Keine Ausgrenzung in evangelischen Kindergärten

Der Kindergarten an der Hochstraße ist eine von drei Einrichtungen in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde. Für das nächste Kindergartenjahr konnten hier nicht alle eingegangenen Anmeldungen berücksichtigt werden. ▪ Archivfoto: vom Hofe

MEINERZHAGEN ▪ Der Vorwurf ist schwerwiegend – und schmerzt die Verantwortlichen der Evangelischen Kirchengemeinde sehr. Werden Kinder von Andersgläubigen, im konkreten Fall ein Kind muslimischer Herkunft, ausgegrenzt und diskriminiert?

Diesen Vorwurf erhob eine deutschtürkische Mutter im Zusammenhang mit der Ablehnung der Anmeldung ihres Sohnes für den Kindergarten an der Hochstraße mit einem Leserbrief in der MZ. Friedrich-Wilhelm Schnöring als Presbyteriumsvorsitzender der Kirchengemeinde hält überzeugende Fakten dagegen: „In den drei Kindertageseinrichtungen in evangelischer Trägerschaft der Kirchengemeinde gibt es bei zurzeit dort betreuten 198 Kindern 60 mit muslimischem Hintergrund.“

Betroffen von den öffentlich erhobenen Anwürfen in Richtung der evangelischen Kirchengemeinde zeigt sich auch Pastorin Petra Handke. Sie macht klar: „Wir pflegen als Kirchengemeinde über einen schon sehr langen Zeitraum regen interreligiösen Dialog. Kinder auch aus muslimischen Familien in Meinerzhagen sind uns seit über 30 Jahren in unseren Einrichtungen willkommen gewesen und sind es auch heute. Wir können daher den Vorwurf der Diskriminierung nicht verstehen, weil er ganz einfach unbegründet ist“, stellt sie klar.

Annegret Benger als Kindergartenbeauftragte im Presbyterium nennt auf Anfrage der MZ folgende aktuelle Daten und Fakten, durch die auch aus ihrer Sicht die erhobenen Vorwürfe entkräftet werden: Der Anteil von evangelischen Kindern liegt in den drei Kindergärten bei zurzeit 38 Prozent. Somit entfallen 62 Prozent auf Kinder von Eltern anderer Konfessionen/Glaubensrichtungen und auch auf Konfessionslose. Mit derzeit 35 Prozent Anteil von Muslimen wird der Kindergarten an der Hochstraße in ganz besonderem Maße von Kindern dieser Bevölkerungsgruppe frequentiert.

Die Evangelische Kirchengemeinde ist in Meinerzhagen als Träger von gleich drei Kindertagesstätten (Inselweg, Hochstraße, Otto-Fuchs-Straße) traditionell besonders stark engagiert. „Dieses Engagement leisten wir aus voller Überzeugung“, betont der Presbyteriumsvorsitzende Schnöring. Und er legt großen Wert auf die Klarstellung: „Unsere Einrichtungen stehen generell der Bürgerschaft zur Verfügung – ohne dass hier Unterschiede nach Religion oder Abstammung gemacht werden.“

Allerdings steht auch die Evangelische Kirchengemeinde für ihre Kindergärten aktuell vor der in dieser Form so nicht erwarteten Entwicklung, dass trotz rückläufiger Geburtenzahlen und auch entgegen der vom Kreisjugendamt in Abstimmung mit der Stadt errechneten Zahlen im Kindergartenbedarfsplan für Meinerzhagen das jüngste Anmeldeverfahren eine überaus starke Nachfrage nach freien Plätzen ergab.

Besonders stark nachgefragt war dabei der Kindergarten an der Hochstraße. Weil die Kirchengemeinde hier aber durch Umbaumaßnahmen zusätzliche Plätze für die Krippenbetreuung von U-3-Kindern mit erhöhtem Raumbedarf geschaffen hat, musste das Gesamtangebot von bisher drei auf zwei Gruppen reduziert werden, erläutert Pastorin Petra Handke.

„Wir konnten für die Hochstraße aus diesem Grund nicht alle Anmeldungen annehmen“, informiert Annegret Benger. Die betroffenen Eltern seien aber schriftlich auf noch freie Plätze am Inselweg hingewiesen worden.

Das Vergabeverfahren für die freien Plätze erfolgt bei der Kirchengemeinde übrigens jeweils in Abstimmung zwischen der Kindergartenleitung, der Kirchengemeinde als Einrichtungsträger und unter Einschaltung auch des jeweiligen Rates der Tageseinrichtung, in dem auch Elternvertreter mitwirken. Ein besonderes Kriterium sei bei der Vergabe jeweils auch, dass Geschwisterkinder möglichst zusammen in einem Kindergarten aufgenommen und betreut werden. ▪ -fe

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare