Zeitungslektüre als eine Art Ritual

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Helene Dittmann, Pflegedienstleiterin Ingrid Papst, Jutta Dittmann und die Leiterin des Langemann-Hauses, Monika Besner (von links), beim Studium der MZ.

MEINERZHAGEN - „Bei uns ist das so eine Art Ritual, morgens in der Zeitung zu blättern. Die Zeitung gehört zu unserem täglichen Leben“ , so Monika Besner.

Die Leiterin des Wilhelm-Langemann-Hauses an der Mühlenbergstraße, möchte auf die Lektüre der MZ nicht verzichten – schließlich stehen sie, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und natürlich die Bewohner des Seniorenzentrums mitten im Leben.

Die Einrichtung mit ihren bis zu 150 Bewohnern versteht sich als Teil der Stadt Meinerzhagen – und da gehört es einfach dazu, jeden Tag „auf dem Laufenden“ zu sein. „Zeitung – das ist etwas ganz Besonderes. Sie hat einen ganz besonderen Geruch, man hält etwas in der Hand, was vertraut ist – und das es seit vielen, vielen Jahren gibt“, möchte Monika Besner ihre tägliche Zeitung nicht missen. Und natürlich ist es für sie in verantwortlicher Position wichtig, über das öffentliche Leben in Meinerzhagen unterrichtet zu sein.

Doch auch für die Senioren von der Mühlenbergstraße gehört die MZ dazu: „Sie kennen und schätzen die MZ. Entweder haben sie die Zeitung selbst abonniert, oder sie nutzen das Exemplar, das wir täglich in der Eingangshalle auslegen. Und oft haben wir auch Glück, wenn Bürger während ihres Urlaubs ihr Exemplar der MZ an unser Haus liefern lassen.

“ Wie begehrt die Tageszeitung im Langemann-Haus ist, beweist die Nachfrage nach dem jeweils aktuellen Exemplar: „Einige Bewohner wissen, zu welcher Zeit die Hausverwaltung die Zeitung rauslegt. Dann sind sie da und melden Besitzansprüche an“, hat Monika Besner schon beobachtet. Die Leiterin fügt hinzu: „Da müssen wir dann manchmal auch eingreifen.“ Dass die MZ so begehrt ist, hat für die Chefin auch damit zu tun, dass die meisten Bewohner ihre Tageszeitung von Kind an kennen. „Früher wurde eine Zeitung auch nicht nur zur Informationsbeschaffung genutzt, das Papier diente beispielsweise auch dazu, Fenster streifenfrei zu putzen.“

Die Lektüre beginnt für viele Senioren nach den Erfahrungen der Mitarbeiter auf der Seite mit den Traueranzeigen. „Diese Anzeige ist oft auch das letzte Blatt in einer Bewohnerakte“, erklärt Monika Besner und fügt hinzu: „Wir erfahren durch die Veröffentlichung auch, wann beispielsweise Beerdigungen stattfinden.“ „Der Lokalteil ist ebenfalls sehr wichtig, die überregionale Politik wird nicht von allen beachtet“, erzählt Monika Besner. „Und eine ganz große Rolle spielen auch die Bilder“, weiß Pflegedienstleiterin Ingrid Papst. Sie und ihre Kolleginnen übernehmen es im Langemann-Haus auch, aus der MZ vorzulesen. Dieser Service ist begehrt – er fördert die Kommunikation. Und die Angestellten der Einrichtung informieren sich natürlich auch selbst in der MZ. „Besonders Themen rund um die Bereiche ,Pflege' und ,rechtliche Rahmenbedingungen' interessieren uns“, erklärt Ingrid Papst. Schließlich werden Berichte über das Haus auch noch an den Träger, das Evangelische Perthes-Werk, geschickt.

Und was sagen die Heimbewohner selbst? „Ich lese die MZ jeden Tag von vorn bis hinten. Dazu nehme ich mir dann ein Stündchen Zeit. Und zuerst gucke ich, wer gestorben ist“, erzählt Lotte Burdinski (83).

Für Maria Göbel (71) ist die MZ zwar nicht jeden Tag „Pflicht“ – auch sie liest ihre Heimatzeitung aber regelmäßig. „Vor allen den Sport. Ich bin nämlich Fan von Bayern München“, outet sie sich als Anhängerin der Schweinsteiger-Elf.

Klaus-Dieter Hildebrandt (72) hat im Langemann-Haus einen Stammplatz im Eingangsbereich, an den er sich zum MZ-Studium zurückzieht. „Das ist ganz wichtig. Hier sitze ich schon und warte auf die Ausgabe.“ Besonders der Sport – lokal und überregional – findet sein Interesse. „Aber auch Aktuelles aus Meinerzhagen interessiert mich. Darauf würde ich nur sehr ungern verzichten“, beschreibt der Senior seine Lesegewohnheiten.

„Alles sollte immer am selben Platz zu finden sein.“ Das ist Helene Dittmann (90) an ihrer MZ täglich aufs Neue besonders wichtig. „Ich lese die Zeitung jeden Tag“, berichtete sie. Und ihre Schwiegertochter Jutta Dittmann fügt hinzu: „Wir haben ein Abo – das Internet als Nachrichtenbörse ist da für uns überhaupt keine Alternative. Ich persönlich muss einfach eine richtige Zeitung in der Hand halten.“

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