Zwölftklässler des Gymnasiums beschäftigen sich mit dem 9. November

Der „Zusatzkurs Geschichte“ des 12. Jahrgangs am Evangelischen Gymnasium beschäftigte sich mit einem Projekt zum deutschen Schicksalstag, dem 9. November. Unser Bild zeigt die Teilnehmer mit Kursleiter Dietmar Först bei der Recherchearbeit.

MEINERZHAGEN - Der 9. November ist in der deutschen Geschichte ein besonders markantes Datum. Am Abend des 9. November 1989 öffnete sich im geteilten Berlin die Mauer. Der Weg zur deutschen Einheit war geebnet. Und so wie dieses Datum als ein Tag der nationalen Freude im Gedächtnis bleiben wird, so sehr ist es auch mit dem schändlichsten Kapitel der deutschen Historie verbunden: Die sogenannte Reichspogromnacht bedeutete vor nunmehr 75 Jahren den Beginn des Naziterrors gegen die Juden.

Von Horst vom Hofe

Sich mit der Geschichte des eigenen Volkes auseinandersetzen und damit die Demokratie höher schätzen und besser zu würdigen wissen – das wünschen wir uns von unserer Jugend und speziell vom Geschichtsunterricht an den Schulen. Zum bevorstehenden 9. November hat ein Geschichtskurs am hiesigen Evangelischen Gymnasium ein Projekt gestartet. Sie Zwölftklässler recherchierten in Arbeitsgruppen, was noch alles an diesem markanten Datum in Deutschland geschah – an dem 1989 die Mauer fiel und die Wiedervereinigung ihren Anfang nahm, an dem sich aber auch die Zerstörung jüdischen Eigentums und Lebens in der „Pogromnacht“ von 1938 wieder einmal jährt.

Den Anstoß zu dem bundesweiten Projekt gab eine Aktion der Bundeszentrale für politische Bildung, die dazu aufgerufen hatte, den 75. Jahrestag der Reichspogromnacht für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts zu nutzen und damit zur Demokratieerziehung beizutragen unter dem Motto: „Für Mut und Zivilcourage.“

Herausgekommen bei diesem Projekt am Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen sind unter anderem zwei Beiträge für die MZ: Einer zu den Ereignissen von 1938, und ein anderer zu denen zwanzig Jahre zuvor – als 1918 in Deutschland die erste Republik ausgerufen wurde. Wir werden diese beiden Beiträge am Donnerstag und am Freitag in unserer Print-Ausgabe veröffentlichen.

In einem weiteren Beitrag zum 75. Jahrestag des Novemberpogroms am Samstag schildert die Meinerzhagener Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer die örtlichen Geschehnisse rund um diesen Tag. Auch in der Volmegemeinde entlud sich der staatlich geförderte und gelenkte Hass auf Menschen jüdischer Abstammung. Hier erschienen am Vormittag des 10. November 1938 uniformierte SS-Männer vor dem Haus Zum Alten Teich 2, in dem der jüdische Gemeindevorsteher Nathan Stern wohnte. Dort waren die Kultgegenstände der jüdischen Gemeinde untergebracht. Die Uniformierten drangen ins Haus ein, holten die Kultgegenstände heraus, übergossen diese auf dem Hof mit Benzin un zündeten sie an. Vier jüdische Gemeindemitglieder wurden verhaftet, zwei von ihnen bis Dezember 1938 im Konzentrationslager Oranienburg festgehalten. Wer seine Heimat nicht verließ, wurde im Zuge der Deportationen 1942 in Vernichtungslager verschleppt und ermordet.

An die Opfer der Naziverfolgung erinnern mittlerweile auch die ersten in Meinerzhagen im Juni dieses Jahres verlegten Stolpersteine. Diese von großer öffentlicher Anteilnahme begleitete Aktion der Meinerzhagener Initiative war unter anderem auch der Anstoß zu dem jetzt in Angriff genommenen Schulprojekt am Evangelischen Gymnasium, das vom Kurslehrer Dietmar Först koordiniert und mit Unterstützung seiner Kollegen Ulrich Brüß und Caroline Hügenberg umgesetzt wurde.

„Die beteiligten rund 25 Schülerinnen und Schüler sind mit erkennbar großem Engagement an die Sache herangegangen und haben ihrere Recherchen teilweise auch in der Ferienzeit durchgeführt“, freut sich Först über die gute Resonanz. Großen Eindruck bei den beteiligten Schülerinnen und Schülern hat auch der Vortrag hinterlassen, den Stadtarchivarin Zezulak-Hölzer vor dem Kurs zu den Novemberpogromen 1938 in und um Meinerzhagen am 8. Oktober gehalten hat.

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