Sie äußern sich über die Konsequenzen der aktuellen Zustände.

„Beim Transport haben sich die Zeiten für die Anlieferung und Abholung geändert. Zudem gibt es eine größere Unsicherheit bei Terminzusagen der Speditionsunternehmen“, erklärt Jörn Lindert, Marketingleiter der Firma Spelsberg im Gewerbepark.

Fünf Speditionen sind für das Schalksmühler Unternehmen im täglichen Versand unterwegs. 350 Menschen arbeiten am Standort. Zahlreiche Beschäftigte, sagt Lindert, seien von der Autobahn-Sperrung betroffen, insbesondere die aus Lüdenscheid, Werdohl, Olpe, Plettenberg, Siegen und Dortmund. In einigen Fällen trete deshalb die Homeoffice-Regelung in Kraft, erklärt der Marketingleiter.

Steigerung der Materialpreise um 30 Prozent

Jörn Lindert, Marketingleiter Firma Spelsberg

Auch die gestiegenen Energiepreise wirken sich auf die Firma aus: höhere Transportkosten wegen der Zunahme der Dieselpreise und „eine Steigerung der Materialpreise um 30 Prozent“, fasst Lindert zusammen. Das betreffe Kartonagen, Kunststoffe wie Granulate und mechanische, elektrische oder elektronische Einbauten.

Bei Strom und Gas gibt es ebenfalls Veränderungen, die allerdings erst mit Verzögerungen auftreten werden. Aufgrund langfristiger Vertragsbindungen mit Versorgungsunternehmen seien die Energiepreise bisher nur gering gestiegen, erklärt Lindert. Aktuelle Verhandlungen über Folgeverträge zeigten aber, dass die Kosten sich mehr als verdreifachen könnten.

Auswirkungen haben die Geschehnisse um die Rahmedetalbrücke und die Energiepreise auch auf die Firma Lumberg. Das weltweit operierende Schalksmühler Unternehmen entwickelt und produziert Steckverbinder, Kontaktsysteme und elektromechanische Bauelemente für die Geschäftsfelder Automobil-, Hausgeräte-, Gebäude- und Mobilfunktechnik. Seit 89 Jahren sitzt das Unternehmen mit der Zentrale und dem Werk 1 in Schalksmühle. Dort arbeiten rund 250 Mitarbeiter. Darüber hinaus gibt es Produktionswerke in Cloppenburg, Swiebodzin (Polen) und Dongguan (China).

Meike Schmidt ist geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Lumberg.
Meike Schmidt ist geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Lumberg. © Lumberg

Während sich das Werk 1 in Schalksmühle auf die Metallverarbeitung konzentriert, sitzt im Werk 2 in Cloppenburg vor allem die Kunststofftechnik und die Montage. Dort erfolgt der komplexe Zusammenbau der Metall- und Kunststoffteile. Im Werksverkehr fährt daher täglich ein 40-Tonnen-Lkw um 7 Uhr in Schalksmühle ab und bringt die fertigen Metallteile zur Weiterverarbeitung nach Cloppenburg. „Zu dieser frühen Stunde ist der Verkehr bis zur Auffahrt Lüdenscheid-Nord der A45 mäßig“, erklärt die geschäftsführende Gesellschafterin der Lumberg-Gruppe, Meike Schmidt.

Die Rückfahrt dagegen, ergänzt sie, gestalte sich ganz anders. Diese sei eine Zeit lang ein unkalkulierbares Problem gewesen, doch die Firma habe reagiert und die Route verändert. „Statt die Ausfahrt Lüdenscheid-Nord zu nehmen, was aktuell zu unkalkulierbaren Zeitverlusten von 30 bis 90 Minuten führen kann, verlässt der Lkw nun die A45 in Hagen-Süd und fährt die kalkulierbarere Route über die B54 durch das Volmetal“, sagt Meike Schmidt. Durch die veränderte Ampelschaltung in Rummenohl, hielten sich der Zeitverlust und somit auch die Mehrkosten des Werksverkehrs in Grenzen.

Anders sehe es für die Mitarbeiter aus, die südlich von Lüdenscheid – etwa in Kierspe, Herscheid oder Meinerzhagen – lebten, von denen viele über die nun hochfrequentierte Heedfelder Straße nach Schalksmühle fahren müssen. „Hier wird regelmäßig von Pendelzeiten von bis zu 1,5 Stunden statt den sonst üblichen 30 Minuten berichtet“, sagt sie.

Für die tägliche Rückfahrt von Cloppenburg nach Schalksmühle  hat der Lumberg-Lkw extra seine Route geändert, um dem Verkehrschaos der A45-Sperrung zu umgehen.
Für die tägliche Rückfahrt von Cloppenburg nach Schalksmühle hat der Lumberg-Lkw extra seine Route geändert, um dem Verkehrschaos der A45-Sperrung zu umgehen. © Lumberg

Lumberg habe, fügt sie hinzu, deshalb die Vorziehung der Arbeitszeit in der Zentrale auf 6 Uhr früh geprüft, was aber nicht praktikabel sei. Bei der 35-Stunden-Woche der IG Metall würde dies bedeuten, dass die Mitarbeiter unter Berücksichtigung der Pausenzeiten um 13.45 Uhr nach Hause gehen könnten. Schmidt: „Damit wäre der komplette Nachmittag für die internationale Kundenbetreuung aus unterschiedlichen Zeitzonen unbesetzt.“ Für Lumberg nicht akzeptabel.

Auch „split-operations“, bei denen Teams zu unterschiedlichen Zeiten beginnen, seien wegen der Internationalität ebenfalls verworfen worden, merkt sie an.

Klar ist bereits, dass die Preissteigerung für Lumberg siebenstellig sein wird

Meike Schmidt, geschäftsführende Gesellschafterin der Lumberg-Gruppe

Und ein weiteres gravierendes Problem belastet die Schalksmühler Firma. „Als stromintensiv produzierendes Unternehmen wird Lumberg von den gestiegenen Energiekosten stark betroffen sein“, erklärt sie und fügt hinzu, dass trotz längerfristiger Lieferverträge die Kostensteigerungen bei Anschlussverträgen voll durchschlagen.

„Klar ist bereits, dass die Preissteigerung für Lumberg siebenstellig sein wird“, erklärt die Geschäftsführerin, und fügt hinzu, dass fast jeder Transport-Dienstleister heute deutliche „Energiekosten-Zuschläge“ über die vereinbarte Frachtrate hinaus verlange und zusätzlich die Preise bei Luft-, See- und Lkw-Transporten stiegen, was der brummenden Wirtschaft und den einhergehenden knapp gewordenen Kapazitäten auf dem Weltmarkt geschuldet sei.

Lumberg versuche, die gestiegenen Einkaufspreise für Energie und Frachten mit Preiserhöhungen der Fertigerzeugnisse zu kompensieren, erklärt Meike Schmidt.

Sperrung wirkt wie ein Brandbeschleuniger

„Die Brückensperrung wird aber auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen“, sagt sie und ergänzt: „Fachkräfte aus den Regionen südlich von Lüdenscheid werden sich genau überlegen, ob sie einen potenziellen Arbeitsplatz jenseits der Brücke annehmen.“ Ein Zulieferer aus dem Raum Hagen habe, erklärt Schmidt, bereits seine Produktion in Teilen einstellen müssen, weil Mitarbeiter auf Grund der gestiegenen Anfahrtszeiten gekündigt haben.

Katastrophal wirkt sich die Sperrung der A45 auf die Firma Kaiser am Ramsloh aus. „Neben den sowieso schon vorhandenen Preissteigerungen bei Transport und Logistik, wirkt die Sperrung der Brücke wie ein Brandbeschleuniger. Den erhöhten Aufwand, um Lüdenscheid anzufahren, lassen sich die Logistikunternehmen selbstverständlich bezahlen“, erklärt Vivien Bienlein-Steffens, Marketing-Mitarbeiterin der Firma Kaiser.

Die Situation spitzt sich von Tag zu Tag zu

Vivien Bienlein-Steffens, Marketing-Mitarbeiterin der Firma Kaiser.

Durch die Staus und die verlängerten Anfahrten, sagt sie, komme es immer wieder zu Verzögerungen. Es sei auch schon so weit, dass sich Spediteure umorientieren und die Region Lüdenscheid nicht mehr anfahren. Es werde schwieriger, Transportkapazitäten zu bekommen.

„Die Situation spitzt sich von Tag zu Tag zu“, sagt die Kaiser-Mitarbeiterin zu den enormen Belastungen, die sich auch auf die rund 300 Mitarbeiter auswirken. Diese müssten bis zu 60 Minuten längere Fahrzeiten auf sich nehmen, fügt sie hinzu.

Neben dem Brücken-Problem spürt das Unternehmen Kaiser auch die Erhöhungen der Energiepreise. „Wir haben eine Steigerung der Energiekosten in nicht gekanntem Ausmaß erfahren. Auch wir kommen nicht darum herum, einen Großteil der gestiegenen Kosten in Form von Preisanpassungen an den Markt weiterzugeben“, sagt Vivien Bienlein-Steffens weiter.

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