Die Ära der „Zivis“ endet bald

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Kai-Uwe Kersten (l.) und Joachim Stöver (r.) mit dem letzten Zivildienstleistenden, Kevin Voigt. ▪

VALBERT ▪ „Hier bekommt man was vom Leben mit.“

Joachim Stöver ist pädagogischer Leiter der evangelischen Tagungsstätte Haus Nordhelle in Valbert – und er ist sicher, dass die Einrichtung nicht nur ihren Gästen viel zu bieten hat, sondern auch den Mitarbeitern. Dazu zählten bisher auch immer Zivildienstleistende, die in Haus Nordhelle unverzichtbar wurden. Doch damit ist es bald vorbei, denn der letzten „Zivi“, Kevin Voigt, macht Ende Juli Schluss. Und Nachfolger wird es nicht mehr geben. Wie im ganzen Land ist seit der Abschaffung des Wehrdienstes auch der daran gekoppelte Zivildienst „Schnee von gestern“.

Durchschnittlich drei Zivildienstleistende unterstützen seit drei Jahrzehnten die Arbeit in Haus Nordhelle. Ob gärtnerische Aufgaben, Betreuung von Gästen bei Tagungen, Dienste am Empfang oder das Bestuhlen von Tagungsräumen – „Zivis“ waren Am Koppenkopf eigentlich nicht zu ersetzen. Und das gilt noch immer. Genau aus diesem Grund haben sich der kaufmännische Leiter, Kai-Uwe Kersten, und sein Kollege Joachim Stöver ein neues Konzept überlegt, das den „Nachwuchs“ an jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch künftig sichern soll. Im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Bundes-Freiwilligendienstes (BFD) – so ist es in Valbert gewünscht – können ab 1. August dieses Jahres junge Menschen in Haus Nordhelle für zwölf Monate mitarbeiten. Das Freiwillige Jahr ist dabei nichts Neues, der „BFD“ wurde ins Leben gerufen, um die Abgänge durch den auslaufenden Zivildienst aufzufangen.

Wer also möchte, kann sich nach der Schule und vor dem Studium oder der Ausbildung ein Jahr lang für soziale Zwecke engagieren – übrigens nicht nur in Haus Nordhelle. In der heimischen Tagungsstätte werden die Freiwilligen allerdings auch bezahlt. 400 Euro bekommen sie hier für die Zeit ihrer Tätigkeit als monatliches Taschengeld, außerdem fließt das Kindergeld weiter und es gibt Fahrgeld. Und an Tagen, an denen es der Dienstplan erlaubt, ist die Aufnahme einer weiteren „externen“ Tätigkeit auf 400-Euro-Basis gestattet. Bislang haben sich übrigens zwei Interessenten gemeldet, eine feste Zusage liegt in Haus Nordhelle aber noch nicht vor. Wer möchte, kann sich noch mit den beiden Leitern des Hauses unter Tel. (0 23 58) 800-90 in Verbindung setzen.

„Wir haben hier viele interessante Tätigkeiten zu bieten“, erläutert Joachim Stöver, der die Abschaffung des alten Zivildienstes für eine „schlechte Entscheidung“ hält. Stöver und Kersten sind allerdings der festen Überzeugung, dass auch durch „BFD“ und „FSJ“ noch genügend junge Kräfte nachfolgen werden: „Eine Orientierungsphase zwischen Schule und weiterer Ausbildung oder Beruf ist sicherlich nicht falsch. Soziale Kompetenz wird erworben und die macht sich auch bei Bewerbungen gut – außerdem wird die Zeit hier im Haus auf die Wartezeit beim folgenden Studium angerechnet.“

Früher konnten Zivildienstleistende für fast alle Arbeiten eingesetzt werden – bei ihren Nachfolgern im Freiwilligendienst oder im Sozialen Jahr geht das nicht mehr. Zwar sind grundsätzlich alle Tätigkeiten erlaubt, doch ein erheblicher Prozentsatz der Arbeit muss einen sozialen Bezug haben. Dass das zu Problemen führt, glauben weder Stöver noch Kersten. Im Gegenteil: Sie sind sicher, dass beide Seiten profitieren werden. „Und wenn es den jungen Leuten Spaß macht, dann spricht sich das auch schnell herum und es kommen neue Interessenten“, ist Kai-Uwe Kersten sicher. ▪ beil

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