Das Ziel: „Ausbluten“ der Innenstadt verhindern

Auch an der Fröbelstraße gibt es seit dem Jahr 2010 einen Leerstand.

MEINERZHAGEN ▪ Es soll ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Meinerzhagen erarbeitet werden, das dann auch als städtebauliches Entwicklungskonzept Leitlinien für künftige Entscheidungen geben kann.

Dies befürworteten am Mittwoch bei drei Enthaltungen die Mitglieder des Ausschusses für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt nach eingehender Beratung. Hintergrund für diesen Beschluss sind aktuelle Entwicklungen: Leerstand von Ladenlokalen und Gewerbeflächen einerseits, Ansiedlungsansichten von zum Teil großflächigem Einzelhandel andererseits. Was vor allem möglichst verhindert werden soll ist ein weiteres „Ausbluten“ des Angebots im Innenstadtbereich.

Stadtplaner Friedrich Rothaar hatte den Ausschussmitgliedern die Auftragserteilung für ein solches Einzelhandelskonzept wärmstens ans Herz gelegt. In der ausführlichen Beratungsvorlage hatte die Verwaltung unter anderem auf die folgenden Punkte aufmerksam gemacht: „Der Schutz, die Stärkung sowie die Erhaltung und Entwicklung ihrer zentralen Versorgungsbereiche ist ein wichtiges Ziel der Stadtentwicklung für die Städte und Gemeinde. Denn funktionsfähige zentrale Versorgungsbereiche sind innerhalb des Stadtgefüges von besonderer Bedeutung: Sie stellen eine verbrauchernahe Grundversorgung der Bevölkerung sicher, sind Kristallisationspunkt des städtischen Lebens und Voraussetzung für eine vitale Stadt. Dabei kommt dem Einzelhandel zur Aufrechterhaltung der vielfältigen Funktionen eine besondere, nämlich stadtbildende Bedeutung zu... In der jüngeren Vergangenheit sind insbesondere im Siedlungsschwerpunkt Meinerzhagen Entwicklungen eingetreten, in deren Folge städtebauliche Veränderungen einhergehen könnten, durch die eine Schwächung des zentralen Versorgungsbereichs nicht auszuschließen ist.“

Letzteres wurde in der Sitzung noch einmal deutlicher herausgearbeitet: An der Oststraße stehen seit Schließung des Möbelhauses Kessler auf einer Grundstücksfläche von deutlich über 2000 Quadratmeter große Verkaufsflächen leer. Das gleiche gilt für den Bereich Fröbelstraße, nachdem hier die Aldi-Verkaufsstelle geschlossen wurde und auch weitere Geschäfte aufgaben.

Was im Ausschuss ungesagt blieb, aber deutlich im Raum steht ist folgendes Szenario: Aldi und womöglich weitere Filialisten siedeln sich neu an der Fröbelstraße an, dafür wird der Standpunkt Lindenstraße aufgegeben. Fraglich ist zudem, ob die Kaufpark-Filiale an der Hauptstraße auf Dauer dort bleibt. Fallen am Ende tatsächlich diese beiden „Frequenzbringer“ weg, könnten als Folge weitere Geschäfte im Umfeld schließen.

Klargestellt wurde sowohl seitens der Verwaltung als auch insbesondere seitens der CDU-Fraktion, dass mit der Aufstellung eines Konzepts keine „Verhinderungspolitik“ verbunden sein soll. Dazu heißt es in der Verwaltungsvorlage unter anderem wie folgt: „Es besteht eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Frage, welche etwaigen neuen Einzelhandelsansiedlungen welcher Größenordnung außerhalb des zentralen Versorgungsbereichs tatsächlich nachteilige Auswirkungen auf diesen haben würden oder aber vielleicht doch innenstadtverträglich wären.“

Das von einem noch zu benennenden überörtlichen Fachbüro unter Mitwirkung der Öffentlichkeit, der lokalen Gewerbetreibenden als auch der Interessenvertretungen, wie zum Beispiel Einzelhandelsverband oder SIHK, zu erarbeitende Konzept soll den Istzustand beschreiben, mögliche Angebotslücken wie auch Überversorgungen aufzeigen.

Darauf aufbauend soll es Entscheidungshilfen für künftige Entwicklungen geben. „Wobei eines klar sein muss: Der Rat der Stadt und seine Gremien bleiben weiter Herr des Verfahrens und frei in ihren Entscheidungen“, wie es so deutlich der Ausschussvorsitzende Rolf Puschkarsky (SPD) unterstrich. ▪ -fe

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