Urteil am Landgericht

37-facher Missbrauch: Gericht verurteilt dreifachen Vater zu Haftstrafe

+

Schalksmühle/Hagen - Er hat seine Töchter nach Überzeugung des Gerichts missbraucht und sogar in vier Fällen vergewaltigt: Ein 44-jähriger Mann aus Hagen wurde am Dienstag vom Landgericht Hagen zu einer dreizehneinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt.

Knapp unter der Höchststrafe von 15 Jahren blieb die Erste Große Strafkammer des Landgerichts mit ihrem Urteil gegen den 44-jährigen Angeklagten: Die Richter verurteilten den dreifachen Vater zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten. 63 Anklagepunkte hatte Staatsanwältin Claudia Kersebaum zum Auftakt des Prozesses vorgetragen. Nach einer prozessökonomischen Verschlankung der Anklage blieben davon immer noch viele übrig. 

Kammer hat "nicht den geringsten Zweifel" an der Schuld

Die Kammer hatte letztlich „nicht den geringsten Zweifel“, dass der Angeklagte seine 2004 und 2005 geborenen Töchter in 37 Fällen sexuell missbraucht und sich dabei auch des schweren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatte. In vier Fällen soll er seine Töchter vergewaltigt haben, was die Kammer mit Einzelstrafen bis zu neun Jahren und sechs Monaten ahndete.

Erste Taten in Schalksmühler Wohnung

Die ersten dieser Taten sollen sich in der ehemaligen Wohnung des Angeklagten in Schalksmühle zugetragen haben. In seiner Urteilsbegründung streifte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz noch einmal das ganze Spektrum an sexuellen Handlungen, die der Angeklagte auf verschiedene Weisen erlangte – etwa die Rückgabe eines Handys oder die Aufhebung eines Hausarrests. 

Eine sichergestellte Zettelwirtschaft mit „sexualisierten Anweisungen“ des Vaters dokumentierte dessen Druck auf seine Töchter. Als letzte Zeugin hatte eine aus Hamburg angereiste Schriftsachverständige die darin enthaltene Handschrift mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ dem Angeklagten zugeordnet. Darüber hinaus gab es weitere Indizien bis hin zu DNA-Spuren des Angeklagten, die bei Untersuchungen einer seiner Töchter gefunden worden waren. 

Übergriffiger Vater als "das kleinere Übel"

Der Vorsitzende nannte auch einen Grund, warum die Kinder letztlich immer wieder in die „Höhle des Löwen“ – ihres Vaters – zurückkehrten: Weil sie im „desaströs“ organisierten Haushalt ihrer Mutter mit zahlreichen Geschwistern aufwuchsen, sei der Haushalt ihres Vaters für sie „das kleinere Übel“ gewesen. Dort sei zumindest ihre Grundversorgung gesichert gewesen. 

Auch die Mädchen, deren Aussagen die Kammer in Übereinstimmung mit der psychologischen Gutachterin als sehr glaubwürdig einschätzte, schilderten in ihren Vernehmungen offenbar die positiven Seiten des Lebens mit ihrem Vater. Nur die sexuellen Übergriffe seien zu viel gewesen. 

Richter widerspricht Verteidiger

Der Vorsitzende widersprach den Bemühungen des Verteidigers, den Angeklagten als fürsorgenden Vater darzustellen, dem solche Taten deshalb gar nicht zuzutrauen seien. Die Kammer habe bei ihrer Arbeit mit Sexualstraftätern andere Erfahrungen gemacht. 

Weitere Einzelheiten aus dem Plädoyer des Verteidigers wurden nicht bekannt, da die Öffentlichkeit von den Plädoyers aus Opferschutzgründen ausgeschlossen war. Gemeinsam mit dem Angeklagten hatte er im Laufe des Prozesses aber immer wieder die Leistungen des Vaters hervorgehoben und das Chaos im Haushalt der Mutter beschworen. 

Der Angeklagte nahm das Urteil scheinbar gefasst entgegen. Als weiteres Rechtsmittel bleibt ihm nur noch die Revision, also eine Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare