Ehrenmord-Prozess in Hagen

A45-Mord: Staatsanwalt fordert lebenslange Haft

[UPDATE 18.50 Uhr] SCHALKSMÜHLE/HAGEN - Lebenslange Haft für den Hauptangeklagten: So lautet die Forderung der Staatsanwaltschaft im A45-Mordprozess vor dem Landgericht Hagen.

Von Thomas Krumm

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Der A45-Mordprozess ist endgültig auf der Zielgeraden. Nach einer langen Verzögerung durch einen letzten Beweisantrag hielt Staatsanwalt Klaus Knierim am Donnerstag sein Plädoyer. Für den Hauptangeklagten, den „finnischen“ Onkel der getöteten Iptehan A., forderte der Vertreter der Anklage eine lebenslange Haftstrafe wegen gemeinschaftlichen Mordes. Für das gleiche Delikt soll der Bruder der Getöteten eine Jugendstrafe von sechs Jahren und neun Monaten bekommen. Er war dem Druck des Onkels ausgesetzt“, argumentierte der Staatsanwalt und schloss sich dem Urteil des psychiatrischen Gutachters an, der davon ausgegangen war, dass der zum Tatzeitpunkt 16-Jährige in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt war.

Dass die Mutter und deren Bruder, der „deutsche“ Onkel der Getöteten, in die Mordpläne eingeweiht waren, sei zwar weiterhin „sehr wahrscheinlich“. Dass es so war, habe sich vor Gericht aber nicht mit hinreichender Sicherheit nachweisen lassen, sagte der Staatsanwalt. Er forderte deshalb Freispruch für den 49-Jährigen und eine Verurteilung von Iptehals Mutter lediglich wegen einer Falschaussage vor Gericht. Diese hatte im ersten A45-Prozess behauptet, dass sie ihre Tochter „nicht beschimpft, nicht beleidigt und nicht bedroht“ habe. Zahlreiche Zeugenaussagen belegten das Gegenteil.

Staatsanwalt Klaus Knierim nannte den 51-jährigen „finnischen“ Onkel als denjenigen, der vermutlich die tödlichen Schüsse auf Iptehal abgegeben habe. Sein Aufenthalt in Deutschland zum Tatzeitpunkt sei ansonsten schwer zu begründen. Dazu kam noch etwas Anderes: „Er war der Einzige, der geflüchtet ist“, stellte der Staatsanwalt fest und schilderte noch einmal den Fluchtweg des 51-Jährigen über Amsterdam und die Türkei nach Syrien. Von dort kehrte der finnische Staatsbürger über Moskau nach Finnland zurück, von wo er am 9. November 2012 nach Deutschland ausgeliefert wurde.

Der Staatsanwalt schloss zwar nicht aus, dass Iptehals Bruder die tödlichen Schüsse abgegeben haben könnte. Dieser hätte für einen Mord an seiner Schwester die Unterstützung des Onkels aber gar nicht gebraucht, argumentierte Knierim. Angesichts eines gemeinsamen Tatplans komme es für eine Verurteilung aber nicht darauf an, wer die Schüsse abgegeben habe. Der Prozess wird am 10. Juli ab 9 Uhr im Landgericht Hagen mit den restlichen Plädoyers fortgesetzt.

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