Goldener Meisterbrief für zwei Volmestädter

Vor 50 Jahren, im Frühjahr 1965, legten Manfred Metz (links) und Ekkehard Mesch erfolgreich ihre Meisterprüfung ab. - Foto: Schröder

Meinerzhagen - Stolz halten Ekkehard Mesch und Manfred Metz ihren Goldenen Meisterbrief in den Händen. Gedruckt ist das DIN A3 große Dokument, das ihnen nun von der Handwerkskammer Südwestfalen verliehen wurde, auf hochwertigem Papier. Hochwertigkeit hatte für die beiden Maurermeister schon während ihrer Berufslaufbahn oberste Priorität.

Die beiden Meinerzhagener blicken auf eine arbeitsintensive Karriere zurück. Gekleidet sind sie mit Hemd und Jackett: Ein Kleidungsstil, der für beide bis vor wenigen Jahren noch die Ausnahme war. „Auf dem Bau“, so Ekkehard Mesch, „musste die Kleidung in erster Linie funktional sein.“ Der gemeinsame Lebenslauf der beiden 65-Jährigen begann im Jahre 1950 in der letzten Bankreihe der Volksschule: „Wir waren – zumindest was die Körpergröße betrifft – die Größten und mussten daher ganz hinten sitzen“, erinnert sich Mesch. Ihr Lehrer sei ein ehemaliger Offizier gewesen: „Seine Art und Weise hat uns bereits im jungen Alter wichtige Werte vermittelt. Er war sehr streng und gleichzeitig gerecht“, so Mesch.

Fünf Jahre später wagten die damals 15-Jährigen, am 1. April 1955, den Sprung ins Berufsleben. „Mit ordentlich Schiss in der Buchse“ – man sei ja schließlich noch ein Kind gewesen – sei man damals bei der Firma Dittmann zum ersten Arbeitstag erschienen. Los ging es morgens um sieben Uhr: „Wir arbeiteten bis 18 Uhr. Heutzutage sind so viele Wochenstunden für einen Auszubildenden doch unvorstellbar“, sind sich Mesch und Metz einig über die Veränderung im Laufe der Jahre. Auch sei es heute nicht mehr denkbar, „50 Kilogramm schwere Zementsäcke schleppen zu müssen – da käme heute die Berufsgenossenschaft. Heute wiegen die Dinger die Hälfte und sind immer noch schwer. Wir waren harte Burschen“, so Mesch. Die Konsequenzen machen sich im Alter bemerkbar: „Wir haben beide das Kreuz kaputt.“

Nach der Gesellenprüfung trennten sich vorerst die Wege der Schulfreunde. Ekkehard Mesch führte seine Laufbahn als Geselle bei der Firma Dittmann fort, Manfred Metz startete im Baugeschäft seines Vaters Walter. „Bereits mein Großvater Gottlieb war Maurermeister und gründete damals unseren Familienbetrieb“, so Manfred Metz. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Geselle meldeten sich Ekkehard Mesch und Manfred Metz 1964 bei der Meisterschule Eslohe an, um sich dort für ihre Meisterprüfung vorzubereiten. Besonders im Gedächtnis ist beiden die Vorstellung ihres damaligen Lehrers geblieben: „Die Tür ging auf und sofort lag Eis in der Luft.“

Neben einer mündlichen und schriftlichen Prüfung mussten die Titel-Anwärter ein Meisterprojekt präsentieren. Die beiden Meinerzhagener hatten das Losglück für den praktischen Teil ihrer Prüfung auf ihrer Seite: Manfred Metz musste das Konzept für eine Bäckerei mit Ladenfläche, Lagerraum, Garage und Wohnraum für den Eigentümer entwickeln. Mesch fokussierte sich auf eine Reparaturwerkstatt für Motor- und Fahrräder mit Ladenfläche, Ausstellungsraum, Büro und Wohnung. Für den theoretischen Teil, der an zwei Tagen abgefragt wurde, bezogen sie ein Hotel in Arnsberg: „Nach der schriftlichen Prüfung lagen wir, platt wie die Mäuse, in unserem Zimmer. Natürlich machten wir uns große Gedanken, ob wir die Prüfer überzeugen konnten. Zu unserem Glück kam einer der Prüfungsbeisitzer aus Kierspe. Er sagte uns bereits am Abend, dass wir so gut wie durch wären. In die mündliche Prüfung konnten wir daher ein wenig entspannter gehen“, zeigen sich Mesch und Metz noch heute dankbar.

Nach der bestandenen Prüfung trennten sich die Wege der beiden frisch ernannten Maurermeister erneut. Für Ekkehard Mesch ging es zu einer Hochbaufirma in Gummersbach. Wenig später übernahm er in Gummersbach den städtischen Baubetriebshof. Im Alter von 65 Jahren ging er in Rente und ist seitdem im Betrieb seines Sohnes Karsten, der ebenfalls Maurermeister ist, angestellt – „als Knecht“, wie er sich selbst bezeichnet. Manfred Metz kehrte ins Baugeschäft des Vaters zurück, das er bis zu seiner Rente im Jahr 2011 leitete. Privat riss der Kontakt der beiden zu keinem Zeitpunkt ab – sie wohnen lediglich 100 Meter auseinander.

Mit der Auszeichnung verbinden sie neben großem Stolz auch Begriffe wie Kultur und Tradition. Ekkehard Mesch: „Bereits für unsere Großväter war der Meisterbrief ein Beweis für hochqualitative Arbeit. Das ist er auch noch heute.“

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