Zu viele Amphetamine für den Eigenkonsum

Schalksmühle - „Ich bin extra schon aus Lüdenscheid rausgezogen, um ein bisschen Abstand zu haben“, erklärte am Dienstag ein 22-jähriger Schalksmühler im Amtsgericht Lüdenscheid, nachdem ihm die Polizei an seinem alten Domizil den Kühlschrank ausgeräumt hatte.

Denn Amphetamine müssen kühl gelagert werden, um nicht zu verderben und die Beamten fanden davon knapp 30 Gramm mit einem Wirkstoffgehalt, der gerade noch im Rahmen einer „geringen“ Menge lag. Vermutlich nicht gekühlt waren 8,26 Gramm Marihuana – ebenfalls keine Bagatellmenge. 

Der Hinweis darauf, sich selber durch einen Umzug in die vermeintlich weniger drogenträchtige Volmegemeinde schützen zu müssen, war aber auch der einzige Moment, in dem der Angeklagte implizit einräumte, dass er möglicherweise von dem Zeug auch selber „genascht“ hatte. 

Ansonsten schwieg er im Amtsgericht Lüdenscheid, wo er sich am Dienstag wegen des Besitzes und der Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln verantworten musste. Denn es konnte zwar nicht geklärt werden, ob er selber die Drogen weiterverkauft hatte, doch Richter Thomas Kabus sah beim Blick auf die Menge „derart viel, dass das nicht zum Eigenkonsum bestimmt sein konnte“. 

Schuldnerlisten, die die Polizei in der Wohnung sichergestellt hatte, unterstrichen die Vermutung, dass die Ware auch noch weiterverkauft wurde. Tätig geworden war die Polizei, weil sie einen Hinweis bekommen hatte, dass der Angeklagte mit Ecstasy-Tabletten handelte. 

Bei seinem Urteil ging der Richter aufgrund der aufgefundenen Drogenmenge davon aus, dass der 22-Jährige zumindest Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmittel geleistet hatte. Dazu kam der Besitz der nicht unerheblichen Menge. „Das ist kein Kinderkram mehr“, stellte der Richter fest und erinnerte daran, dass die Mindeststrafe für den Besitz einer nicht geringen Menge bei einem Jahr Haft liegt. 

Im Strafmaß von sechs Monaten auf Bewährung war die Menge eingepreist – genauso wie eine Vorstrafe wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln. Der Angeklagte muss außerdem eine Geldbuße von 600 Euro zahlen. Staatsanwältin Ina Pavel hatte zuvor mit ihrem Strafantrag noch erheblich darüber gelegen und eine neunmonatige Bewährungsstrafe sowie 1000 Euro Buße beantragt.

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