Konzept zieht der Einkaufsstadt klare Grenzen

Der orangefarbene Bereich kennzeichnet die „städtebauliche Mitte“, blau eingefasst ist die Zone für den „Versorgungseinkauf“. Der dunkelrote „Schlauch“ im Norden kennzeichnet den „funktionalen Ergänzungsbereich“, der aktuell vom Hit-Markt ausgefüllt wird.

Meinerzhagen - Lange musste die Politik warten, jetzt liegt es  vor: Das Einzelhandelskonzept, das im Juni 2013 in Auftrag gegeben worden war und dessen Entwurf im September öffentlich diskutiert wurde, soll am 5. Mai im Rat beschlossen werden. Eine Zersiedelung des Handels und eine Ansiedlung von einzelnen Anbietern auf der „grünen Wiese“ soll damit verhindert werden.

Von Frank Zacharias

Das Dortmunder Planungsbüro „Stadt und Handel“ liefert auf 104 Seiten nicht nur eine Bestandsanalyse, sondern gibt der Verwaltung auch Instrument an die Hand, das etwa die Platzierung eines Supermarktes außerhalb dafür vorgesehener Zonen wenn nicht unterbinden, dann doch erschweren kann. Unterteilt wird die Stadt dazu in drei Zonen:

- Versorgungseinkauf (Prumbomweg bis Lindenstraße, mit Aldi und Lidl) als „grundsätzlich potenzieller Standort für großflächige Entwicklungen“.

- „Erlebniskeinkauf“, städtebauliche Mitte (Hauptstraße/Krim bis Stadthalle mit Ausnahme der Zone „Versorgungseinkauf) als Ort mit „hoher Aufenthaltsqualität“, in dem eine Funktionsmischung erhalten bleiben soll. Dieser Bereich ist grundsätzlich aber auch als Vorrangstandort für „fachmarktorientierte Einzelhandelsentwicklungen“ vorgesehen, sofern diese realisierbar sind.

- Funktionaler Ergänzungsbereich (Hit-Bereich zwischen Volmestraße und B54), der laut Konzept über ein „Kopplungspotenzial" mit der Innenstadt verfügt.

Die „Meinerzhagener Liste“

Folgende Sortimente stuft das Einzelhandelskonzept als zentrenrelavant beziehungsweise zentren- und nahversorgungsrelevant ein. Eine Ansiedlung entsprechender Geschäfte sollte nur innerhalb des genau bezeichneten Innenstadtbereichs erfolgen: Augenoptik, Bettwaren, Bekleidung, Blumen, Bücher, Computer-Hard- und Software, Drogeriewaren, Elektrokleingeräte, Fahrräder und Zubehör, Foto- und optische Erzeugnisse und Zubehör, Glas/Porzellan/Keramik, Haus-/Bett-/Tischwäsche, Hausrat, Heimtextilien, Kurzwaren/Schneidereibedarf/Handarbeiten sowie Meterware, medizinische und orthopädische Geräte, Musikinstrumente und Musikalien, Nahrungs- und Genussmittel, Papier/Büroartikel/Schreibwaren, Parfümerieartikel/Kosmetik, Pharmazeutische Artikel, Schuhe/Lederwaren, Spielwaren, Sportartikel, Teppiche, Telekommunikationsartikel, Uhren/Schmuck, Unterhaltungselektronik, Waffen/Jagdbedarf/Angeln, Wohneinrichtungsbedarf (ohne Möbel), Zeitungen/Zeitschriften sowie zoologischer Bedarf.

Diesen drei Zonen kommt demnach eine besondere Bedeutung für die künftige Einzelhandelsentwicklung in Meinerzhagen zu. Sortimente, die das Konzept als zentren- oder nahversorgungsrelevant einstuft ("Meinerzhagener Liste"), sollten außerhalb dieser Flächen nicht platziert werden. Auch nicht im Bereich der beiden „Sonderstandorte“ Darmcher Weg (Obi) und Oststraße (von Schriever bis zum Expert-Mega Markt).

"Konzept ist eine Selbstbindung für den Rat"

Das heißt auch: Eine Ansiedlung des Kaufparks im Kessler-Gebäude, die immer wieder im Gespräch ist, würde dem Einzelhandelskonzept widersprechen. Verboten wäre sie damit aber nicht, wie Friedrich Rothaar, Sachgebietsleiter Stadtplanung, auf MZ-Anfrage erklärte. „Das Konzept ist eine Selbstbindung für den Rat. Er gibt sich damit einen Rahmen, auf den er sich bei Entscheidungen zu künftigen Ansiedlungen beziehen kann.“ Rechtlich bindend sei das Einzelhandelskonzept aber nicht – letztlich könne es aber hinzugezogen werden, Bebauungsplan-Inhalte zu begründen.

Und solch ein Bebauungsplan wiederum könnte notwendig sein, wenn ein Lebensmittelmarkt an der Oststraße tatsächlich verhindert werden soll. Denn: Grundsätzlich spreche in unbeplanten Innenstadtbereichen nichts gegen eine solche Ansiedlung, sofern sie sich in das Umfeld einfügt. Steuernd eingreifen könne die Verwaltung dann also entweder per Bebauungsplan – oder mit dem Hinweis auf „schädliche Auswirkungen auf den zentralen Versorgungsbereich“.

Entwicklung des Innenstadtbereichs soll gestärkt werden

Doch nicht nur um die Zukunft des Kessler-Gebäudes geht es, sondern um die gesamte Entwicklung des Innenstadtbereichs: Dieser soll sowohl durch die Sicherung und Unterstützung vorhandener Magnetbetriebe, als auch durch weiteren Einzelhandel im Sinne des Konzepts sowie durch Ergänzung des Branchenmixes gestärkt werden. Und auch die so genannten „nicht-zentrenrelevanten“ Sortimente sind keinesfalls für Hauptstraße und Fußgängerzone tabu: Deren Ansiedlung sei wünschenswert, aber zur Stärkung der konkreten Versorgungsfunktion des Zentrums nicht erforderlich.

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