Zusammenwachsen in der Pfarrei macht Fortschritte

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Stellten den ersten Pastoralplan der Großpfarrei St. Maria Immaculata vor /von links): Pfarrer Peter-Wilhelm Keinecke und Dr. Gabriele Menger vom Kirchenvorstand, Dr. Kerstin Kregel und Ulrich Jatzkowski vom Pfarrgemeinderat. ▪

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ Am kommenden Sonntag werden in den Messen in Meinerzhagen, Kierspe, Valbert und Rönsahl für die Katholiken der beiden Volmestädte die druckfrischen Exemplare des ersten Pastoralplans der gemeinsamen Pfarrei St.

Maria Immaculata zur Mitnahme bereit liegen. Das umfangreiche Werk lohnt mehr als nur eine flüchtige Durchsicht. „Es ist so etwas wie der rote Faden durch unser Gemeinleben“, verdeutlicht bei der Vorstellung des Pastoralplans die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Kerstin Kregel. Der Pastoralplan soll als Werkzeug den Gemeindemitgliedern bewusst machen, „wie wir Kirche innerhalb unserer Pfarrei jetzt leben und künftig gestalten wollen“, so die Aussage der Verfasser.

Es war die erste große und herausfordernde Aufgabe, der sich die Mitglieder des im November 2009 neu gewählten Pfarrgemeinderates gestellt hatten. Die Erarbeitung eines Pastoralplans als Bestandsaufnahme für den derzeitigen Status der am 24. September 2006 auf Beschluss des Bischofs von Essen aus den zuvor selbständigen Kirchengemeinden St. Josef in Kierspe, St. Maria Immaculata in Meinerzhagen und St. Christophorus in Valbert neu gebildeten Pfarrei St. Maria Immaculata Meinerzhagen-Kierspe nahm rund zwei Jahre intensiver Beratungen und Abstimmungen in Anspruch. Dabei diente als Grundlage eine unter den Gemeindemitgliedern vorgenommene Befragungsaktion. Und auch im weiteren Prozess wurde durch verschiedene öffentliche Veranstaltungen und Konferenzen immer wieder der intensive Kontakt und Dialog zur Gemeinde selbst gesucht und gefunden.

Wenn Weihbischof Franz Vorrath vom Bistum Essen ab dem 20. April seine turnusmäßige und zugleich auch erste Visitation in der neuen Pfarrei durchführt, kann auch er den jetzt fertig gestellten Pastoralplan zur Grundlage seines Kennenlernens und Eintauchens in das vielfältige Gemeindeleben machen. Er wird dabei erfahren, dass manches unter dem neuen gemeinsamen Dach der Pfarrei bereits zusammen gewachsen ist und gut funktioniert. Er wird zugleich aber auch zur Kenntnis zu nehmen haben, dass nach einer von oben verordneten Fusion es noch eines längeren Prozesses bedarf, bis dieses Zusammenleben auch tatsächlich in allen Bereichen auf Akzeptanz stößt.

Pastor Peter Wilhelm Keinecke spricht von „erkennbaren und guten Fortschritten“, die man auf diesem Weg erzielt habe. Dies wird von den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates in der Tendenz bestätigt. Gleichwohl wird es, wie zum Beispiel der stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ulrich Jatzkowski unterstreicht, „auch künftig darauf ankommen, die bewährten Strukturen und Angebote in den einzelnen Ortsbereichen möglichst zu erhalten“.

Dass Kirche vor Ort nicht ohne großes ehrenamtliches Engagement vieler Gemeindemitglieder auskommt, das verdeutlicht die Bestandsaufnahme. Die meisten Angebote basieren auf diesem Einsatz von Helferinnen und Helfer aus der Gemeinde. „Die Ehrenamtler sind die tragende Säule in unserer Pfarrei“, hebt auch Gemeinderatsvorsitzende Kerstin Kregel hervor und kündigt zugleich an, dass die Erarbeitung eines neuen Ehrenamt-Konzepts eine der vorrangigen nächsten Aufgaben des Gremiums sein wird.

Große Herausforderungen stellen sich mit Blick auf gravierende Veränderungen in der Gesellschaft, ausgelöst auch durch den demografischen Wandel. St. Maria Immaculata als eine von jetzt noch 43 Großpfarreien im Bistum Essen repräsentiert zurzeit noch knapp 7800 Katholiken unter etwa 29 000 Andersgläubigen im Bereich der Städte Meinerzhagen und Kierspe. Der Anteil der katholischen Bevölkerung hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Sind bei den 50-Jährigen noch 110 Menschen in einem Jahrgang katholisch, so sind es bei den unter 11-Jährigen nur noch etwa 50 pro Jahrgang. Vor fünf Jahren hatte die Pfarrei noch 8300 Mitglieder. Die Jahresstatistik 2010 zählt 7776 Katholiken; davon haben hier 404 nur ihren Zweitwohnsitz. Bei den Stichzählungen im März und November 2010 wurden 688 Sonntagsgottesdienstbesucher gezählt. Das entspricht 8,8 Prozent der Katholiken mit Haupt- und Nebenwohnsitz und 9,3 Prozent, wenn nur die Katholiken mit Hauptwohnsitz zu Grunde gelegt werden. Der Durchschnitt für das ganze Bistum Essen liegt bei 9,4 Prozent.

Kritisch angemerkt wird im Pastoralplan, „dass ein positives Bewusstsein für die Pfarrei bei ihren Mitgliedern immer noch schwach ausgeprägt ist und die Zusammenarbeit innerhalb der Pfarrei sich oft als schwierig gestaltet. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat wäre sinnvoll, um möglichen zukünftigen Engpässen personeller und finanzieller Ressourcen entgegensteuern zu können“, so wörtlich.

Natürlich solle die Identität der einzelnen Gemeinden gewahrt bleiben und respektvoll mit historisch gewachsenen Strukturen innerhalb der einzelnen Gruppen und Gemeinden umgegangen werden. „Die Erkenntnisse aus dem Pastoralplan könnten als Chance genutzt werden, um die Gemeinden zur Pfarrei zusammenwachsen zu lassen und um eventuell noch bestehende Vorbehalte und Rivalitäten abzubauen“, heißt es weiter.

Der jetzt vorliegende Pastoralplan soll Grundlage und Leitfaden für dieses weitere Zusammenwachsen und ein weiter lebendiges Gemeindeleben sein. Eine Fortschreibung ist spätestens für das Jahr 2014 vorgesehen. ▪ -fe

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