Fatale Liebe im Seniorenheim

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Ein Schalksmühler nutzte die Liebe einer 71 Jahre alten Seniorin schamlos aus. 

Schalksmühle - In seine Wohnung wird ein 56-jähriger Schalksmühler vorerst nicht zurückkehren können: Er kam bereits am Donnerstag aus dem Gefängnis ins Amtsgericht Lüdenscheid und kassierte dort eine weitere Haftstrafe von 18 Monaten.

Zu Beginn hatte die Geschichte zwischen dem Angeklagten und einer 71-jährigen Bewohnerin des Seniorenheims Weststraße in Lüdenscheid einen trügerischen Glanz: „Es hat mir gefallen, dass er mir den Hof gemacht hat“, erklärte sie im Gerichtssaal. „Es ist noch nie vorgekommen, dass einer ‘Sonnenschein’ zu mir sagt.“ Und so bat sie den damaligen Mitarbeiter des Seniorenheims, der von der Arbeitsagentur dorthin vermittelt worden war, um einen Gefallen: Sie brauchte Bargeld, gab ihm ihre EC-Karte und PIN-Nummer und wartete vergeblich auf die abgehobenen 200 Euro. Auch die EC-Karte kam nicht zurück. Stattdessen nutzte der Angeklagte die Karte, um viermal an verschiedenen Geldautomaten Beträge abzuheben – insgesamt 2295 Euro. 

Ein Mitarbeiter ihres Geldinstituts machte die 71-Jährige auf die zunächst merkwürdigen Geldbewegungen aufmerksam: „Was ist mit Ihrem Konto los?“ Mag sein, dass die damals schmerzmittelabhängige Zeugin nicht die Kraft hatte, den Angeklagten zur Rede zu stellen oder aus anderen Gründen davor zurückschreckte. 

Schmuck und Geld geklaut

Als er auch noch ihren Schmuck einsammelte und sich telefonisch darüber beklagte, dass er nur wenig Geld dafür bekommen würde, war sie bereits im Bilde: „Ich wusste, dass er den Schmuck genommen hatte.“ Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe und behauptete, dass das Geld für die gemeinsame Anschaffung eines Autos bestimmt gewesen sei. „Er wollte sich ein Auto anschaffen“, korrigierte die Zeugin und brachte den tatsächlich zustande gekommenen Autokauf mit dem Verschwinden ihres Geldes zusammen. 

Der Autokauf des Angeklagten führte zu weiteren Straftaten: Dreimal war er in der Folge ohne Fahrerlaubnis unterwegs, zweimal davon mit einem Blutalkoholwert um die zwei Promille – im Zustand absoluter Fahruntüchtigkeit also. Bei diesen Fahrten gab es angesichts der Beweislage kaum etwas zu leugnen. 

„Wenn Sie im Knast sterben, sind Sie selber schuld!“

Richter Thomas Kabus wunderte sich, dass der Angeklagte, der seine begrenzte Lebenserwartung ins Spiel gebracht hatte, mit seiner Freiheit derart gedankenlos umgehe. Er habe nochmal Freude am Autofahren haben wollen, sagte der 56-Jährige. Und: „Ich wollte komplett weg, weil ich nicht wusste, wie lange ich noch habe.“ Seine Fahrerlaubnis war dem Angeklagten nach einer Trunkenheitsfahrt mit anschließendem Unfall schon in den 80er-Jahren entzogen worden. Das hatte ihn aber offenbar nie davon abgehalten, sich immer wieder hinters Steuer zu setzen. Von den 35 Vorstrafen rührte eine stattliche Anzahl aus diesem Verhalten. 

Betrug, Körperverletzungen, Diebstähle und eine Vergewaltigung hatten jahrelange Haftstrafen zur Folge. Richter Thomas Kabus konnte nicht verstehen, warum jemand mit einer absehbar begrenzten Lebensdauer seine Freiheit nun erneut weggeworfen hatte. Nach dem Urteil wegen vierfachen Computerbetrugs, Diebstahl und dreimaligen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verabschiedete sich der Richter mit ungewöhnlich scharfen Worten: „Wenn Sie im Knast sterben, sind Sie selber schuld!“

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