„Wenn sich nichts tut, stirbt die Pfarrei!“

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Über die aktuelle Lage in der Pfarrgemeinde sprach Pfarrer Thorsten Rehberg (rechts) auf Einladung von Herbert Monkowski im katholischen Gemeindesaal St. Marien.

Meinerzhagen - „Die Kirche hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert“, begrüßte Herbert Monkowski die Gruppe Ü-60 im Pfarrheim St. Marien. Zu Gast war jetzt Pastor Thorsten Rehberg, der nach einem Kaffeetrinken über die Situation der Pfarrgemeinde sprach.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich viel geändert. Das einzig Stabile sei die Zahl der Beerdigungen, führte der Pfarrer aus. Der Gottesdienstbesuch habe um 40 Prozent abgenommen, insbesondere durch Beerdigungen und Wegzug. Austritte spielten eine geringere Rolle.

Ausführlich sprach Pastor Rehberg über die Situation, in der er damals die Gemeinden kennengelernt hatte. Vor zehn Jahren war Meinerzhagen ebenso wie Kierspe und Valbert noch eigenständig, nun sei man eine Großpfarrei mit damals rund 8400 Mitgliedern, heute noch etwa 7300 – verteilt auf 170 Quadratkilometer. Heute gebe es immer noch eine Gemeinde in Meinerzhagen mit zwei Kirchen, aber lediglich 3000 Mitgliedern. Die Zeichen stünden seit Jahren auf Veränderungen.

Drastische Einsparungen nötig

„Zu wenig ist bisher passiert, um das Kirchenschiff so seetüchtig zu machen, dass es durch jeden Sturm kommt. Wir stehen vor dem großen Problem, bis 2030 unseren Haushalt um die Hälfte einstampfen zu müssen.“ 40 Prozent von diesen 50 Prozent des Einsparungspotenzials müsse jedoch bereits in den nächsten vier Jahren erfolgen. „Schaffen wir das nicht, ist das Überleben und die Eigenständigkeit unserer Pfarrei nicht nur gefährdet, sondern sogar unwahrscheinlich“, führte der Pfarrer weiter aus und betonte, dass man eine kleine Pfarrei sei mit einer riesigen Fläche.

Von Gebäuden trennen

Problematisch werde es, wenn man nicht mehr in dieser Fläche vor Ort präsent sei, dann werde man schlichtweg überflüssig. Man stehe vor der schwierigen Aufgabe, nicht nur Geld einzusparen, sondern sich auch von Gebäuden zu trennen, aber trotzdem die Standorte zu erhalten. „Wenn sich nichts tut, stirbt die Pfarrei! Es ist unsere Aufgabe, für eine gesicherte Zukunft zu arbeiten“, betonte Pfarrer Rehberg. Sicherlich gebe es auch viele Unkenrufe, aber an den Fakten sei nicht zu rütteln. „Wenn ich als Pfarrer deswegen die Hände in den Schoß lege, wäre das unverantwortlich.“

Über den Tellerrand schauen

Aber wie könne das Problem angegangen werden? Dazu stellte er die Schritte des Prozesses vor, die man gehen werde. Zunächst müsse man überlegen, wo man als Pfarrgemeinde hin wolle, was die Menschen vor Ort davon hätten, dass es bei ihnen Kirche gebe. „Wir müssen über den Tellerrand der eigenen Gemeinde schauen und eine Perspektive gewinnen, die uns verbindet. Dabei hilft uns Papst Franziskus und sein Schreiben „Evangelii gaudium“, das in allen Kirchen zur Mitnahme und Lektüre ausliegt.“

Keine naheliegende gute Lösung

Dann sei es an der Zeit, für jede Gemeinde eine „Typberatung“ zu machen: „Was können alle und was tun wir, was die anderen Gemeinden nicht tun können?“ Und die dritte Frage: Was brauche man dafür und was nicht (mehr)? Für Meinerzhagen gebe es keine naheliegende gute Lösung. Allerdings sei es sinnvoll, hier in den Dialog mit der evangelischen Schwestergemeinde einzutreten: „Unsere Probleme ähneln sich doch sehr. Vielleicht ist eine Lösung nötig, die wir nur gemeinsam finden können.“ Dem stimmten die meisten der Anwesenden in der anschließend äußert engagiert geführten Diskussion zu.

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