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20 Jahre Vielfalt und gute Nachbarschaft im Gerätehaus in Schalksmühle

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Von: Thomas Machatzke

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Tanztee Schalksmühle
Die Arbeiterwohlfahrt hatte nicht nur mit ihren Tanztee-Veranstaltungen im großen Saal Erfolg – für die Awo hat sich der Umzug ins Feuerwehrgerätehaus generell als Glücksfall herausgestellt. Auch andere Veranstaltungen waren in den zwei Jahrzehnten am neuen Ort gut besucht. © Salzmann, Monika

20 Jahre Vereinsarbeit, 20 Jahre Gruppentreffen, 20 Jahre Leben im Feuerwehrgerätehaus in Schalksmühle. Vielfalt und gute Nachbarschaft prägten die Jahre.

Schalksmühle – Wer die Mitglieder des Archivkreises im Heimat- und Geschichtsverein in Schalksmühle bei der Arbeit antreffen will, der hat donnerstags am Vormittag gute Chancen. Und wenn das Unwetter, das den Namen Ignatz bekommen hat, über Schalksmühle zieht, dann kann die Runde im Feuerwehrgerätehaus an der Volmestraße auch mal kleiner ausfallen. Aber Heinz-Georg Hahnel und Elisabeth Jäger haben sich durchgekämpft durch Regen und Wind. Und Wilfried Ruhnke, der die alten Handwerksgeräte und Werkzeuge aus dem Arbeitsleben früherer Generationen in eigenen Räumen hegt und pflegt.

„Im Grunde platzen wir schon wieder aus allen Nähten“, sagt Heinz-Georg Hahnel und lacht. Über die Zeit sammelt sich immer mehr an Exponaten und Erinnerungsstücken. Über die Zeit – das sind an diesem Standort nun 20 Jahre. Vor 20 Jahren ist der Archivkreis im seinerzeit komplett neuen Feuerwehrgerätehaus eingezogen. Genauso wie die Arbeiterwohlfahrt und der Schachclub 1959, der heute nach der Fusion mit den Schachspielern aus Halver den Namen Märkischer Springer trägt, oder kurz MSHS.

Einzug der Feuerwehr

Der Herbst 2001 war ein Herbst der Vereinswanderung in der Gemeindelandschaft. Und bereut haben die Vereine dies nicht, im Gegenteil. Mit dem Einzug der Feuerwehr in dem Gebäude, das eigentlich einmal die Wiege von Schriever Federn gewesen war und danach in einem Depot-Markt Frischwaren, aber auch vieles mehr auf zwei Etagen geboten hatte, hatte sich die Frage gestellt, was aus der oberen Etage werden solle. Bürgermeister Wilfried Köhler hatte aktiv geworben für eine Lösung als Vereinshaus.

„Bei uns ist der Bürgermeister sogar zur Jahreshauptversammlung gekommen, um die Mitglieder zu überzeugen“, erinnert sich Tobias Klampt, seinerzeit 2. Vorsitzender des SC 1959 Schalksmühle/Hülscheid. Für die Schachspieler stellte der Umzug eine besondere Herausforderung dar: Erstmals sollte der Verein eine Art Miete bezahlen, im Grunde eine Nebenkosten-Beteiligung. Kein hoher Betrag. „Aber da waren nicht alle Mitglieder direkt dafür“, erinnert sich Klampt.

Schachspieler finden ein Zuhause

Am Ende aber entschieden sich die Schachspieler dafür, vielleicht auch deshalb, weil sie zu dieser Zeit nach zwei Umzügen in den 90er-Jahren eine wenig heimelige Bleibe in den ehemaligen Sanitärräumen im Untergeschoss der Sporthalle Löh gefunden hatten. Es waren urbane Räumlichkeiten, sonntags bei Wettkämpfen trampelten eine Etage höher Handballer ohne Unterlass über den Schwingboden. An der Volmestraße dagegen wuchs und gedieh der Verein, der nun zwei eigene Vereinsräume und einen großen Spielsaal zur Verfügung hatte. Ab 2006 sollten zwölf Auflagen der Volme-Open im Saal stattfinden. Immer Ende August und über drei Tage, mit Gästen aus nah und fern, teilweise mit mehr als 70 Aktiven. Eines der größten Schachturniere der gesamten Region fand hier seine Heimat. „Die Möglichkeiten hat der Schachclub so vorher nie gehabt“, sagt Klampt, „und über die Miete spricht heute niemand mehr, wir haben den Schritt nie bereut.“

Das Geld, es spielte auch bei der Awo seinerzeit eine Rolle, wenn auch anders als bei den Schachspielern. Die Arbeiterwohlfahrt hatte ja wenige Meter an der Volmestraße ein eigenes Vereinshaus. Hier hatte die Awo getagt, auch jeden Monat die SPD, und an Wochenenden hatten hier private Feiern stattgefunden. Doch das Haus, es war in die Jahre gekommen. „Da kamen ständig Reparaturen dazu, das war ja gar nicht mehr zu bezahlen“, erinnert sich der Vorsitzende Uwe Giese, auch wenn zu dieser Zeit noch Lore und Heinz Zumdick die Awo führten.

Die Awo jedenfalls entschied sich dazu, das alte Haus zu verkaufen und zog ein paar Meter weiter. Auch für sie gab es zwei Vereinsräume, einen Abstellraum, den Saal. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt Giese, „wir sind vielleicht nicht ganz so zentral, wie sich das der eine oder andere wünschen würde, aber die Räumlichkeiten sind in Ordnung. Die Leuten finden zu uns. Tanztee und Feste waren immer gut besucht – bis zur Corona-Pandemie.“

Corona war für die Vereine eine Zäsur

Die Pandemie war für alle Vereine eine Zäsur, noch nachhaltiger als die Zeit ab Herbst 2010, als das gesamte Haus für die Vereine geschlossen wurde. Aus dem Berg waren Steine aufs Dach gefallen, die große Hangsanierung sorgte dafür, dass die Vereine für zwölf Monate Übergangslösungen finden mussten. Erst danach ging es seinerzeit wieder im Feuerwehrgerätehaus weiter.

So ist nun wieder ein Neustart nach den Lockdowns der Pandemie. Die geselligen Runden am Mittwochnachmittag und der Handarbeitskreis der Awo, der sich immer montags trifft, kommen bereits wieder zusammen. „2022 soll dann alles wieder anlaufen“, sagt Uwe Giese. Auch Feste und Tanztees, dazu das Samstagsfrühstück, das die Awo in der Vergangenheit einmal im Monat angeboten hat. Oftmals so lange, bis direkt die Schachspieler mit ihren Jugendturnieren übernahmen. Das Feuerwehrgerätehaus, es ist auch immer ein Haus der Vielfalt und der guten Nachbarschaft gewesen in den zwei Jahrzehnten als Vereinshaus.

Ruhige Nachbarn

Wobei der Heimat- und Geschichtsverein naturgemäß eher der ruhige Nachbar gewesen ist, der von den anderen kaum wahrgenommen wurde. Das Archiv, das nun im Feuerwehrgerätehaus gepflegt wird, hatte bis 2001 seinen Platz im Rathaus gehabt. Am neuen Standort schien der Platz üppig zu sein, aber das hat sich gegeben. Es sind ja viele Exponate dazugekommen. „Aber natürlich haben wir uns durch den Umzug sehr verbessert, im Rathaus unterm Dach war es ja doch etwas beengt“, sagt Bernadine Holthaus, die den Archivkreis des Vereins ehrenamtlich leitet, „durch den Umzug ist es gelungen, auch neue Sammlungen wie die Werkzeug- und die Emaille-Sammlungen unterzubringen.

Die Bürger nehmen das sehr gut an, wir bekommen immer wieder neue Exponate angeboten. Auch die Weggezogenen kümmern sich da immer noch, haben ein richtiges Heimatgefühl mitgenommen.“ Dazu, so Holthaus, habe man im Feuerwehrgerätehaus für jedes Sachgebiet einen Computer installiert, dazu einen Server, auf den jeder zugreifen kann. Der Archivkreis hat sich auch technisch verbessert. Entwicklungen, die durch den Umzug möglich geworden sind. 20 Jahre Feuerwehrgerätehaus – auch für den Archivkreis des Heimat- und Geschichtsvereins ein Grund, dankbar zurückzublicken.

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