140 Zuhörer erleben eine witzige Lesung

Das Publikum zeigte sich begeistert von den Vorträgen der sechs lesenden Gäste aus Meinerzhagen und Kierspe. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „In der Stadt lebt man zu seiner Unterhaltung, auf dem Lande zur Unterhaltung der anderen.“ Rund 140 Besucher schmunzelten am Dienstagabend über das Zitat Oskar Wildes, mit dem Ulrike Erlhöfer sie im Namen des KuK-Vereins im Foyer der Stadthalle begrüßte. An diesem Abend war es sechs Gästen aus Kierspe und Meinerzhagen zu verdanken, dass die große Zuhörerschaft beim „Jour fixe” einen ebenso kurzweiligen wie amüsanten Vorleseabend genoss.

Das Motto „Hauptsache witzig“ wurde in vollem Umfang erfüllt, manch einer wischte sich im Verlauf des Abends eine Lachträne aus dem Augenwinkel. Mit James Krüss bekanntem Gedicht „Wenn die Möpse Schnäpse trinken“ startete der ehemalige Gesamtschullehrer Wilhelm Wagenfeld in den vergnüglichen Abend. Limericks und Schüttelreime folgten bevor bei den Zeilen „Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken Schneeflöcklein leis herniedersinken“ ein begeistertes Raunen durch die Reihen ging. Als kleine Hommage auf Loriot und Vorgeschmack auf die nahende Adventszeit trug Wagenfeld das „Weihnachtsgedicht“ vor. Vergnügt lauschten die Zuhörer den zuckersüßen Worten, die auf romantische Weise beschreiben, wie die Försterin sich ihres Gatten entledigt und ihn sauber zerteilt.

Als zweite Vorleserin nahm Iris Laufer am Lesepult Platz. Wenn selbsternannte Kunstkenner ins Schwärmen geraten und ein in die Sphären der hohen Kunst erhobenes Objekt mit schwulstiger Überschwänglichkeit loben, so kann auch das höchst unterhaltsam sein. Hiervon handelt die Kurzgeschichte der Autorin Gaby Schumacher, die ebenfalls beim Publikum ins Schwarze traf.

„Ein Vater wird geboren“ ist der Titel einer turbulenten Kurzgeschichte von Ephraim Kishon, die MZ-Lokalchef Horst vom Hofe ausgewählt hatte. Der Protagonist begleitet seine hochschwangere Frau in die Klinik, die Geburt steht unmittelbar bevor. Verwundert und befremdet registriert er die Mitteilungsfreude anderer Väter, die nach Erhalt der freudigen Nachricht aller Welt Größe und Gewicht des Sprösslings mitteilen wollen. Gedanklich bereits mit der Planung der akademischen Laufbahn des Familienzuwachses beschäftigt, ist der Mann die Ruhe selbst. Vorerst. Im Verlaufe der Nacht durchläuft er jedoch die Wandlung zum hysterischen Nervenbündel. Als sein Kind endlich das Licht der Welt erblickt hat, schlingt der frisch gebackene Vater unter dem Einfluss von nicht unerheblichen Mengen Alkohols seine Arme vor Glückseligkeit um den Überbringer der Nachricht und versucht gegen dessen Widerstand „dieses überirdisch schöne Antlitz zu küssen“. Auch dieser Beitrag sorgte für große Heiterkeit im Raum.

Der Kiersper Addi Dietrich brachte die Zuhörer schließlich mit viel Biss, Humor und Lokalkolorit zum Lachen. Er verlas einige seiner Leserbriefe, die in den vergangenen Jahren in der MZ veröffentlicht wurden. Ebenso scharfzüngig wie humorig nahm er darin Kiersper Themen, wie den Einkaufspark am Wildenkuhlen oder die Planungen für das ehemalige Bremi-Gelände auf die Schippe.

Mit den Worten „Ich bin eigentlich ein Kiersper, komme aber über den Berg und damit schon aus einem anderen Kulturkreis,“ sorgte Rönsahls Ortsbürgermeister Horst Becker für Stimmung in den Reihen. Mit großem darstellerischen Talent hauchte er Geschichten des Fabrikanten und Schriftstellers Hermann Lausberg „Menelaus“ Leben ein.

Mit Mark Twain, vorgelesen von Ingrid Becker, richtete die Zuhörerschaft abschließend das Interesse auf besondere Schikanen beim Erlernen der deutschen Sprache und amüsierte sich über die humorvollen An- und Einsichten des Autors.

Petra Schüller

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